Kunstrasenplätze: Problem-Material schon „ausgeschlichen“

Kunstrasenplätze : Problem-Material schon „ausgeschlichen“

Den Kunstrasenplätzen droht europaweit das Aus: Die Europäische Kommission will in den kommenden Wochen darüber entscheiden, ob bestimmte Granulate, die als Füllstoff die Grundlage für die weitaus meisten Kunstrasenplätze bilden, aus Gründen des Gesundheitsschutzes für derartige Anlagen verboten werden.

Im Stadtgebiet Hückelhoven gibt es derzeit drei Kunstrasenplätze, die von den ortsansässigen Sportvereinen genutzt werden: in Ratheim, Brachelen und Baal. Inwiefern sind diese betroffen?

Kunstrasenplätze bestehen aus verschiedenen Schichten. Zunächst wird eine Drainageschicht verlegt, darauf folgt eine Elastikschicht, in der die Kunstfasern befestigt sind, darüber wiederum werden Quarzsand sowie bei der Herstellung des Platzes zur besseren Bespielbarkeit noch Gummigranulat (SBR-Granulat) aufgebracht. Das SBR-Granulat wird aus zerschnittenen Pkw- und Lkw-Altreifen gewonnen. Dieser Aufbau betrifft die ganz überwiegende Anzahl der Kunstrasenplätze in Deutschland. Auch für die Kunstrasenplätze im Stadtgebiet Hückelhoven wurde in der Bauphase SBR-Granulat verwendet. Es gibt nur wenige Kunstrasenplätze, die anstelle von SBR-Granulat mit Kork oder ähnlichem Material belegt sind.

Dieses aus Altreifen hergestellte SBR-Granulat ist bislang durch die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) als mit „geringen gesundheitlichen Bedenken“ qualifiziert worden. Nun aber hat die ECHA die Einordnung dieses Materials geändert: Künftig wird SBR-Granulat möglicherweise in der europäischen Chemikalienverordnung (REACH) nicht mehr als „chemisches Gemisch“ sondern als „Gebrauchsgegenstand“ geführt, was zu einer deutlichen Verschärfung der zu beachtenden Grenzwerte mit sich bringen würde. Ein entsprechender Vorschlag der ECHA liegt inzwischen der europäischen Kommission zur Entscheidung vor.

Die Entscheidung wird für den Jahresbeginn 2020 erwartet. SBR-Granulate dürften danach nicht mehr weiter auf Kunstrasenplätzen verteilt werden. Bereits im November 2017, nach Bekanntwerden der ersten Untersuchungsergebnisse, hat die Sportministerkonferenz der Länder und anschließend die Staatskanzlei NRW beschlossen, dass die Einbringung von SBR-Granulaten auf Kunstrasenplätzen bis auf Weiteres nicht mehr förderfähig ist.

Ende Juli dieses Jahres stellte die ECHA vor dem Hintergrund der umfangreichen Medienberichterstattung zu diesem Thema klar, dass der Spielbetrieb auf den von etwaigen Beschränkungsvorschlägen betroffenen Kunstrasenplätzen weiter aufrechterhalten werden können soll. Die vorrätigen Bestände des bislang verwendeten Füllmaterials sollen aufgebraucht werden dürfen, so dass im Ergebnis eine „schleichende“ Umwandlung durch Einbringung alternativer Füllstoffe ermöglicht werden solle. Die Landesregierung NRW ließ in eine weiteren Mitteilung wissen, dass mögliche Beschränkungsvorschläge „nur für die Zukunft gelten“ und nicht bedeuten würden, dass „bereits bestehende Kunstrasenplätze sofort erneuert oder gar stillgelegt werden“ müssten.

Auf Grundlage dieser Mitteilungen hat der Städte- und Gemeindebund NRW den Kommunen empfohlen, dass die Beschaffungspraxis nach Möglichkeit bis zum Jahr 2021 auf alternative Füllstoffe umgestellt werden sollten. Für weitergehende Maßnahmen bestehe demgegenüber derzeit keine Veranlassung und es sei auch nicht absehbar, dass sie zu einem späteren Zeitpunkt erforderlich seien.

Die Stadt Hückelhoven ist von der anstehenden Entscheidung der Europäischen Kommission nicht betroffen. Im Stadtgebiet wird bereits seit mehreren Jahren lediglich Quarzsand zur Nachbefüllung der Kunstrasenplätze eingesetzt, so dass das ursprünglich eingebrachte Material bereits weitgehend „ausgeschlichen“ ist. „Weitere Maßnahmen“ seien daher, so die Hückelhovener Stadtverwaltung, „nicht erforderlich“.