Kunst: Crumbiegel-Ausstellung in Heinsberg

Crumbiegel-Ausstellung : Vom Spiel der Formen geprägt

Großformatige Bilder mit lebendigen Farben fallen dem Betrachter ins Auge. Sie füllen den Raum und sind gleichzeitig selber Raum, in den sich der Blick vertiefen und verlaufen kann.

Zu sehen sind die Werke des Künstlers Prof. Dieter Crumbiegel aus Heinsberg-Karken in den Räumlichkeiten der Volksbank an der Siemensstraße in Heinsberg.

Zur Eröffnung der Ausstellung hielt der Aachener Kunsthistoriker Dr. Dirk Tölke die Laudatio. „Lieber Herr Professor Crumbiegel, es ist uns eine große Freude, Ihre Werke hier bei uns auszustellen“, hatte Vorstandsmitglied Kurt Hauser zu Beginn formuliert. Als Experte habe er bei vielen vorangegangenen Ausstellungen in die Techniken und Inhalte hier ausstellender Künstler eingeführt. Nun sei er als Ausstellender selber mal an der Reihe.

Wie das geladene Publikum, folgte der Künstler Crumbiegel in der Folge den Ausführungen des Laudators Dr. Dirk Tölke. Der Dozent für Kunstgeschichte an der Akademie für Handwerksdesign in Aachen warf einen kurzen Blick zurück auf den Lebensweg des 80-jährigen Kunstdozenten und Kunstschaffenden Dieter Crumbiegel. Neben der Dozententätigkeit im Bereich der Keramik, welche in den 1970er Jahren einen Wandel von der Gebrauchsware zum Kunstwerk erlebten, sowie ab 1979 als Professor im Fach Design an der Hochschule Niederrhein in Krefeld, habe sich Crumbiegel ab 1984 auch wieder der Malerei zugewandt.

Crumbiegels Werke seien geprägt vom freien Spiel der Formen und Farben und seien als gegenstandslose Malerei einzuordnen. Seine Bilder stünden in der Tradition der abstrakten Kunst von Wassily Kandinsky, Piet Mondrian und Kasimir Malewitsch bis hin zu Hans Arp und der informellen Kunst. Crumbiegels Bilder lebten vom inneren Gefüge durch die Überlagerungen der Farben, von der Formenvielfalt und der Korrespondenz von Farbkontrasten als Elementen des spontan entstehenden Aufbaus des Bildes. In seinen Bildern spiegele sich das Prozesshafte, das nur scheinbar zufällig und keineswegs beliebig sei. Die Entstehung seiner Bilder im Malprozess könne – vergleichbar dem Aufschreiben der Gedanken und Gefühle eines Schreibenden – verstanden werden. Seine „Schreibwerkzeuge“ beim Malen seien dabei Spachtel, Rakel und Pinsel, mit denen er seine bildnerischen Mitteilungen erstelle. Im Malprozess sei nachvollziehbar, dass Crumbiegel immer auch auf der Suche nach Neuem sei. Das Spiel mit den Gegensätzen von Formen und im Farbenspiel der Kontraste entspräche den geistigen Prinzipien von Freiheit, schaffe Spannung – auch durch Dissonanzen. So gebe Crumbiegel mit seinen Bildern Anregungen und Resonanzen für das Empfinden des Betrachters.

Gelegenheiten zum Zwiegespräch mit den Bildern wie mit dem Künstler hatten die Besucher der Vernissage reichlich. Das musikalische Rahmenprogramm gestalteten die Cellistin Johanna Peiler und ihr Mann Biem van Hoften. Ausgewählte Stücke wie „Islands“ von Steps ahead oder „One note samba“ von Jobiem steigerten den gesamtästhetischen Genuss für das Publikum.

Die Ausstellung ist bis zum 2. November täglich während der Schalterstunden geöffnet.

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