Leichtathlet Frederik Ruppert wird U23-Europameister

U23-Leichtathletik-Europameisterschaft : Ein Jubel wie ein Vulkanausbruch

Frederik Ruppert aus Herzogenrath vom SC Myhl Leichtathletik wird U23-Europameister und holt damit seinen ersten internationalen Titel. Sein Ziel sind nun die Olympischen Spiele 2020 in Tokio.

Am Ende ist es die „pure Freude“. Auf den letzten Metern hatte Frederik Ruppert alle hinter sich gelassen. Die Bilder von Rupperts Jubel wirken wie ein Vulkanausbruch. „Ich habe über gar nichts nachgedacht. Ich habe die Freude einfach rausgeschrien“, sagt Ruppert.

Der 22-Jährige aus Herzogenrath, der für den SC Myhl Leichtathletik startet, hatte in diesem Moment seinen ersten internationalen Titel gewonnen. Bei der U23-Europameisterschaft im schwedischen Gävle gewann Ruppert Gold über die 3000 Meter Hindernis. „Vor der Meisterschaft hätte ich niemals mit diesem Resultat gerechnet“, sagt er.

Dass Ruppert einmal ein guter Leichtathlet werden würde, war schon früh klar. Mit sieben Jahren begleitet er seinen Vater beim Joggen. Der kleine Frederik läuft immer wieder vor, weil ihm das alles viel zu langsam ist. Bei einem Schulsportfest wird er dann für den Vereinssport entdeckt. Er läuft auf der Mittelstrecke. Und in den Bestenlisten ist er schon früh weit vorne. Trotzdem spielt er eigentlich lieber Fußball. Aber wegen der größeren Erfolgsaussichten entscheidet er sich für die Leichtathletik. Mittlerweile studiert er an der Sporthochschule in Köln und steht vor der Aufnahme in eine Sportfördergruppe der Bundeswehr.

Ruppert ist also auf dem besten Weg in den Profisport. Überraschend war der Sieg in Schweden trotzdem, weil andere Läufer zuvor schon weit schnellere Zeiten gelaufen waren. Aber Ruppert merkte während des Rennens, dass seine Chancen groß waren. Denn das Tempo auf der schwedischen Tartanbahn war gemächlich. Das spielte Ruppert in die Karten.

Dem Sport vieles unterordnen

Um so weit zu kommen, muss Ruppert dem Sport vieles unterordnen. Denn hartes Training alleine reicht auf dem steinigen Weg an die Spitze nicht. Das private und das sportliche Umfeld müssen stimmen. Dazu muss man von Verletzungen verschont bleiben, weswegen auch Ärzte und Physiotherapeuten ein wichtiger Baustein sind. „Ich war im Kopf und körperlich fit“, sagt Ruppert.

Dabei spielt für ihn auch der SC Myhl Leichtathletik eine große Rolle. Ruppert könnte sicher zu den Großvereinen in der Deutschen Leichtathletik wechseln, also zum Beispiel nach Wattenscheid oder Leverkusen. „Wir haben Athleten, die in Deutschland alle schlagen können“, sagt Harald Eifert, der Vorsitzende des SC Myhl. Dass diese Sportler trotzdem in Myhl bleiben, liege am Wohlfühlfaktor. Und der Verein tut viel dafür, dass auch die Trainingsbedingungen im Klevchen in Heinsberg und in Erkelenz so professionell wie möglich sind. Eifert begrüßt auch die Pläne der Stadt Wassenberg, in Orsbeck eine zentrale Sportstätte zu bauen. Das würde die Trainingsmöglichkeiten für die Myhler Leichtathleten enorm erweitern.

Dass Ruppert die 3000 Meter Hindernis bei der U23-EM in Schweden laufen würde, daran war vor einiger Zeit noch kaum zu denken. Der Sprung über die Hindernisse bereitete ihm Schmerzen. „Wir haben einen guten Osteopathen gefunden, der das hinbekommen hat“, sagt Eifert. Seitdem die Rückenschmerzen passé sind, feilt Ruppert wieder an seiner Hindernistechnik.

Nach dem Sieg war die Freude groß, besonders weil Frederik Ruppert nicht mit Gold gerechnet hatte. Foto: imago images / Beautiful Sports/BEAUTIFUL SPORTS/Ulf Schiller;via www.imago-images.de

Am Ende des Rennens in Schweden konnte Ruppert voll auf seine Stärke setzen: den Sprint. Wenn zum Schluss die Post abgeht, dann kann kaum einer mit ihm mithalten. Und so wurde der Spurt auf der Zielgeraden zum Triumpflauf.

In der kommenden Saison startet Ruppert nun nicht mehr bei der U23. Seine Ziele bei den Erwachsenen: internationale Rennen laufen. Eine Europameisterschaft steht an, die Team-EM und Olympia. Dafür muss Ruppert seine Bestzeiten noch einmal hinunterschrauben. Unter 8:30 Minuten sollte er laufen, um die Olympia-Norm zu schaffen. Aber das, da sind sich Eifert und Ruppert einig, ist durchaus möglich.

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