L364n: Streit um Ortsumgehung geht in Hückelhoven in die nächste Runde

Hückelhoven : Streit um Ortsumgehung geht in nächste Runde

Die Umgehungsstraße L364n bleibt in Hückelhoven umstritten. Während sich die CDU zu dem Straßenbauprojekt bekennt, kommt weitere Kritik – vor allem aus Doveren.

Die Strecke durch den ohnehin schon vom Durchgangsverkehr gebeutelten Ort könnte durch die Ortsumgehung noch attraktiver für Autofahrer und Lkw aus dem nahen Gewerbegebiet Doveren-Baal werden. Schon heute ist der Weg über die B57 zur Autobahnauffahrt in Erkelenz wohl zu lang oder zu umständlich. Die Strecke mitten durch Doveren scheint vielen Fahrern attraktiver zu sein.

Darüber hat sicher auch die Hückelhovener CDU diskutiert. Parteivorstand und Ratsfraktion kamen jedoch zu dem Ergebnis, sich weiterhin für den Bau der Straße einsetzen zu wollen. Sie soll zu Verkehrsentlastungen in Hückelhoven und später auch in Hilfarth führen. Der Gegenwind aus Doveren kommt für die CDU indes auch aus den eigenen Reihen.

Die CDU stellt jedoch erst einmal die Bedeutung der L364n für die Orte Hückelhoven und Hilfarth heraus: „Die L364n stellt ein wichtiges Bauprojekt zur Entlastung der Bürgerinnen und Bürger in Hückelhoven dar und bildet auch die Grundlage zur verkehrlichen Entlastung der Einwohner in Hilfarth. Circa 1600 Menschen, die unmittelbar an Gladbacher Straße, Dinstühlerstraße, Hilfarther Straße und Breite Straße wohnen, warten seit Jahrzehnten auf eine Entlastung von täglich 13.000 bis 15.000 Fahrzeugen.

Daneben werden ein Altenzentrum und eine Grundschule vom starken Verkehr massiv beeinträchtigt“, sagte Heinz-Josef Kreutzer, CDU-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat. „Der mit dem Bau der Straße verbundene Eingriff in die Natur ist im Planungsverfahren und im Klageverfahren ausgiebig abgewogen worden und auch hier im Rat als verhältnismäßig angesehen worden.“ Immer wieder war in den vergangenen Wochen kritisiert worden, dass die L364n das Waldstück am Junkerberg durchschneidet.

Der Landesbetrieb Straßen.NRW habe in einem Gespräch mit der CDU zwar dargelegt, dass auch der Lärmschutz ausgiebig untersucht worden sei. Trotzdem wolle die Stadtverwaltung „den Lärmschutz nochmals unabhängig überprüfen“ lassen, sagte Roland Müller, stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Auch beim Lärmschutz hatten Anwohner und auch die SPD massive Kritik an der Straße geübt.

Damit die L364n nicht dauerhaft zur Belastung für die Anwohner in Doveren wird, möchte die CDU auch den Bau der B57n vorantreiben. Über diese Straße solle der Verkehr aus dem Gewerbegebiet Doveren-Baal zur Autobahnauffahrt Erkelenz-Süd geführt werden. „Auf allen Ebenen machen wir die Wichtigkeit der B57n und der L364n als Umgehung Hilfarth deutlich,“ sagte Thomas Schnelle, Stadtverbandsvorsitzender und Landtagsabgeordneter. In Zukunft soll die L364n das Industriegebiet Geilenkirchen-Lindern an die Autobahn anschließen. „Es wäre mehr als fahrlässig, den jetzigen Bau und die weitere Planung durch einen Aufschub des ersten Abschnitts zu gefährden. Die Konsequenz wäre, dass der Verkehr von und nach Lindern eine zusätzliche Belastung für Hückelhoven, Hilfarth und Brachelen darstellen würde“, sagte Schnelle. Denn schon jetzt stünden in Lindern 100 Hektar Fläche für die Industrie bereit.

Im Rahmen der „konstruktiven“ Diskussion zu diesem Thema seien in der CDU auch Stimmen aus Doveren laut geworden, die die Straße sehr kritisch sehen, teilte Schnelle mit.

Robert Esser, CDU-Mitglied aus Doveren, appelliert in einem offenen Brief an den Bundestagsabgeordneten Wilfried Oellers (CDU), dass er sich weiterhin für eine neue Autobahnabfahrt Kaphofstraße stark machen möge. „Wir bitten Sie [..], Ihre Zielsetzung nicht aufzugeben, sondern diesen Kurs der politischen Vernunft, der ökologischen Verantwortung und der bürgerfreundlichen Nähe beizubehalten. Sie ersparen uns auf diese Weise in Hückelhoven das kräftezehrende Ringen um den Erhalt des einzigen verbliebenen naturbelassenen Filetstückchens, dieses Waldes zur Naherholung der Hückelhovener Bevölkerung auf der Anhöhe am Junkerberg zwischen Hückelhoven und Doveren“, schreibt Esser.

„Ihr Vorschlag, diese Autobahnabfahrt A46/Kaphofstraße anzulegen, würde zu einer erheblichen Entlastung des Autodurchgangsverkehres für Hilfahrt und Hückelhoven führen und den Bau einer in Hückelhoven von weiten Teilen der Bevölkerung abgelehnten Umgehungsstraße L364n überflüssig machen“, schreibt Esser, der auch aus anderen Ortsteilen Kritik an der Straße vernommen habe. Und: Eine solche Lösung hätte auch keine negativen Auswirkungen auf den Verkehr in Doveren. „Bereits heute ist die L117 total überlastet, da sie längst gewohnheitsmäßig auch von dem aus dem Gewerbegebiet Baal-Doveren an- und abfließenden Lkw-Verkehr frequentiert wird, der doch eigentlich den Weg über Baal hin zur Autobahn finden sollte. Hier ist längst ein Verkehrschaos entstanden, das sich bei der Verwirklichung des akuten Bauvorhabens noch einmal dramatisch erhöhen würde“, schreibt Esser.

In seinem Brief beschreibt Esser, der sich schon in seiner Zeit im Hückelhovener Stadtrat gegen die Straße ausgesprochen habe, auch einige Motive für den Protest gegen die L364n. Er geht dabei auch zurück in die 90er Jahre, als der Kreistag beschlossen habe, dass wegen der beabsichtigten Erschließung des Linderner Industriegebietes eine Verkehrsanbindung zur Autobahn A46 vorbei an den Ortschaften Randerath und Himmerich geleitet werden und bei Dremmen auf die dort bereits vorhandene Anschlussstelle der A46 stoßen sollte. „Aus Hückelhovener Sicht bleibt es unbegreiflich, weshalb dieser doch bereits gefasste Beschluss später wieder Rückgängig gemacht wurde, obwohl er die mit großem Abstand kostengünstigere und auch ökologisch weitaus verantwortungsvollere Lösung bietet als eine L364n.“ Die Strecke nach Dremmen wäre zudem wesentlich kürzer gewesen.

Kritik komme auch aus der Landwirtschaft: Als die Landwirte Land für das Gewerbegebiet zwischen Doveren und Baal abgetreten hätten, sei ihnen von Rat und Verwaltung versichert worden, dass „ihnen keine weitere Überlassung von landwirtschaftlichen Flächen nahe Doveren mehr zugemutet“ würde, schreibt Esser – insbesondere die Ackerflächen zwischen Doveren und Hückelhoven sollten nicht angetastet werden. Nach aktueller Planung müssten die Bauern gerade dort doch wieder Flächen für die Straße verkaufen.

Esser appelliert auch an Bürgermeister Bernd Jansen (CDU), „die gesamte Angelegenheit zur Chefsache zu machen und diesem Spuk ein Ende zu bereiten“. Jansen sei es gelungen, Hückelhoven zur Handels- und Einkaufsstadt zu entwickeln. Eine attraktive Stadt benötige aber auch eine intakte Umwelt und Möglichkeiten zur Naherholung. „Bitte nehmt uns nicht dieses einzige Filetstückchen dort oben am Junkerberg und die Natur gegebene Frische der Rurauen“, schreibt Esser. Die Straße würde in ihrem weiteren Verlauf auch durch die Rurauen führen.