Wegberg-Arsbeck: Kühe statt Panzer: Neue Zukunft für Ex-Militärgelände

Wegberg-Arsbeck: Kühe statt Panzer: Neue Zukunft für Ex-Militärgelände

Interessiert hatten sich die Rinder der Rasse Bayerisches Fleckvieh mit dem typischen weißen Kopf den Weg durch die Naturidylle gebahnt, um die große Menschenansammlung jenseits des Zauns zu beobachten.

Denn hier, auf dem ehemaligen britischen Übungsgelände in Wegberg-Arsbeck wurde an diesem Tag das Beweidungsprojekt vorgestellt, das in Kooperation mit dem Bundesforstbetrieb Rhein-Weser, der Naturschutzstation Haus Wildenrath, dem Kreis Heinsberg und dem Landwirt Helmut Jakobs aus Niederkrüchten-Overhetfeld durchgeführt wird.

Freude über erfolgreiches Beweidungsprojekt: von links Helmut Jakobs, Landwirt aus Overhetfeld, Achim Urmes von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, Martin Wingertszahn vom Bundesforstamt Rhein-Weser und Dr.Brigitta Szyska von der Naturschutzstation Haus Wildenrath stellen das Projekt vor. Foto: Monika Baltes

Offenlandlebensraum

Sie haben auf der Weide ein Zuhause gefunden: die Rinder der Rasse Bayerisches Fleckvieh fühlen sich pudelwohl. Foto: Monika Baltes

Das zwischen Arsbeck und Niederkrüchten gelegene Gelände diente früher als Treibstofflager und Übungsgelände für die britischen Streitkräfte. Nach deren Abzug wurde das Gelände 2014 an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) zurückgegeben. Bereits im Frühsommer 2014 gab es erste Überlegungen der beteiligten Behörden zu einem Beweidungsprojekt, um den vorhandenen Offenlandlebensraum mit seinem einmaligen Arteninventar zu erhalten.

277 verschiedene Gefäßpflanzsippen und 52 Vogelarten wurden auf dem Gelände vorgefunden. „Ohne das Beweidungsprojekt hätten wir in zehn Jahren hier wieder einen geschlossenen Wald“, erläuterte Martin Wingertszahn vom Bundesforstbetrieb Rhein-Weser. Mit dem Verschwinden des Offenlandbereichs und der Übergänge zwischen lichtem Wald und Heide würde auch die Artenvielfalt verloren gehen.

Im Frühjahr 2015 wurde eine rund 18 Hektar große Fläche als Weidekoppel eingezäunt und mit den ersten Rindern bestückt. Im Herbst 2015 kamen weitere 15 Hektar um die angrenzende ehemalige Schießanlage hinzu. Neben Rindern werden hier auch Ziegen für die Beweidung eingesetzt. Alle Tiere sind bisher ganzjährig auf der Fläche geblieben, einfache Unterstände dienen als Wetterschutz. Im Winter wird — falls notwendig — zugefüttert.

Mit Traktor und Strohballen

Stilecht auf einen Traktoranhänger mit Strohballen oder in einem Planwagen untergebracht, machten sich die Gäste auf den Weg, um Gelände und Beweidungsprojekt zu erkunden. „Es ist ein Versuch, ein Ausprobieren, mit dem wir uns intensiv beschäftigen“, erklärte Dr. Brigitta Szyska, Biologin der Naturschutzstation Haus Wildenrath, die das Monitoring übernimmt und das Weidemanagement im Auge behält.

Ein erstes Jahr mit Erfahrungen liegt vor. Und: „Es sieht gut aus“, bestätigte Achim Urmes von der Bima. Noch ist die Anstalt Eigentümerin des Geländes, aber das wird sich bald ändern. Die Fläche soll an die Deutsche Bundesstiftung Umwelt übertragen werden, um einen dauerhaften Schutz dieses wertvollen Gebietes zu sichern.

Zufrieden mit dem Projekt zeigte sich auch Landwirt Helmut Jakobs. Es sind prächtige Tiere, die da auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz herumspazieren. Ein Bulle dieser Rasse kann gut und gerne mal 1300 Kilogramm auf die Waage bringen.

Am Pfingstsamstag wurde das derzeit jüngste Kalb geboren. „Wir haben das Kälbchen Maria getauft, weil die St.-Maria-Schützenbruderschaft Overhetfeld zu Pfingsten traditionell Kirmes feiert“, erzählte seine Frau, Martina Jakobs, und lacht.

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