Kunstwerk aus Heinsberg wird in Maastricht gezeigt

Meester van Elsloo : Kunstwerk aus Heinsberg wird in Maastricht gezeigt

Wer sie in der Kirche St. Gangolf entdecken will, die sogenannte Kreuztragungsgruppe, der muss sich schon auf die Suche machen. Das große Kunstwerk aus dem 16. Jahrhundert, das sich eher versteckt am Abgang zur Krypta, soll jetzt zu großen Ehren kommen: Vom 21. Februar bis zum 16. Juni werden Jesus, der das Kreuz trägt, und Simon von Cyrene, der ihm dabei hilft, in einer Ausstellung über den „Meester van Elsloo“ im Bonnefantenmuseum in Maastricht zu sehen sein.

„Diese Gruppe ist maasländisch und wird dem Meister von Elsloo zugeschrieben“, heißt es zu dem großformatigen Kunstwerk im Kirchenführer von St. Gangolf. Wer es genau betrachtet, dem fällt dabei auf, dass sich zwischen Jesus und Simon noch ein Sockel für eine weitere Figur befindet. Die Erzählung dazu, wie diese dritte Figur aus der Mitte des Ensembles verschwunden ist, findet sich ebenfalls in dem kleinen Führer. In früherer Zeit habe die Bevölkerung den Henkersknecht für Judas gehalten, heißt es dort. „So fand am Karfreitag jeden Jahres eine Hassorgie statt, wobei Judas geschmäht und angespuckt wurde. Im Jahr 1875 habe der Pfarrer diesem „Spuk“ dann ein Ende gemacht, indem er den Henkersknecht von der Gruppe getrennt und an einen Kunsthändler aus Rijssel verkauft habe. Das Museum von Rijssel habe diese Skulptur dann 1891 erworben. „So existiert nun das ergreifende Werk des Meisters aus Elsloo, auseinander gerissen, an zwei verschiedenen Orten.“ Erst vor einigen Jahren, bei einer Ausstellung mit Werken dieses Meisters in St. Truiden, hätten alle Figuren wieder zusammen besichtigt werden können.

Wer dieser Meister van Elsloo wirklich war, der im 16. Jahrhundert an Maas und Niederrhein zahlreiche bedeutende Bildschnitzereien schuf, darunter auch die in Heinsberg, ist immer noch nicht genau bekannt. In den vergangenen zehn Jahren wurde dazu auch am Bonnefantenmuseum intensiv geforscht. Dabei wurde die anfängliche Vorstellung, dass das Atelier des unbekannten Meisters eine einzige Werkstatt war, in der über mehrere Generationen bedeutende Kunstwerke geschaffen wurden, verworfen. Vielmehr sei „Meester van Elsloo“ zu einem übergeordneten Begriff für die Kunstwerke aus dem hiesigen Raum geworden.

Rund 200 Holzskulpturen würden momentan das Etikett „Elsloo“ tragen, so die Macher der nächsten Ausstellung. Sie seien nicht nur in der Euregio Maas-Rhein zu finden, sondern auch in bedeutenden Kunstmuseen wie dem Victoria & Albert in London, dem Louvre in Paris oder eben auch in St. Gangolf in Heinsberg. Mit der knapp 3,60 Meter hohen Christophorusfigur findet sich in dieser Kirche, in der Eingangshalle unter der Orgelbühne, übrigens noch ein weiteres, imposantes Werk, das dem Meister von Elsloo zugeschieben wird. Es stand urprünglich im mittelalterlichen Frauenstift zu Heinsberg.

Die Ausstellung im Bonnefantenmuseum soll nun dieses mittelalterliche Erbe aus der Euregio auch mithilfe der Heinsberger Kreuztragungsgruppe einem breiten Publikum näherbringen. Bisher sei nämlich nur wenig darüber bekannt, wie außerordentlich reich die niederländische und belgische Provinz Limburg sowie das angrenzende deutsche Gebiet an mittelalterlicher Bildhauerkunst seien, heißt in der Konzeption zu Ausstellung. Sie will jedoch nicht nur die Werke an sich zeigen, sondern auch unterschiedliche Aspekte der Forschung nach dem „komplexen Elsloo-Phänomen“ erläutern. Dabei geht es etwa um die technische Untersuchung der Kunstwerke, zum Beispiel in Form der Identifizierung der verwendeten Hölzer oder der Datierung der Baumringe. Weiterhin wird es Informationen zu Funden in Archiven und zur Stilkritik geben. Während in der Vergangenheit behauptet worden sei, dass kleine Anomalien zur Arbeit in einer großen Werkstatt gehörten, seien diese jetzt vielleicht gerade ein Anlass für eine bessere Gliederung des Gesamtwerks, heißt es.

Das Bonnefantenmuseum, ein Museum für alte und zeitgenössische Kunst in Maastricht, ist geöffnet dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr.

(anna)
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