Bezirksdienstbeamter Heinz Erdweg: Kümmerer und Ansprechpartner geht von Bord

Bezirksdienstbeamter Heinz Erdweg : Kümmerer und Ansprechpartner geht von Bord

Als Heinz Erdweg Polizist wurde, befand sich das Land in einem Notstand, heute spricht man vom „bleiernen Herbst“: Die Rote-Armee-Fraktion, kurz RAF genannt, um Andreas Baader und Gudrun Ensslin terrorisierte das Land, die Bundesrepublik stellte auf einen Schlag 3000 junge Leute in den Polizeidienst ein. Heinz Erdweg war einer von ihnen.

„Ich hatte gerade die Realschule beendet, und die Frage war: ,Gehst du zur Polizei oder macht du Abitur?’“, erinnert sich Heinz Erdweg heute. 1972 war das, als Heinz Erdweg sich entschloss, Polizist zu werden. Heute, 47 Jahre später, bereut er seine Entscheidung von damals nicht: „Ich war gerne Polizist, ich war mit Leib und Seele dabei“, sagt er.

Bei seiner Verabschiedung in den Ruhestand attestiert ihm Hückelhovens Bürgermeister Bernd Jansen, dass Heinz Erdweg in Hückelhoven einen überaus guten Ruf genießt: „Sie sind der Kümmerer gewesen, sie waren immer ansprechbar und in ihrer menschlichen Art bei den Hückelhovenern als Polizist und Mensch überaus beliebt. Sie kennt jeder in Hückelhoven, sie sind sowas wie der Dorfsheriff.“

1981 kam Heinz Erdweg als Ordnungshüter in die damals von der Kohle geprägte Stadt an der Rur und trat hier seinen Dienst als Bezirksdienstbeamter an. „Was hast du ausgefressen, dass du nach Hückelhoven kommst?, haben mich die Kollegen damals gefragt“, sagt Erdweg. Denn in der Zechenstadt war die Arbeit für Polizeibeamte nicht immer ein Zuckerschlecken: „Damals gab es noch an jedem Letzten im Monat die Lohntüte, die wurde nicht selten in den damals noch zahlreichen Bars in der Stadt draufgemacht“, erinnert sich Erdweg. „Das änderte sich erst, als der Lohn von der Sparkasse oder der Bank auf Konten überwiesen wurde.“

Überhaupt hat sich im Laufe der 38 Jahre, in denen Heinz Erdweg als Bezirksdienstbeamter in Hückelhoven tätig war, so einiges geändert, vieles sogar grundlegend: „Ich habe noch die Hochzeit der Zeche erlebt, als die Bergleute in England streikten und die Produktion auf Sophia-Jacoba drastisch nach oben gefahren wurde“, erinnert er sich. „Da war die Stadt von Lastwagen auch aus Frankreich und Belgien schon morgens zugestopft.“ Und er hat auch die Wandlung der Stadt zu einer heute prosperierenden Einkaufstadt hautnah miterlebt.

Er hat als Polizist die Menschen in Hückelhoven begleitet, als die Schließung der Zeche immer konkretere Formen annahm, als die Ängste der Menschen um die Zukunft wuchs, als die Proteste zunahmen, er war dabei, als die Demonstrationszüge durch die Straßen zogen – aber er hat auch den Strukturwandel begleitet und blickt bei seinem Abschied in den Ruhestand mit Zufriedenheit auf das Erreichte zurück: „Wie das geschafft wurde und dass das so gelungen ist, darauf bin auch ich stolz“, sagt er mit Blick auf den Bürgermeister.

Der gibt das auch auf ihn gemünzte Lob gerne an Erdweg zurück: „Sie waren für uns in der Verwaltung immer ein verlässlicher und konstruktiv mitarbeitender Ansprechpartner“, sagt Bernd Jansen. „Auch wenn wir wieder mal mit 'ner neuen Idee kamen und beispielsweise eine Weihnachtsparade mit 5000 Leuten auf die Beine stellen wollten, waren sie sofort zur Zusammenarbeit bereit.“

Wie immer bei einem Abschied geht auch Heinz Erdweg mit einem lachenden und einem weinenden Auge in den Ruhestand: „Ich freu' mich auf die Zeit ohne Dienstplan und Zeitdruck und werde mit meiner Frau Irmtraud erst mal Urlaub in der Provence machen“, sagt Erdweg. Und mehr Zeit für seine Kollegen im Lanz-Bulldog-Verein West und das Herumbasteln an seinem Lanz Bulldog D 6500 Baujahr 1932 mit 44 PS wird er wohl jetzt auch finden.

Hückelhovens Bürgermeister Bernd Jansen jedenfalls wünschte ihm im Namen der Stadt für den neuen Lebensabschnitt „alles Gute, vor allen Dingen Gesundheit. Bleiben Sie uns verbunden. Wir sehen uns!“

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