Kreis Heinsberg: Wurm soll nicht mehr Keller überfluten

Wasserverband Eifel-Rur : Wurm soll nicht mehr Keller im Kreis Heinsberg überfluten

Die Bilder sind meist spektakulär. Vor allem lassen sie erahnen, was eine Überflutung der Straßen, voll gelaufene Keller oder gar schwimmende Möbel im Wohnzimmer für die Menschen bedeutet, die direkt davon betroffen sind. In Ortsteilen wie Randerath und Horst können manche Anwohner der nahen Wurm ein Klagelied davon singen.

Immer wieder war es zu derlei Vorfällen gekommen. In den letzten Jahren, so haben viele den Eindruck, sogar gehäuft. Doch bald soll dies ein Ende haben. Wir sprachen über das, was zur Verhinderung der Überschwemmungen geschehen soll, mit Erfried Lorenz vom Wasserverband Eifel-Rur.

Wenn man die Wurm so friedlich in ihrem Bett dahinfließen sieht, kann man sich kaum vorstellen, dass durch diesen Bach ein ernstes Überschwemmungsproblem entstehen kann. Wieso ist es dennoch seit Jahren immer wieder der Fall?

Lorenz: Bereits ab einem Hochwasser, das statistisch häufiger als alle 20 Jahre auftritt, lässt sich eine Überschwemmung im Bereich Randerath und Horst nachweisen. Unterhalb im Kreis Heinsberg ist nach den aktuellen Berechnungen Bebauung nur noch in geringem Maß betroffen. Dies wurde bereits im Rahmen des Hochwasseraktionsplans Wurm aus dem Jahr 2010 festgestellt, der durch die Bezirksregierung Köln erstellt wurde.

Viele Bürger in den Heinsberger Ortsteilen Randerath und Horst können in der Tat ein Lied davon singen. Wieso leben gerade sie so „gefährlich?

Lorenz: Sie leben in einem Bereich der Wurmaue, der bereits bei niedrigen Jährlichkeiten überflutet ist.

Hätte, nach Ihrer Einschätzung, schon bei der örtlichen Wohnbebauung dieser Gefährdung Rechnung getragen werden müssen, oder waren die Überschwemmungsprobleme zum damaligen Zeitpunkt noch nicht absehbar?

Lorenz: Das ursprüngliche Hochwasserschutzkonzept beinhaltete unter anderem ein Hochwasserrückhaltebecken oberhalb von Übach-Palenberg. Damit wäre der Hochwasserschutz am gesamten Wurmverlauf gewährleistet. Nachdem alle Versuche gescheitert waren, den notwendigen Grund und Boden für den Beckenbau zu erwerben, wurde 2010 beschlossen, den Hochwasserschutz für Randerath und Horst mit örtlichen Maßnahmen zu gewährleisten.

Welche baulichen Maßnahmen sollen denn nun zukünftig Abhilfe schaffen?

Lorenz: Bei den baulichen Maßnahmen in Randerath und Horst handelt es sich um eine Maßnahmenkombination. Hochwasserschutzmauern und Dämme links der Wurm flussabwärts bzw. rechts flussaufwärts der Brücke Buschstraße und in Horst im Bereich Von-Kessler-Straße. Südlich soll es einen siedlungsnahen Hochwasserschutz geben. Die Renaturierung des Wurmverlaufs zwischen Busch- und Asterstraße ist geplant, die Entwicklung einer Sekundäraue. Auch die Errichtung zusätzlicher Durchlässe unterhalb des Dammes der Eisenbahnstrecke sind vorgesehen. Ebenso wird es einen zusätzlichen Entwässerungsgraben im Bereich der Bahnlinie geben. Die Umsetzungsreihenfolge erfolgt von Nord nach Süd zur Verhinderung einer örtlichen Verschlechterung des Hochwasserschutzes während der Umsetzung.

Lassen sich die Kosten zum jetzigen Zeitpunkt schon überreißen?

Lorenz: Das abgestimmte Hochwasser-Schutzkonzept muss jetzt im Detail ausgearbeitet werden. Erst dann können die konkreten Baukosten und die Kosten für den Flächenerwerb abgeschätzt werden.

Und ab wann dürfen die Anwohner mit der Fertigstellung rechnen?

Lorenz: Die Bauausführung ist abhängig von der Dauer des Planfeststellungsverfahrens und der Erteilung des Zuwendungsbescheides des Landes NRW, der erst nach der Planfeststellung gestellt werden kann. Auf beide Verfahren hat der WVER keinen Einfluss. Prognostiziert ist die Bauumsetzung für 2022 bis 2024 von Horst aufwärts.

Fallen die geplanten Renaturierungsmaßnahmen der Wurm im Bereich Porselen und Bleckden eigentlich in den selben Zeitraum?

Lorenz: Mit den gleichen oben beschriebenen Unwägbarkeiten ist die Bauumsetzung für das Jahr 2021 vorgesehen.

Was muss man darunter eigentlich genau verstehen?

Lorenz: Die Renaturierung wird ähnlich aussehen wie die bereits umgesetzten Maßnahmen in Geilenkirchen-Trips, Übach-Palenberg-Frelenberg und Übach-Palenberg-Zweibrüggen.

Ist mit den beschriebenen Maßnahmen dann das Kapitel Hochwasser beendet, oder sind noch weitere Maßnahmen im Kreis Heinsberg angedacht?

Lorenz: Bezogen auf die Wurm gibt es im Kreis Heinsberg keine Notwendigkeit für weitere Planungen.