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Arbeitsgericht Aachen entscheidet: Lange Fingernägel im Pflegeheim tabu

Arbeitsgericht Aachen entscheidet : Lange Fingernägel im Pflegeheim tabu

Für eine Angestellte einer Heinsberger Pflegeeinrichtung bleiben lange, künstliche und lackierte Fingernägel weiter tabu. Das hat das Arbeitsgericht Aachen am Donnerstag bei einer Verhandlung in Heinsberg entschieden.

Die Mitarbeiterin hatte gegen eine Dienstanweisung ihres Arbeitgebers geklagt, in der er lange, lackierte und Gel-Fingernägel während der Arbeitszeit untersagte.

Das wertete die Klägerin als einen Eingriff in ihr Persönlichkeitsrecht. Sie will also selber entscheiden, wie sie in der Öffentlichkeit auftritt. Und dabei zählten zu ihrem äußeren Erscheinungsbild auch Fingernägel, die in einem Nagelstudio gemacht worden seien, wie Richterin Teresa Schwarz darstellte. Das sei aufwendig und koste Geld, deshalb, so das Argument, könne man die Fingernägel nicht nachmittags für den Abend gestalten lassen, um sie schon am nächsten Morgen vor der Arbeit wieder abzunehmen. Dagegen setzt die Pflegeeinrichtung Bedenken in Sachen Hygiene.

Seltener Kontakt zu Lebensmitteln

Gerade der Kontakt mit Lebensmitteln sei für die Klägerin, die nicht in der Pflege oder der Küche, sondern im sozialen Dienst der Einrichtung arbeitet, aber äußerst selten. Sie sprach von „sieben Mal in zwölf Monaten“. Deshalb sei das Fingernagelverbot unverhältnismäßig, wie ihr Anwalt sagte. Als Betreuungskraft kümmere sie sich um das Wohlbefinden der Bewohner, indem sie zum Beispiel mit ihnen redet, spielt oder Ausflüge begleitet. Sie bereite in der Regel kein Essen zu und begleite die Bewohner auch nicht bei Toilettengängen. Ihr Vorschlag zur Güte: Wenn sie doch mal einen Kuchen mit den Bewohnern backt oder das Abendbrot zubereitet, dann sei sie bereit, Einmalhandschuhe überzuziehen.

Weil die Pflegeeinrichtung das ablehnt, war offensichtlich keine gütliche Einigung möglich. „Ich finde das schade, weil es so sehr in meinen persönlichen Bereich eingreift“, sagte die klagende Mitarbeiterin, die am Mittwoch übrigens mit vollkommen natürlichen, kurzen Nägeln vor Gericht erschien.

Ausnahmen möchte die Einrichtung nicht gelten lassen, da die Hygienestandards für das gesamte Haus einheitlich sein sollen. Deshalb sei die Dienstanweisung bezüglich der Fingernägel auch von der Pflege und der Küche auf den sozialen Dienst ausgeweitet worden. „Sobald man mit Lebensmitteln, unabhängig von der Häufigkeit, in Kontakt kommt, greifen die Hygieneregeln“, sagte die Leiterin der Pflegeeinrichtung. Hintergrund sind zum Beispiel Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes, aus denen hervorgeht, dass künstliche Nägel beim Personal das Infektionsrisiko für Patienten erhöhen. Die Bakteriendichte sei höher als auf natürlichen Nägeln.

Gesundheitsschutz wiegt schwerer

Richterin Schwarz stellte in ihrem Urteil den „Gesundheitsschutz und die körperliche Unversehrtheit“ der Pflegebedürftigen über den Eingriff in das Persönlichkeitsrecht der Mitarbeiterin. Auch als Mitarbeiterin im sozialen Dienst komme die Klägerin regelmäßig in Kontakt zu den Bewohnern, und die Leitung der Pflegeeinrichtung könne nicht ausschließen, dass sie Lebensmittel anfasst. Deshalb hat das Verbot von langen, lackierten und künstlichen Fingernägeln in Pflegeeinrichtung Bestand.