Heinsberg: Kreisstadt steht vor einem „Meilenstein“

Heinsberg : Kreisstadt steht vor einem „Meilenstein“

Am 26. September 1980 war der letzte Personenzug fahrplanmäßig nach Heinsberg gefahren. Doch am 15. Dezember, zum großen Fahrplanwechsel, soll es so weit sein: Dann wird Heinsberg wieder auf der Schiene zu erreichen sein. Einen kleinen „Vorgeschmack“ gab es am Freitagmittag, als der Regiosprinter der Rurtalbahn in der Kreisstadt stoppte — allerdings nur bei einer Testfahrt.

Beigeordneter Jakob Gerards ließ sich diesen inoffiziellen Termin dennoch nicht entgehen und sprach von einer zukunftsweisenden Entwicklung und einem „Meilenstein“ für die Stadt. Wenn Heinsberg jetzt wieder an das überregionale Schienennetz angebunden werde, sei dies auch ein Wirtschaftsfaktor. „Es ist schon spannend zu sehen, wie dieses Projekt in die Endphase geht“, so Gerards. Und er sei sehr gespannt, wie hoch die Fahrgastzahlen in Zukunft sein werden. Prognosen gehen bei diesem 18-Millionen-Euro-Projekt von rund 2500 Fahrgästen an Werktagen aus. Damit diese sicher unterwegs seien, werde Wert auf ein Höchstmaß an Sicherheit gelegt, wie Diplom-Ingenieur Christoph Göddecke von der für die Infrastruktur zuständigen Rurtalbahn erklärte. So war schon ein spezielles Messfahrzeug unterwegs, um die Elektrifizierung zu prüfen. Aktuell dreht sich alles um die digitale Signaltechnik vor allem an den Bahnübergängen — von denen der Ausbau des letzten noch zu errichtenden bei Horst nach Vorliegen des Planfeststellungsbeschlusses laut Göddecke nun umgesetzt werden soll.

Die Planung für Heinsberg — Lindern immer im Blick: Christoph Göddecke, Geschäftsbereichsleiter Planung bei der Rurtalbahn. Foto: Nicola Gottfroh

Nicht nur der Verantwortliche der Rurtalbahn („Wir liegen im Plan!“), sondern auch der vom ­Eisenbahn-­­Bundes­­amt zugelassene Abnahmeprüfer, Carsten Kunert, zeigte sich zufrieden: „Alles gut!“ Er habe keine Mängel festgestellt. Wie Göddecke erläuterte, handele es sich um vorkonfektionierte, von qualifizierten Anbietern gelieferte Produkte, die von der ersten Minute an voll funktionsfähig seien. Da gebe es allenfalls minimale Korrekturen, wenn hier ein Bäumchen beschnitten oder dort ein ­Signal­schirm etwas gedreht werden müsse. So blieben die mit maximal 80 km/h absolvierten Testfahrten, die an den Bahnübergängen von zusätzlichen Sicherungsposten begleitet worden waren, ohne besondere Vorkommnisse. Auch die Katze, die sich irgendwo zwischen Oberbruch und Horst über die Gleise schleichen wollte, hatte — ohne Signalwarnung — den Zug rechtzeitig erkannt und das Weite gesucht...

Er saß am Fahr-Brems-Schalter des Regiosprinters: Lokführer Sven Cremer von der Rurtalbahn am Freitag auf der neuen Bahnstrecke. Foto: Nicola Gottfroh

Lokführer Sven Cremer, der am Freitag am Fahr-Schalt-Hebel saß, war jedenfalls begeistert von der Qualität des Untergrunds: „Sehr gut! Eine Neubaustrecke eben.“ Genauer gesagt: neue Gleisanlagen auf alter, bestehender Trasse. Wobei die Schienen zwischen Lindern und Oberbruch bereits seit 2005 erneuert wurden und die Schienen zwischen Oberbruch und Heinsberg jetzt.

Und landschaftlich? Da Cremer für die Rurtalbahn auch in der Eifel im Einsatz ist, zeigte er sich bei seiner Antwort diplomatisch: Es gebe zwar schönere, aber auch weniger schöne Strecken als diese auf der Wurmtalbahn im Kreis Heinsberg.

Für die Testfahrten setzt die Rurtalbahn ihren eigenen dieselgetriebenen Regiosprinter ein. Die Triebwagen der Baureihe ET425, mit denen DB Regio auf der Strecke unterwegs sein wird, sollen spätestens im November auftauchen, wenn die Lokführer zu sogenannten Erkundungsfahrten starten. Doch „verfahren“ kann sich auf dieser Strecke eigentlich niemand...

(disch)
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