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Keine Hebamme im Dienst: Kreißsaal in Heinsberg geschlossen

Keine Hebamme im Dienst : Kreißsaal in Heinsberg geschlossen

Wie es dazu kommt, dass für dieses und nächstes Wochenende im Heinsberger Krankenhaus keine Hebamme zur Verfügung steht und was der Geschäftsführer Schwangeren nun rät.

„Unser Kreißsaal ist an der Leitstelle abgemeldet“. Es war dieser Satz auf einem weißen Zettel, der gestern schnell die Runde in den Sozialen Medien machte. Der Hebamme zufolge, die diesen Zettel auf ihrer Seite veröffentlichte, sollte er aus dem Heinsberger Krankenhaus stammen mit der zusätzlichen Nachricht, dass dies sowohl für dieses als auch für das nächste Wochenende gelte.

Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärte der Geschäftsführer des städtischen Krankenhauses dazu, dass es sich nicht um einen offiziellen Aushang im Krankenhaus handele, dass die Information auf dem Zettel allerdings korrekt sei. Für dieses und für das nächste Wochenende steht dem Heinsberger Krankenhaus tatsächlich keine Beleghebamme zur Verfügung. Auch zuvor habe das Krankenhaus in Heinsberg schon an zwei Wochenenden ohne Hebammen auskommen müssen.

Die Gründe dafür seien vielfältiger Natur, so Heinz-Gerd Schröders weiter. Der Markt für Hebammen sei schlichtweg „leergefegt“. Hier mache sich der Fachkräftemangel genauso bemerkbar wie in vielen anderen Branchen. Und Schröders wusste auch von anderen Kliniken zu berichten, in denen die Geburtsstationen inzwischen ganz geschlossen worden seien.

Heinz-Gerd Schröders, Geschäftsführer des Heinsberger Krankenhauses, hofft, dass sich bis Jahresende die Situation im Kreißsaal verbessert hat.
Heinz-Gerd Schröders, Geschäftsführer des Heinsberger Krankenhauses, hofft, dass sich bis Jahresende die Situation im Kreißsaal verbessert hat. Foto: Rainer Herwartz

Dieses Problem sieht er allerdings für Heinsberg nicht. Er spricht eher von einem vorübergehenden Engpass, der keine andere Lösung zulasse. Bisher am hiesigen Krankenhaus tätige Hebammen seien selbst in Elternzeit, würden ihrer Beschäftigung nur noch in Teilzeit nachgehen. Und nicht zuletzt sei der Krankenstand hoch, wie in allen anderen Bereichen derzeit aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie auch.

Man habe sich für die Schließung am Wochenende entschieden, da hier die Frequentierung der Geburtshilfe am niedrigsten sei. „Am Samstag liegt sie im Schnitt sogar unter eins, am Sonntag über eins“, so die Statistik. Mehr als zwei Neuzugänge seien also am Wochenende ohnehin nicht zu erwarten. Zudem sei die Maßnahme mit dem Erkelenzer Krankenhaus eng abgestimmt.

„Die ärztliche und pflegerische Versorgung ist jedoch auch in unserem Krankenhaus an den genannten Wochenenden gesichert!“, betont der Geschäftsführer. Sollte jemand an diesen Wochenenden erst kurz vor der Geburt das Krankenhaus erreichen, werde ihm zudem ganz sicher von einem diensthabenden Arzt geholfen. Und da er bereits seit Jahrzehnten im Krankenhaus tätig ist, kann Schröders da von so einigen Anekdoten von Geburten im Aufzug oder gar im Auto vor dem Krankenhaus berichten.

Natürlich kratze dieser Zustand auch am Image des Krankenhauses, das bis heute sehr stolz ist auf seine Geburtshilfe, räumt Schröders weiter ein. „Aber ich kann es nicht beeinflussen. Und wir können in diesem Bereich nicht experimentieren!“, betont er. Allerdings geht er davon aus, dass es sich bei den Schließungen bzw. Abmeldungen des Kreißsaals nur um eine vorübergehende Notlage handelt. „Ich bin guter Hoffnung, dass es sich bis zum Jahresende nur um Ausnahmen handeln wird, erklärt er und sieht eine Verbesserung der Situation fürs kommende Jahr. „Und zu den wesentlichen Zeiten sind unsere Beleghebammen auch jetzt immer da!“

Wie angespannt die Situation der Hebammen bundesweit ist, macht auch der Deutsche Hebammenverband (DHV) immer wieder deutlich. Erst vor zwei Wochen hat der Verband in einem Brandbrief auf den generellen Notstand in der Geburtshilfe aufmerksam gemacht. Der DHV warnte angesichts der aktuellen Gesetzes- und Reformvorstöße des Bundesgesundheitsministeriums vor massiven Versorgungsengpässen. „Seit Jahren verschärft sich der Notstand in der klinischen Geburtshilfe“, heißt es in dem Schreiben. Die seit Januar 2022 geltende Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnung führe jetzt dazu, dass es Kliniken absehbar unmöglich gemacht werde, Hebammenarbeit bedarfsgerecht einzuplanen und zu refinanzieren.

Weiterhin verweist der DHV in seinem Brandbrief darauf, dass die Regierungskoalition die Eins-zu-eins-Betreuung von Frauen unter der Geburt im Koalitionsvertrag fest verankert habe. Tatsächlich aber stünden die aktuellen Entwicklungen diesem Ziel entgegen. Die Versorgung in der klinischen Geburtshilfe dürfe nicht weiter belastet werden. „Wenn die Problemfelder nicht gelöst werden, drohen uns die verbliebenen Kreißsäle und Stationen wegzubrechen“, so der Verband. „Das geht vor allem zu Lasten von Frauen, Kindern und Familien in einer der wichtigsten, aber auch verletzlichsten Phasen ihres Lebens.“