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Literaturkurs des Hückelhovener Gymnasiums inszeniert "Der Prozess"

„Der Prozess“ : Kafka-Klassiker beeindruckend inszeniert

Sprichwörtlich dicke Bretter bohren – das mussten die Schülerinnen und Schüler des Literaturkurses der Jahrgangsstufe Q1 des Hückelhovener Gymnasiums. Und damit waren nicht nur einige Klausuren gemeint.

Denn zusammen mit ihrer Lehrerin Christine Wolff widmeten sich die theaterbegeisterten Schüler einem der wohl berühmtesten deutschsprachigen Schriftsteller seiner Zeit. An Franz Kafka, geboren 1883 in Prag, unter dem Einfluss von Psychologie, Philosophie und Religion, haben sich schon so manche die Zähne ausgebissen. Seine Werke gehören nicht zuletzt deshalb zur Weltliteratur. Ein kleines Stück dieser Welt boten die Schüler des Gymnasiums auf der schuleigenen Bühne kurz vor den Sommerferien ihrem Publikum dar. Orientiert haben sie sich dabei an Kafkas wohl bekanntestem Werk „Der Prozess“.

„Dieses Werk ist Ausdruck für Kafkas Schaffen. Bedrohliche, unerklärliche, aber auch absurde Situationen, die unzählige Interpretationen zulassen“, ordnete Christine Wolff das Stück ein. „Aber dafür können wird leider gar nichts“, fügte sie mit einem Schmunzeln hinzu. Worum geht es in „Der Prozess“? Der Hauptprotagonist ist der Bankangestellte Josef K. An seinem 30. Geburtstag wird er zunächst für kurze Zeit verhaftet. Später erst einmal wieder auf freien Fuß gesetzt, dennoch wird ihm der Prozess gemacht. Das vermeintliche Gericht agiert undurchsichtig und im Verborgenen. Klar ist, Josef K. will sich unbedingt selbst verteidigen. Wogegen genau, das bleibt schleierhaft. Schlussendlich wird er verurteilt.

Trotz dieser doch einigermaßen verwirrenden Ausgangsituation brachten die knapp 30 Schüler in beeindruckender Manier das Stück auf die Bühne. Das Bühnenbild mit seinen großen, dunklen Vorhängen, gepaart mit dem kalten, blauen Licht, verstärkte den geheimnisvollen Charme. Dargestellt wurde Josef K. von insgesamt zwölf verschiedenen Protagonisten. Ob männlich oder weiblich, das spielte hier keine Rolle. Erkennbar nur an einem weißen Hemd, während alle anderen Figuren in schwarz gehüllt waren. Mit durchdringenden Stimmen und Texten forderten die Schwarzhemden Josef K. immer wieder auf, sich seinem Schicksal zu beugen. „Das ist Gesetz“, schallte es einige Male von den Podesten hinter den dunklen Vorhängen. „Welches Gesetz, wofür werde ich angeklagt?“, fragte Josef K. immer wieder. Durch innere Monologe war es dem Publikum gestattet, noch tiefer in das Innere des verzweifelten Bankangestellten hineinzublicken.

„Jede Woche haben wir über zwei Stunden lang geprobt“, so Lehrerin Christine Wolff. Und alle seien mit Herzblut dabei gewesen. Ohne Blut, aber dennoch dramatisch endete das Stück. Obwohl Josef K. alles versucht hatte, musste er sich dem schlimmsten alle Urteile beugen. Was genau das nun bedeutet? „Naja, manches bleibt eben unerklärlich. Aber ist das nicht gerade das Schöne, mal etwas anderes zu erleben“, ließ Christine Wolff auch Raum für eigene Interpretationen.

Alle Schüler des Literaturkurses im Überblick: Sinan, Aydin, Ole Beirowski, Aileen Biermann, Esmin Cosovic, Denise Czech, Sophia Fluhr, Mike Gärtner, Tayfun Hallacoglu, Dennis Hecker, Hanne Hemsing, Lisa Joecken, Nina Klee, Heiko König, Luca Kramarz, Lea Leisten, Karina Meindorfner, Wanda Mossmeier, Nergis Ögüt, Fatmanur Özkan, Miro Petrovic, Lea Röös, Felix Rosen, Bensu Sahin, Arjeta Shala, Ben Sivri, Tamino Tetz, Tim Zitz und Tim Zschenderlein.