Maler Yi Zheng Lin stellt in der Wassenberger Galerie Noack aus

Maler Yi Zheng Lin : Baumarkt als künstlerische Rohstoffquelle

Im Rahmen ihrer Art-Forum genannten Gesprächsreihe hat die Wassenberger Galerie Noack eine Ausstellung des chinesisch-deutschen Malers Yi Zheng Lin eröffnet. Noch bis zum 6. April sind die insgesamt 46 Arbeiten, Bilder und Skulpturen aus verschiedenen Materialien, in der Galerie zu sehen.

„Die Luft riecht nach Marihuana“ war das Art-Forum überschrieben in Anlehnung an den Titel eines Bildes von Lin, das aus der jüngsten Phase seiner Arbeit, seiner neuen wilden Malerei stammt. In seiner Heimat hat der Künstler Lehramt und Rechtswissenschaften studiert, bevor er 1991 nach Deutschland emigrierte.

Auch hier studierte er Rechtswissenschaften, gab sein Studium aber der Kunst zuliebe auf. Heute lebt und arbeitet er in Köln und in Fuzhou Fujin, seinem Geburtsort in China. In zahlreichen Ausstellungen in Deutschland und China, aber auch in weiteren Ländern waren seine Werke zu sehen, die bereits mit Stipendien und Kunstpreisen honoriert worden sind. Nach 2012 und 2014 zeigt Galerist Klaus Noack seine Arbeiten zum dritten Mal, zum ersten Mal in der Galerie in Wassenberg.

Im Gespräch mit der Kunsthistorikerin Beatrix Tichelmann aus Wassenberg, der Kunstgeschichts-Studentin Michelle Seifert aus Düsseldorf und dem Künster Youssef Riegel aus Mönchengladbach wurde sehr schnell deutlich, dass Lin seine chinesische Herkunft nicht leugnen kann, sich aber als deutscher Künstler versteht. Dabei hat er seine Kunst quasi per Zufall entdeckt, als er Farben geschenkt bekam und einfach anfing zu malen. Seine Arbeiten fanden in seinem Bekanntenkreis Anerkennung und so wagte er es, seine Arbeiten dem Giessener Kunstverein vorzustellen, der seine erste Ausstellung mit dem Titel „Der Wind wählt nicht“ 1999 arrangierte.

Deutlich wurde in der Gesprächsrunde weiterhin, dass Geduld ein ganz wichtiger Begriff für Lin ist. Und das bezieht sich sowohl auf seinen Werdegang als Künstler als auch auf den seiner Arbeiten. Dafür sei manchmal sogar eine bestimmte Außentemperatur notwendig. Mischtechniken aus Tusche und Chemikalien auf Reispapier könnten nur im Sommer bei einer Temperatur von 22 bis 24 Grad Celsius hergestellt werden, erklärte er seinen Zuhörern.

Vielfach bedient sich der Künstler fantasievoller pflanzlicher Motive, sowohl in seiner Malerei als auch für seine Skulpturen, für die er gerne Baumärkte als „Rohstoffquelle“ plündere, wie er verriet. Zugleich zeigen die Gemälde aber auch immer ein Selbstporträt des Künstlers mit einer gewissen Melancholie. Dies sei nicht nur Existenzerfahrung, sondern auch Existenzbedingung. „Ich bin zart“, erklärte er, „aber auch sehr zäh“. Einsamkeit und Traurigkeit würden ihn kreativ machen, ihn geradezu dazu drängen, immer wieder Neues zu schaffen und dabei ganz unterschiedliche Ausdrucksmittel auszuprobieren.

Um das Werk ganz zu verstehen, sei dann jedoch auch ein Blick auf seine kulturellen Wurzeln wichtig, ergänzte Tichelmann. So müsse man wissen, dass Elfen in China nicht als gute Geister verstanden würden, dass Engel im Buddhismus eigentlich gar keine Rolle spielen und schwarze Raben dort nicht als Todevögel gesehen würden.

Die Galerie Noack in der Roermonder Straße 6 in Wassenberg ist geöffnet mittwochs bis samstags von 13 bis 17 Uhr. Weitere Informationen: www.galerienoack.de.

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