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Tagebau Garzweiler: Lützerath ist Brennpunkt des Klimakonflikts

Tagebau Garzweiler : Lützerath ist Brennpunkt des Klimakonflikts

Lange schien kaum jemand davon Notiz zu nehmen, dass Lützerath im Tagebau verschwinden soll. Jetzt ist das Dorf einer der Hauptschauplätze der Klimaproteste in Deutschland geworden. Die Lage kann jederzeit eskalieren.

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Das winzige Erkelenzer Dorf Lützerath am Tagebau Garzweiler ist zu einem Brennpunkt der Klimaproteste in Deutschland geworden. Dabei schien lange klar, dass Lützerath im Tagebau Garzweiler verschwinden würde – und kaum jemand schien davon Notiz zu nehmen. Die Umsiedlung des Ortes wurde bereits im Jahr 2017 offiziell abgeschlossen. Erst viel später rückte der Ort in den Fokus. Die Proteste halten noch immer an.

Der Faktor Heukamp

Entscheidender Faktor war dabei lange der juristische Widerstand von Landwirt Eckardt Heukamp, der sich bis in das Jahr 2022 hinein dagegen gewehrt hatte, dass RWE seinen Hof und seine Grundstücke für den Tagebau nutzen darf. Heukamp zog bis vor das Oberverwaltungsgericht Münster, wo er jedoch unterlag. Hätte Heukamp nicht so erbittert um seinen Hof gekämpft, wäre Lützerath wohl nie so stark in den Fokus der Proteste gerückt.

Der Koalitionsvertrag

Das Gerichtsurteil war auch deshalb so wegweisend, weil die Berliner Ampelregierung das Schicksal von Lützerath in ihrem Koalitionsvertrag explizit in die Hände der Richter gelegt hatte. Im Koalitionsvertrag formulierten SPD, Grüne und FDP das politische Ziel, die Erkelenzer Dörfer um Keyenberg erhalten zu wollen. Im Koalitionsvertrag heißt es wörtlich: „Über Lützerath werden die Gerichte entscheiden.“

Die Rolle der Aktivisten

Aktivisten aus der Klimagerechtigkeitsbewegung solidarisierten sich mit Heukamp und errichteten auf dessen Grundstücken ein Camp mit Zelten, Hütten und Baumhäusern. Sie halten auch einige Häuser besetzt. Auch nach dem Gerichtsurteil wollen sie Lützerath nicht freiwillig verlassen. Sie wappnen sich gegen eine Räumung des Dorfes durch die Polizei.

Die Lage wird angespannter

Lange war der Protest gegen den Tagebau in Lützerath nach Einschätzung der Aachener Polizei friedlich. Aber im Februar 2022 eskalierte die Lage in dort, als Aktivisten Streifenwagen und Polizisten mit Pflastersteinen bewarfen. Die Auseinandersetzungen dürften die Aktivisten auch einigen Rückhalt im bürgerlichen Lager der Kohlegegner gekostet haben. Die Aktivistengruppe „Lützerath lebt“ ist zwar nicht homogen, man muss sie jedoch politisch ins radikal linke Spektrum einordnen, denn sie verbindet die Forderung nach einem sofortigen Kohleausstieg auch mit dem Ziel, den Kapitalismus abzuschaffen.

Die 1,5-Grad-Grenze

Für Aufsehen sorgte im Jahr 2021 eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Demnach darf Lützerath nicht mehr abgebaggert werden, wenn Deutschland eine Chance haben will, das 1,5-Grad-Ziel von Paris zu erreichen. Eigentlich hätte dafür auch das bereits abgerissene Immerath erhalten bleiben müssen. Die Wissenschaftler hatten ausgerechnet, wie viele Millionen Tonnen Braunkohle maximal noch aus dem Tagebau gefördert werden dürfen, damit das Pariser Klimaziel erreichbar bleibt. Daraus entwickelten die Aktivisten ihren Leitspruch, dass die 1,5-Grad-Grenze vor Lützerath verlaufe.

Die prominenten Klimaschützer

In Lützerath zeigten sich auch immer wieder prominente Gesichter von kohlekritischen Gruppen. Die Initiatorin des weltweiten Schülerstreiks „Fridays for Future“, Greta Thunberg, kam nach Lützerath. Und auch das deutsche Gesicht von „Fridays for Future“, Luisa Neubauer, kam mehrfach in das Erkelenzer Dorf.

Die Blockaden von „Ende Gelände“

Lützerath war allerdings auch schon früher Schauplatz von Klimaprotesten. Im Jahr 2015 startete die erste große Blockade von „Ende Gelände“ aus dem Klimacamp in Lützerath heraus. Dabei gelangten Hunderte Aktivisten in den Tagebau hinein. Die Polizei setzte beim Versuch, das zu verhindern, Pfefferspray und Schlagstöcke ein. Nachdem RWE Anzeige gegen die Aktivisten erstattete, kam es zu fast 800 Strafverfahren. „Ende Gelände“ startete in den folgenden Jahren immer wieder Massenblockaden am Tagebau Garzweiler, und das Aktionsbündnis hat wiederholt angekündigt, Lützerath „verteidigen“ zu wollen.

Die Groß-Demonstrationen

Gegner des Tagebaus Garzweiler haben in Lützerath auch immer wieder demonstriert. Im November 2021 und im April 2022 kamen jeweils mehrere Tausend Menschen, um ein Zeichen für den Erhalt des Ortes zu setzen.

Der Abriss hat längst begonnen

Die Rodungen und Abrisse haben in Lützerath schon längst begonnen. Bereits im Januar 2021 hat RWE dort leerstehende Gebäude einreißen lassen. Die Abrisse wurden von massiven Protesten begleitet und von Aktivisten gestört, die auf das Dach eines Hauses geklettert waren, das abgerissen werden sollte.