Wassenberg-Birgelen: Majestäten der vergangenen 100 Jahre in neuem Bildband

Wassenberg-Birgelen: Majestäten der vergangenen 100 Jahre in neuem Bildband

Das Foto auf Seite 52 gefällt Franz-Josef Breuer ganz besonders gut: „Das war die erste Kirmes nach dem Krieg“, erzählt er. „Stellen Sie sich das mal vor, ein Foto mitten auf der Straße, das wäre doch heute gar nicht mehr möglich!“ Tatsächlich hatte damals der gesamte Hofstaat mitten auf der Birgelener Hauptstraße, der heutigen Lambertusstraße, Aufstellung genommen, wie die Aufnahme belegt.

Diese und rund 300 weitere Fotos hat Breuer in seinem mittlerweile dritten Bildband zusammengetragen, den er im Birgelener Pfarrheim vorstellte. Auch die ersten beiden, erschienen 2011 und 2013, hatten sich mit der Geschichte von Birgelen und den umliegenden Orten beschäftigt. Bereits 2010 hatte Breuer eine Broschüre über das Birgelener Pützchen veröffentlicht.

Auf zwölf großen Holztafeln hatte Breuer die schönsten Seiten des insgesamt 200 Seiten starken, neuen Werks ausgestellt. Die übrigen lagen in dicken Ordnern mit Klarsichthüllen zum Blättern bereit. Und so kam der Herausgeber gar nicht dazu, sein Publikum offiziell zu begrüßen. Die Besucher hatten sich schon derart in die einzelnen Seiten vertieft, dass Breuer die vielen Gespräche über die Birgelener Geschichte, die er anhand von Fotos aus dem Leben der St. Lambertus Schützenbruderschaft erzählte, nicht stören wollte.

Schützenkönig im Jahr 1953

Er beantwortete alle Fragen und erzählte dabei auch, was ihm den Anstoß zu diesem neuen Buch gegeben hat. „Einen Grundstock hatte ich doch selbst“, schmunzelte er. Aus dem Jahre 1953 stammt er, denn in diesem Jahr war Breuer selbst Schützenkönig. Und dann gab es da noch die Festschrift, erschienen 1990 anlässlich des 550-jährigen Bestehens der Bruderschaft.

Diese habe damals der Chronist und Lehrer Josef von Helden erstellt, erzählte Breuer. Mit viel Liebe zu alten Schriften und viel Mühe habe der Chronist die Daten der Könige ab 1662 erfasst und auch das alte Königssilber dokumentiert. „Fang an zu suchen nach Bildern“, habe er sich damals selbst gesagt und mit seiner Recherche begonnen, schmunzelte er bei der Präsentation seines Bildbands. Breuer startete also mit den Fotos aus seinem Königsjahr 1953. „Schnell war ich dann runter bis 1947, wo die erste Kirmes nach dem Zweiten Weltkrieg stattfand“, berichtete er.

Weiter rückwärts sei es dann schon schwieriger geworden, all die Namen vom Gefolge des Königspaares, von Offizieren oder Fahnenträgern zu ermitteln. Doch Breuer fand Hilfe, etwa bei Jakob Linzen, Jakob Tillmans, Johann Geiser oder Elisabeth Randerath. Für die ersten Seiten des Bildbands, in denen es um das Königssilber der Bruderschaft geht, hat Breuer die Arbeit von Heldens übernommen. Hier ist auch die erste Silberplatte von 1662 abgebildet. „Adolf Jacob Wilhelms, Kellner des Haus Elsum und König des Jahres 1662 — 1663 und 1664“, lautet die Inschrift.

Platte Nummer 16 aus dem Jahr 1772 war ein großes Bruststück, das auch heute noch im Königssilber getragen wird. Platte Nummer 25 erinnert an den Freiherrn von Lykam zu Schloss Elsum. 23 Jahre sei er Bürgermeister der Gemeinde Birgelen gewesen, wusste Breuer zu berichten. Der umgestürzte Anker, das Wappen der von Lykams, sei heute noch auf Fahnen und Uniformen in Birgelen sichtbar. Getragen werde es heute im Silber des Schülerprinzen. Und das Anno-Santo-Kreuz, das 1933 von Papst Pius XI gestiftet worden sei, sei heute Teil des Brudermeister-Silbers.

Zusammengetragen hat Breuer schließlich Fotos bis zurück ins Jahr 1898. Gemeinsam mit Familienangehörigen der damaligen Majestäten habe er viele Fotoalben gesichtet oder in alten Kartons voller Fotos gestöbert. Nur von ganz wenigen Königspaaren hätten Aufnahmen gefehlt. Aber auch da wusste sich Breuer zu helfen und hat für seine Chronik alte Passbilder genommen. Bearbeitet, vergrößert und zusammengefügt ergaben auch sie dann ein Bild des Königspaares.

Wertvolles Erbe der Heimat

Die Bruderschaft sei Breuer zu ganz großem Dank verpflichtet, schreibt Brudermeister Hermann Josef Jütten in seinem Grußwort zu dem neuen Werk. Breuer liefere mit seinem Bildband „einen umfassenden Überblick über die Majestäten der vergangenen 100 Jahre. „Gleichzeitig geben die Bilder auch Hinweise auf das Bruderschaftsleben, das bis heute zu einem festen Bestandteil des Dorfgeschehens gehört.“

Breuers Werk mache bewusst, „in welch‘ großer Tradition die Bruderschaft und die anderen Birgelner Vereine stehen und wie wertvoll dieses Erbe der Heimat und des Glaubens ist“, würdigt Präses Pfarrer Thomas Wieners das Buch. Tradition sei nicht das Hüten von Asche, sondern die Weitergabe des Feuers. „Darüber nachzudenken will uns dieses Buch Mut machen. Damit die Menschen in Birgelen weiterhin die Kraft der Gemeinschaft spüren und sich so gegen die gesellschaftliche Vereinzelung wehren können.“

Mehr von Aachener Zeitung