L364: Hoffnung für Anwohner in Hilfarth

Straßenplanung : Hoffnung für Anwohner in Hilfarth

NRW-Planungsprogramm: Drei Straßen im Kreis Heinsberg sind dabei. Das könnte in Hilfarth, Golkrath und Gerderhahn die Hoffnung wecken, dass die Orte vom Durchgangsverkehr entlastet werden. Wann die Straßen gebaut gebaut werden, ist aber noch völlig offen.

Für Anwohner einiger vielbefahrener Durchgangsstraßen könnte die Nachricht aus Düsseldorf die Hoffnung wecken, dass drei Straßenbauprojekte im Kreis Heinsberg beizeiten vorangetrieben werden. Das nun von Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) vorgestellte Landesstraßenplanungsprogramm beinhaltet die Weiterführung der L364 als Ortsumgehung für Hilfarth sowie in anderer Richtung als Ortsumgehung für Golkrath und Gerderhahn – und auch den Lückenschluss zwischen Kaulhausen und Kückhoven. Hoffnungsvollen Anwohnern sei jedoch direkt gesagt: Es handelt sich um ein Planungsprogramm, nicht um ein Bauprogramm. Das heißt, dass die Landesregierung zwar ihrem Willen einigen Nachdruck verleiht, sich um diese Projekte zu kümmern. Wann sie realisiert werden, ist allerdings vollkommen offen.

Die Landtagsabgeordneten aus dem Kreis Heinsberg werten das dennoch als Erfolg. Man habe Baumaßnahmen, die von der rot-grünen Regierung einmal angegangen, aber nicht weiter vorangetrieben worden seien, mit diesem Programm aufgegriffen, sagte Thomas Schnelle (CDU). Im Wortlaut klingt das Lob für die eigene Regierung bei Schnelle so: „Es freut uns sehr, dass die Landesregierung endlich wieder bedarfsgerecht in unsere Infrastruktur investiert und hierbei auch den Kreis Heinsberg im Auge hat.“ Ähnlich sieht das Stefan Lenzen (FDP): „Rot-Grün hatte die Mehrzahl der Maßnahmen 2011 eingefroren. Die NRW-Landesregierung taut die Maßnahmen jetzt Schritt für Schritt.“

Besonders dringlich ist wohl die Weiterführung der L364n als Ortsumgehung für Hilfarth. Geht es nach dem Land NRW, dann soll der Bau der Ortsumgehung Hückelhoven alsbald beginnen. Sie soll von der Autobahnanschlussstelle Hückehoven-Ost den Junkerberg hinunter bis zur L117 zwischen Hückelhoven und Doveren führen. Würde nach diesem ersten Ausbauschritt haltgemacht, könnte die Straße ihre Wirkung nicht entfalten. Schnelle ist „zuversichtlich“, dass der daran anschließende Bau der Ortsumgehung Hilfarth zeitnah beginnt, wenn die Ortsumgehung Hückelhoven fertig ist. „In welchen Jahreszahlen wir da arbeiten, hängt immer von vielen Faktoren ab. Zum Beispiel, ob es Klagen gegen die Straße gibt“, sagte er. So läuft aktuell zum Beispiel noch eine Klage gegen die Ortsumgehung Hückelhoven.

Konkret sollen für die Ortsumgehung Hilfarth im kommenden Jahr die Umweltverträglichkeitsstudie und die Variantenuntersuchung abgeschlossen werden. Das sei Voraussetzung für die weiteren Planungsschritte, sagte Schnelle. „Obwohl die Maßnahme auch von der Vorgängerregierung als ‚vorrangig zu planen‘ eingestuft war, wurde sie nicht nachhaltig vorangetrieben, weshalb sie noch in einem frühen Planungsstadium ist“, sagte Lenzen.

Für den Ortskern von Hilfarth erhoffen sich Schnelle und die Verantwortlichen der Stadt Hückelhoven eine massive Entlastung durch die Umgehung: Mit 14.000 bis 15.000 Fahrzeugen pro Tag ist die Breite Straße in Hilfarth aktuell die am zweitmeisten befahrene Straße in Hückelhoven. Massive Verkehrsprobleme gibt es aber auch in Doveren. Die können aber kaum durch den Bau der L364n gelöst werden. Im Gegenteil: Wegen der Ortsumgehung Hückelhoven könnte noch mehr Verkehr vom Industriegebiet Doveren/Baal in Richtung Autobahnauffahrt Hückelhoven-Ost – und damit durch Doveren – rollen. Für die Anlieger in Doveren sei deshalb der Bau der B57n wichtig, sagte Schnelle. Auf diesem Weg könnte der Schwerlastverkehr schneller zur Erkelenzer Autobahnauffahrt gelangen.

Für die L364n gibt es sogar noch weitergehende Pläne: Sie könnte irgendwann einmal das Gewerbegebiet Lindern, das für flächenintensive Großindustrie vorgesehen ist, ohne Ortsdurchfahrt an die Autobahn anbinden. Das ist allerdings noch ferne Zukunftsmusik.

Sehr unsicher sind auch die Planungen für den Lückenschluss zwischen L19 und L354 bei Kückhoven. Auch bei dieser Straße geht es nun um die Umweltverträglichkeitsstudie und die Variantenprüfung. Diese Straße, die so etwas wie eine Grubenrandstraße entlang des Tagebaus werden könnte, werde nun erst einmal auf Basis der vorliegenden Leitentscheidung zum Tagebau Garzweiler geplant. „Es ist aber ungewiss, wo der Tagebau tatsächlich enden wird“, sagte Schnelle. Deshalb werde die Umweltverträglichkeitsprüfung zwischen Kückhoven und Venrath auf einem „breiten Korridor“ erstellt. So könne man flexibel auf aktuelle energiepolitische Entwicklungen reagieren.

Aus Sicht des Landes ist zudem die Ortsumgehung Gerderhahn und Golkrath (L364) „vorrangig zu planen“. Die Planung soll nach Möglichkeit in dieser Wahlperiode wieder aufgenommen werden. „Hier ist eine Entlastung der Ortschaften unbedingt notwendig“, sagte Lenzen.