Lokaler Teilhabekreis hat Hausaufgaben für die Stadt

„Heinsberg für alle“ : Innenstadt ist noch nicht barrierefrei

Der Weg zu einem „Heinsberg für alle“ ist noch weit, stellt der Lokale Teilhabekreis fest. Vor allem taktile Leitsysteme fehlen.

Fünf Jahre nach seiner ersten Begehung durch die Heinsberger Innenstadt hat der Lokale Teilhabekreis unter der Leitung von Denise Lison und Martina Zantis zu einer zweiten Tour eingeladen. Festgestellt werden sollte auch dieses Mal wieder, wo es für Menschen mit Handicap noch Hindernisse gibt, die beseitigt werden müssten auf dem Weg zu einem „Heinsberg für alle“.

Teilnehmer waren neben Menschen mit Behinderung auch Vertreter des Sozialamtes der Stadt Heinsberg, unter anderem dessen Leiter Markus Maaßen, mit denen der Lokale Teilhabekreis bei all seinen Anliegen sehr eng kooperiert. 

Bei dem gemeinsamen Rundgang durch die Stadt konnte vor allem der blinde Teilnehmer allen Beteiligten sehr schnell verdeutlichen, dass besonders in den Straßenbereichen, wo Fahrbahn und Bürgersteig wie in der Hochstraße quasi nahtlos ineinander übergehen, sogenannte taktile Leitsysteme fehlen. Auch auf dem Marktplatz oder auf dem Weg zum Bahnhof fällt einem blinden Menschen die Orientierung ohne solche etwa mit einem Blindenstock leicht tastbaren Markierungen auf dem Boden sehr schwer.

Ein weiteres, quasi durchgängiges Problem sahen die Teilnehmer in der Innenstadt durch vielfältige Blockierungen, die Rollstuhlfahrern, Menschen, die auf Rollatoren angewiesen oder mit Kinderwagen unterwegs sind, das Leben schwer machen. Das galt auf der Hochstraße etwa für Kleiderständer oder Warenauslagen auf dem Bürgersteig, hier und andernorts für Bestuhlungen, die keinen für Rollstühle, Rollatoren oder Kinderwagen angemessen breiten Weg übrigließen, aber auch für einfach frei abgestellte Fahrräder, Motorräder oder gar Autos. „Auf die Straße auszuweichen, ist für uns aber auch schwierig, da die meisten Pkw nicht mit der vorgeschriebenen Schrittgeschwindigkeit fahren“, erklärte eine Teilnehmerin die Situation.

An der Kreuzung von Klostergasse und Hochstraße seien kreuzende Fußgänger für Autos kaum zu erkennen, stellte das Erkundungsteam ebenso fest wie eine Gefahrensituation durch ein sehr tief hängendes Werbeschild. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite sei die Nutzung für Rollstuhlfahrer ohne Begleitperson ebenfalls schwierig, hier allerdings aufgrund des stark Richtung Fahrbahn abgeschrägten Bürgersteigs.

Auf dem Marktplatz erkannten die Teilnehmer zudem ein Problem mit dem Parkplatz für behinderte Menschen. „Hier wird ihnen das Aussteigen erschwert durch eine bauliche Erhöhung, die sich gleich neben dem Parkplatz befindet“, so Martina Zantis. Auf dem Weg Richtung Busbahnhof, an der Kreuzung von Hochstraße und Ostpromenade, gäbe es zwar eine in die Treppenstufen integrierte Rampe. „Sie ist aber zu steil, um sie mit einem Rollstuhl nutzen zu können“, erklärte sie.

Am Busbahnhof selbst sei dann am Bahnsteig C der Bordstein zwar abgesenkt, aber genau davor würden leider die Busse halten, sodass ein Übergang an dieser Stelle gar nicht möglich sei. Weiterhin sei der Bürgersteig auf dem Weg zum Bahnhof zu schmal. Schließlich fehle neben taktilen Leitsystemen auch eine Ampel mit akustischen Signalen, damit auch blinde Menschen sicher den Weg zum Busbahnhof und zum Bahnhof finden könnten.

Eine Verbesserung erhoffen sich die Teilnehmer des Lokale Teilhabekreis für die Zukunft schließlich auch an der Kreuzung von Linderner und Erzbischof-Philipp-Straße. „Hier ist die Ampelschaltung für Fußgänger einfach zu kurz“, waren sich alle Teilnehmer einig. „Aber hier sind wir schon im Gespräch“, erklärten sie. Gleiches gilt auch für das Rathaus selbst, wo sich der Lokale Teilhabekreis neben einem taktilen Leitsystem auch eine Etagenkennzeichnung zumindest in Blindenschrift, besser noch mit Ansage wünscht.

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