Heinsberg: Marc Breuer und „Special Guest“

Heinsberg : Marc Breuer und „Special Guest“

Das Übliche — eine Lesung — war an diesem Abend nicht im Angebot der Buchhandlung Gollenstede. Der Inhaber Marcus Mesche kündigte „mal etwas Anderes“ gleich zum Anfang an. Marc Breuer, bekannt als „Brüh“ vom Rurtal-Trio, präsentierte sein Kabarett-Programm „Ich hab‘ die Ruhe weg“ in den Räumlichkeiten der Buchhandlung.

Er freue sich, als Heinsberger Urgestein in der Hochstraße, der „Amüsiermeile Heinsbergs“, sein zu dürfen, wies Marc Breuer gleich zum Einstieg auf die vielen zu erwartenden sprachlichen Gags hin. Was folgte, waren rund zwei Stunden Programm um die „Leiden“ eines jungen Vaters und Ehemannes einer Karrierefrau.

Mit den Augen des modernen Mannes, von der Begleitung bei der Geburt im Kreißsaal, über die Betreuung des Kleinkindes und den Arbeiten im Haushalt und seines eigenen Berufes auf die vielen damit verbundenen Anforderungen blickend, folgte oft im Comedy-Stil ein Gag nach dem anderen.

Dass dabei Anleihen an bekannte Gags gemacht wurden, wie „ich hatte eine schwere Kindheit — ich komme aus Brachelen“, war wohl unvermeidlich. Dem Publikum gefielen sie, und Marc Breuer hatte die Lacher auf seiner Seite. Wenn auch des Öfteren ein wenig „Bashing“ betrieben wurde und das Eindreschen auf zum Beispiel Gesprächsinhalte von Müttern auf Spielplätzen (die Wespe ist böse, Globolikügelchen sind gut) zum Programminhalt gehörte — auf dem schmalen Grat zwischen zumutbar und Zumutung zu wandeln beherrschte Marc Breuer.

Sein Publikum gekonnt an der langen Leine zu führen und Verfängliches wie Vorurteile gegen die Berufsgruppen der Lehrer und Verwaltungsbeamte einzubringen, aber gleich wieder einzufangen mit dem Hinweis, dass sich sowas nicht gehöre, zeigte seine ganze Erfahrung als „Rampensau“ auf den Bühnenbrettern.

In einer gekonnten Mischung aus Übertreibungen, Zuspitzungen — Douglas-Parfümerien als „Baumarkt für Frauen“ — und kritischen Anmerkungen zur Facebook-Nutzung oder zu den langen Wartezeiten bei Ärzten als Zeitfresser und Stressbeschleuniger zu benennen, das machte den Reiz seines Programms aus.

Marc Breuers ganz spezieller Humor machte manchen im Publikum atemlos, den einen vom andauernden Lachen, den anderen ob der unerwarteten Pointe und Doppeldeutungen. Beim Thema Gesundheit konnte sich hier jeder ein wenig selber erkennen: Vom frischen Obst verzehren und mehr Sport treiben — die Rolltreppe nehmen statt des Aufzuges — bis zum Yoga, mit Esoterik die Enttäuschung von der Schulmedizin vertreiben. Geschickt waren auch seine Programmteile, in denen Teilnehmer mit einbezogen wurden.

Der rote Faden seines Programms war die Suche nach den Möglichkeiten zur Entschleunigung im modernen Leben einer jungen Familie. „Der Weg ist das Ziel“, war Breuers Hinweis und zugleich Trost, dass die vielen gescheiterten Beispiele in seinem Programm die Menschen nicht vom Weg zum „Ich hab‘ die Ruhe weg“ abbringen lassen sollten.

Der Höhepunkt des Abends war jedoch der angekündigte „Special Guest“ — Marc Breuers Rolle als Löschmeister Josef Jackels — aus dem berühmt-berüchtigten Dorf Saeffelen. Da kommt der ganze schräge Humor einer durch und durch liebenswerten Figur zum Tragen, der der bekannten Landwirtfigur des Hastenraths Will in nichts nachsteht. Kein Wunder, da beide aus dem gleichen Kabarettstall stammen.

Ein Stück Kabarett vom Feinsten konnte das Publikum erleben, nachdem zuvor deutlich ein Comedy gefärbtes Programm geboten wurde. Der Kreis schloss sich damit: Die Zuschauer bekamen, wie von Marcus Mesche angekündigt, etwas Spektakuläres und Neues in der Buchhandlung Gollenstede geboten.

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