Mädchen trauen sich an klassische "Männerberufe"

Schnupperwoche : Mädchen trauen sich an die Werkbank

Bohren, schweißen, schrauben: Meistens machen solche Sachen die Jungs. 20 Mädchen der Jahrgangsstufe neun haben nun allerdings eine Woche lang die Ausbildung zu einem technischen Beruf ganz praktisch kennengelernt.

Die Schülerinnen stammen von der Erkelenzer Gemeinschaftshauptschule, der Edith-Stein-Realschule in Wegberg, der Wassenberger Betty-Reis-Gesamtschule und der Hückelhovener Ganztagshauptschule In der Schlee. In den neunten Klassen finden auch die Berufsorientierungen mit entsprechenden Praktika statt. Angeschrieben wurden auch andere weiterführende Schulen, von denen jedoch keine Rückmeldungen kamen, wie Werkstattleiter Viktor Kail erklärte.

In der Lehrwerkstatt am Berufskolleg konnten die Mädchen ausprobieren, was zum Beispiel ein Zerspannungstechniker alles draufhaben muss. Angeleitet wurden sie dabei von Kail und seinen Kollegen Silke Rütten und Michael Wilms. Sie zeigen, wie man mit einer Feile umgeht und an einer Werkbank arbeitet, ohne sich die Finger zu quetschen.

Berührungsängste hatten die Mädchen nicht, berichtete Kail. Im Gegenteil, denn dieses Jahr gab es doppelt so viele Anmeldungen zu der freiwilligen Woche als Plätze zur Verfügung standen. Vor acht Jahren begann das Projekt mit drei Mädchen, die mal in einen typischen „Männerberuf“ hineinschnuppern wollten. „Es ist nicht falsch, wenn Mädchen auch technische Berufe auf den Schirm bekommen“, betonte Kails Kollege Michael Wilms.

Der Bedarf in der Wirtschaft sei vorhanden und die Berufsaussichten entsprechend gut. Darüber hinaus eröffne eine technische Ausbildung auch andere Möglichkeiten wie ein Fachstudium. Derzeit sind in den technischen Klassen des Berufskollegs die Mädchen noch in der Unterzahl, aber immerhin seien sie vorhanden, ergänzte Silke Rütten. Sie attestierte den Mädchen durchaus Talent. Interesse war bei einigen der Teilnehmerinnen auch vorhanden.

Die 17-jährige Mandy erklärte, sie könne sich eine technische Ausbildung durchaus vorstellen, zumal sie eine Karriere bei der Bundeswehr anstrebe und diese Kenntnisse dort natürlich brauchen könne. Die 14-jährige Florentine jedoch fand die Arbeit jedoch „zu dreckig“. Schulleiter Jan Pfülb wies darauf hin, dass Mädchen in den technischen Ausbildungen oftmals besser abschneiden würden als ihre männlichen Mitschüler. Wichtig sei es, diese Berufe auch für Mädchen attraktiver zu machen. Von ihrer praktischen Woche in der Werkstatt haben die Mädchen jeweils ein Vorhängeschloss mitgenommen, das sie selbst angefertigt haben.

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