Erkelenz: Lebenshilfe-Bistro: Die „Mutter aller Liebesgeschichten“ im Kopfkino

Erkelenz: Lebenshilfe-Bistro: Die „Mutter aller Liebesgeschichten“ im Kopfkino

Der „Mutter aller Liebesgeschichten“ konnte man am Internationalen Tag des Menschen mit Behinderung als Hörtheater im Lebenshilfe-Bistro Inclusio lauschen. Gemeint ist natürlich Shakespeares „Romeo und Julia“, das von der tödlichen Liebe zweier Adelskinder im mittelalterlichen Verona handelt.

Jeder kennt die Geschichte und ihr trauriges Ende. Das Besondere diesmal: Es handelte sich um eine völlig neue Präsentation. Denn das Stück wurde in Form des Hör-Theaters und in leichter Sprache präsentiert. Das machte die Geschichte um die Liebe der beiden nicht weniger spannend.

Gelesen wurden die einzelnen Rollen des Stückes von immer wechselnden Stimmen. Insgesamt sechs „Schauspieler“ umfasst das Hör-Theater. Neben dem Initiator Helmut Wichlatz sind dies die Mönchengladbacher Jugendbuchautorin Andrea Rings, Ulrike Horn und Carolin Gerhards von der Lebenshilfe sowie der Erkelenzer Autor Kurt Lehmkuhl und der Hörbuchsprecher und Journalist René Wagner. Der Vorsitzende der Lebenshilfe Heinsberg, Klaus Meier, betonte bei der Begrüßung, dass Kultur auch ein Betätigungsfeld der Inklusion und der gesellschaftlichen Teilhabe sei.

Bausteine für die Inklusion

In diesem Bereich ist die Lebenshilfe schon eine Weile aktiv. Seit einigen Jahren gehören Schreibwerkstätten und der sogenannte Lea Leseklub auch zu den Freizeitangeboten der Lebenshilfe. Das Hör-Theater bezeichnete Meier als weiteren Baustein auf dem Weg zur Inklusion. Es ermögliche Menschen mit und ohne Behinderung gleichermaßen Teilhabe an kulturellen Angeboten.

Die rund 50 Zuhörer, die zu Kaffee und Kuchen im Inclusio das Kopfkino einschalteten, blieben bei der rund einstündigen Lesung konzentriert bei der Sache. Da die Vortragenden auf jedes Schauspiel verzichteten und allein durch ihre Stimmen wirken konnten, blieb Raum für die Fantasie der Zuhörer. Vor allem Carolin Gerhards überzeugte als Julia, die sich naive Gedanken über die Liebe und den Sex macht. Gemeinsam erblickte man im Kopf am Flussufer die als Dienstmädchen verkleidete Julia, besuchte den verhängnisvollen Ball im Hause der Capulets, balzte und schmachtete unter dem Balkon und fand dann zusammen, bevor die verhängnisvollen Ereignisse ihren Lauf nahmen.

Als am Ende Romeo und Julia das Zeitliche gesegnet hatten und begraben waren, flossen im Publikum durchaus einige Tränen. Mit Romeo und Julia wollen die Theater-Vorleser nun auch vor Grundschülern und in anderen Einrichtungen auftreten. Im Sommer beginnen dann die Vorbereitungen für das nächste Stück, verriet Helmut Wichlatz. Damit wird das Hör-Theater voraussichtlich im November Premiere feiern.

(hewi)
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