Künstlerin Veronika Moos stellt im Beecker Flachsmuseum aus

Künstlerin Veronika Moos : „Faszination Flachs“ in Szene gesetzt

Bei der Ausstellung „Lein auf Stelzen“ der Kölner Künstlerin Veronika Moos dreht sich alles um Flachs und was man aus ihm machen kann. Natürlich gibt es im Kreis nur einen Ort, wo diese Ausstellung stattfinden kann: das Flachsmuseum in Beeck.

Bis zum 28. Oktober kann man dort jeden Sonntag von 14 bis 17 Uhr entdecken, was alles in der ältesten Kulturpflanze der Menschheit steckt. Zur Eröffnung gab es ein Beutelchen Flachssamen für jeden Besucher mit der Bitte, ihn im Garten auszusäen. Die Ausstellung war gleichzeitig der Startschuss für die Mitmach-Aktion „Beeck wird blau“. Die Aktion ist Teil eines regionalen Projektes, an dem rund 50 Museen in der Region auf beiden Seiten der Grenze teilnehmen und die vom NRW-Ministerium für Kultur und Wissenschaft gefördert wird. Das Motto des Themenjahres lautet „NEULAND“. Die Beecker haben das Motto für sich maßgeschneidert in „NEUesLAND für Flachs am Niederrhein“ umgeändert.

Die Kölner Künstlerin Veronika Moos hat sich der Leinenfaser, die aus Flachs gewonnen wird, als kreativem Werkstoff zugewendet. Dabei legt sie einen besonderen Fokus auf die Regionen, aus denen der Flachs stammt. Sie strickt und webt die verschiedenen Flachssorten aus den europäischen Regionen zu beeindruckenden Kunstwerken. Bei der Eröffnung von „Lein auf Stelzen“ schwärmte die Bildhauerin und Kulturpädagogin von der kreativen Faser, die bedeutend zur gesellschaftlichen Entwicklung im ländlichen Raum beigetragen hat.

Die Faszination, die der „Werkstoff Flachs“ auf sie ausübt, ist in der Ausstellung auf Schritt und Tritt zu spüren. In Videoinstallationen hat sie Flachs in seiner Schönheit und seinen Möglichkeiten in Szene gesetzt. Dazu lernt man Wissenswertes. Zum Beispiel, dass „Flachs“ als Pflanzenname im Deutschen von der Tätigkeit des Flechtens abgeleitet ist und dass frühe Flachsfunde in die Kultur Mesopotamiens (ca. 7500 v. Chr.) zurückreichen. Dann schlägt sie den Bogen und berichtet über den heutigen Einsatz der flexiblen Faser in der modernen Wirtschaft, zum Beispiel bei der Produktion von Fahrradhelmen, Kosmetika oder Ölfarben.

Auch bei ihrer Rede zur Eröffnung der Ausstellung rührte sie die Werbetrommel für den Flachs. Bei Georg Wimmers, dem Vorsitzenden des Heimatvereins, und seinen Mitstreitern stieß sie dabei ebenso wie bei den zahlreichen Besuchern auf offene Ohren. Wimmers hob noch einmal die besondere Bedeutung der Kulturpflanze Flachs hervor und warb für den Anbau im heimischen Garten oder Blumenkübel. „Diesen Sommer wird es in und um Beeck wieder blau erstrahlen vom Flachs“, erklärte er. Darüber hinaus verriet er, dass der Verein mit der Stadt „einen Deal“ gemacht hat und die öffentlichen Beete in Beeck mit Flachs bepflanzen darf.

Für die flachsaffine Künstlerin hatte Wimmers anstelle eines Blumenstraußes ein besonderes Geschenk. Eine 70 Jahre alte Flachsgarbe, die bei Renovierungsarbeiten in einer der Wegberger Mühlen gefunden worden war. „Die Besitzerin hat sie damals selbst geschnitten und zusammengebunden“, erklärte Wimmers. Dann wurde die Garbe zum Glück in einer Ecke vergessen, bis sie endlich den Weg zum Beecker Heimatverein und schlussendlich zu Veronika Moos fand.

Erstaunlich: Der Flachs könnte trotz seines Alters heute noch verarbeitet werden.

Die Ausstellung „Lein auf Stelzen“ ist bis zum 27. Oktober jeden Sonntag von 14 bis 17 Uhr im Flachsmuseum, Holtumer Straße 19, zu sehen. Der Eintritt ist frei. Von Mai bis Oktober kann jeweils am ersten Sonntag im Monat das sogenannte Flachsdiplom erworben werden.