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Lesung in Wassenberg mit Wladimir Kaminer

Lesung in Wassenberg : Kreuz und quer mit Kaminer

Wenn Wladimir Kaminer aus seinen Büchern liest, dann kommen zwei Eigenschaften zum Tragen: der Charme seiner Sprache und der Humor in seinen Geschichten. Mit der Einladung des Bestsellerautors zur Lesung seines neuen Romans „Kreuzfahrer“ im Saal der Burg Wassenberg gelang der Kooperation aus Bücherkiste und Kunst-Kultur-Heimatpflege Wassenberg gGmbH ein Glücksgriff.

Wer Wladimir Kaminer live erlebte, der wird den Sound seiner Stimme später auch beim Lesen im Ohr haben. Das blieb nicht das einzige Vergnügen bei der Lesung. Kaminer gelang die Verknüpfung des Tragischen mit dem Humor, der das ein oder andere Mal auch durchaus ein schwarzer Humor war.

Bisher habe er 25 Bücher geschrieben, ließ er gleich zu Anfang sein Publikum wissen. Und er sei bei seinen Lesungen viel rumgekommen in der Welt. In Wassenberg sei er zum ersten Mal, um gleich anzufügen: „Nun kann ich behaupten, ich habe schon überall gelesen“, gab er eine Kostprobe seines Humors zum Besten. Seine Familie und sich aufs Korn zu nehmen, gehörte ebenso dazu. Und sich dem Publikum vorzustellen, das verpackte er geschickt, indem er aus seinen Büchern das ein oder andere Kapitel vorlas. Statt „Kreuzfahrer“ gab es ein „kreuz und quer“ aus seinen früheren Büchern, in denen die Pubertät seiner Kinder schriftstellerisch ebenso Gegenstand war wie das Telefonierverhalten seiner Frau und das Schwimmvermögen seiner „Mama“.

Die Beschreibung der großen und kleinen Schwächen der Menschen zog sich wie ein roter Faden durch alle seine Geschichten. Dabei kamen Kaminers Kreativität und Formulierkraft bestens zum Tragen. Immer jedoch geprägt von einer deutlich spürbaren Sympathie für die Menschen. Offen blieb, ob die lebensphilosophischen Aphorismen sein Denken widerspiegelten oder Ergebnis seiner Schöpfungskraft waren. „Ich erziehe meine pubertierenden Kinder nicht, nur in Notsituationen“ erzielte ebenso verständnisvolles Lachen wie „Wer weniger weiß, schläft länger“.

Nach der literarischen Aufarbeitung seiner Familienmitglieder habe er sich mehr den sozialgesellschaftlichen Inhalten gewidmet. So sei auch sein letztes Buch „Kreuzfahrer“ entstanden. Ein Unternehmen der Kreuzschifffahrt habe ihn für drei Lesungen auf einer 14-tägigen Rundfahrt gebucht. „Drei Lesungen, das ist nicht viel in 14 Tagen. Das kann ich gut machen“, habe er gedacht. Auch weil er freie Kost und Logis und ein Honorar dafür bekommen sollte. „Wenn die heutige Lesung in Wassenberg zu Ende ist, dann gehen sie nach Hause.“ Auf dem Schiff ging das nicht, da sei rundherum nur Wasser. Das habe er vorher nicht bedacht. Immer und überall sei das Gespräch mit ihm gefordert worden. Es sei wie eine 14-tägige Lesung gewesen.

Fünf Kreuzfahrten habe er für sein Buch gemacht. Während einer dieser Fahrten sei Donald Trump zum Präsidenten gewählt worden. Die Besinnung auf die Fragen, was nun geschehe, sei nur kurz gewesen. „Denn wenn die Welt durch uns nicht zu retten ist, dann feiern wir“, sei an Bord eine Mischung aus Partystimmung und Endzeitstimmung entstanden.

Sein Blick auf die Eigenarten der Menschen, der geriet nicht selten zu Psychogrammen menschlicher Lebensplanungen. So auch bei der „Kreuzfahrt“ durch die vorgelesenen Geschichten aus seinen Büchern – vom Schrebergartenleben über Mamas Eigenarten bis zur Gesellschaft auf den schwimmenden Esspalästen.

Mitten in der Glückswoche der Stadt Wassenberg entstand an diesem Abend eine vergnügliche Reise in ein besonderes Glücksgefühl – dem herzlichen Lachen bei den kurzweiligen Vorträgen des Autors Wladimir Kaminer.