Kreis Heinsberg: Kreiswasserwerk will in Sachen Gülle kooperieren

Kreis Heinsberg: Kreiswasserwerk will in Sachen Gülle kooperieren

Über die schwarzen Schafe in den eigenen Reihen ärgern sich die Landwirte selbst vielleicht am meisten, auch wenn sie im Gespräch — nicht zu Unrecht — darauf verweisen, dass es sie wohl in jeder Branche geben würde — auch im Journalismus, wie sie anmerken. Das Thema Gülle stinkt aber bekanntlich so manchen in der Bevölkerung, und das im wahrsten Sinne des Wortes, auch wenn Dr. Christian Hoffmann von der Kreisstelle der Landwirtschaftskammer darauf verweist, dass die Beschwerden deutlich abgenommen hätten.

Diplom-Ingenieur Michael Leonards, Geschäftsführer vom Kreiswasserwerk Heinsberg, setzt auf Kooperation statt Konfrontation: „Im Laufe der Jahre hat sich zwischen Landwirtschaft und Wasserwirtschaft ein sehr gutes Vertrauensverhältnis entwickelt“, sagt er. Gülle als schlechten Dünger zu verdammen, „dem möchte ich aufgrund meiner Erfahrung widersprechen“, so Leonards. Auch das Wasserwerk sehe den Einsatz von Gülle als Düngemittel in der Landwirtschaft positiv. Es handele sich um einen natürlichen Stoff. Und es sei sinnvoller, diesen Stoff wieder nutzbar in den Kreislauf einzubringen statt in nur noch in Biogasanlagen unterzubringen oder ihn zu entsorgen. Leonards: „Gülleeinsatz ist nichts Schlimmes, die Dosierung macht‘s!“ Optimierung sei das Ziel.

Die fachgerechte Ausbringung von Wirtschaftsdünger wird als wichtige Maßnahme zur grundwasserschonenden Landbewirtschaftung angesehen. Einerseits geht es um eine bodennahe, verlustarme Ausbringung der flüssigen Wirtschaftsdünger. Wie erklärt Hoffmann: „Je näher am Boden die organischen Nährstoffe eingearbeitet werden, desto besser ist das für den Pflanzenbewuchs und für den Geldbeutel des Landwirts.“ Deshalb gelte es, die Nährstoffe möglichst schnell — unter Nutzung bodennaher Methoden wie zum Beispiel der Schlitztechnik — einzuarbeiten. „Wenn man dies beherzigt, gibt es auch deutlich weniger Probleme mit den Anwohnern“, so Hoffmann. Letztlich gehe es auch um finanzielle Auswirkungen: Denn der Teil der Gülle, der in die Luft gehe, sei für die Düngung verloren. Dieser Nährstoffverlust koste bares Geld.

Andererseits wird aber auch die mengengenaue Ausbringung der im Dünger enthaltenen Nährstoffe als immer wichtiger betrachtet. Um die landwirtschaftlichen Betriebe dabei voranzubringen, hat sich das Kreiswasserwerk in Zusammenarbeit mit dem kooperativen Gewässerschutz, für den im Kreis Heinsberg Theo Lemm verantwortlich ist, zu einem weiteren innovativen Schritt entschlossen: Mit der Anschaffung einer mobilen Andockstattion samt Online-Nährstoffmessung — Trista & Van-Control von der Firma Zunhammer aus Traunreut in Bayern — soll die Nährstoffanalyse flüssiger Wirtschaftsdünger am Feldrand ermöglicht werden, wie am Mittwoch bei einem Ortstermin auf einem Feld nahe der Wegberger Ortschaft Rath-Anhoven demonstriert wurde.

Rund 45.000 Euro lässt sich das Kreiswasserwerk laut Leonards diese Investition kosten; wobei er die Anschaffung weiterer Geräte bei erfolgreichem Einsatz nicht ausschließt. Gülle und andere flüssige Wirtschaftsdünger können mit Trista & Van-Control untersucht werden: Präzise könne der Nährstoffgehalt (Stickstoff, Phosphor und Kalium) jeder einzelnen Tankwagenfüllung ermittelt werden, verspricht der Hersteller. So könne diese Technik genutzt werden, um auf dem Feld exakt nach tatsächlichem Nährstoffgehalt zu düngen und dies auch entsprechend zu dokumentieren, wie es nach neuer Düngeverordnung vorgeschrieben werde.

Theo Lemm unterstreicht die Bedeutung der Kooperation zwischen Landwirtschaft und Wasserwirtschaft, die im Kreis Heinsberg zwischen den Wasserwerken und 320 landwirtschaftlichen Betrieben auf 7448 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche in Wasserschutz- oder Wassereinzugsgebieten — „fast flächendeckend“ — stattfinde. Mit Blick auf Nitratberichte und Zahlen über Gülleimporte aus den Niederlanden merkte er an, dass zwar viel Wirtschaftsdünger in den Kreis hineinkomme, zum Teil werde die Gülle aber auch von Händlern importiert und in andere Regionen Deutschlands weiterverkauft. „Im Kreis Heinsberg sind wir gar nicht so schlecht“, meint Lemm. „Und wir werden besser.“

(disch)
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