Kreis Heinsberg richtet digitalen Trainingsraum ein

Digitalisierung : Kreis richtet digitalen Trainingsraum ein

Digitalisierung bleibt das Thema der Stunde. Auch in der jüngsten Sitzung des Schulausschusses des Kreises befassten sich die Mitglieder mit dieser Thematik.

Digitalisierung ist in aller Munde, doch verbirgt sich für viele Menschen hinter diesem Begriff eine zähe, ledrige Worthülse. Denn was genau die Digitalisierung an Schulen leisten und bieten soll, das erschließt sich vielen Menschen noch nicht. „Fest steht aber: Digitalisierung an den Schulen muss jetzt stattfinden – schon aus der Not heraus“, erklärte Guido Rütten, Leiter des Medienzentrums im Heinsberger Kreishaus, vor den Schulausschussmitgliedern und erläuterte, was genau er damit meint: „Die analogen Medien verschwinden. Es gibt keine Videos mehr, keine Dias, keine Foliensätze und Overheadprojektoren. Deshalb ist die Digitalisierung unumgänglich.“

Rütten ist Experte auf dem Gebiet der Digitalisierung an Schulen. Was technisch möglich und dabei noch pädagogisch sinnvoll ist, das vermittelt er den Lehrkräften seit 17 Jahren als Medienberater des Kreises. Auch der Schulausschuss bekam an diesem Abend Einblick in seine Arbeit. In Rüttens Serviceeinrichtung finden Lehrer alle Angebote für die Medienarbeit in Schulen, Kindergärten und Bildungseinrichtungen im Kreis Heinsberg. Für die praktische Medienarbeit stellt das Medienzentrum eine moderne Geräteausstattung zur Verfügung und aktuelle Medien über das Portal EDMOND (Elektronische Distribution von Medien On Demand) – darunter Lehr- und Spielfilme, Fotos, Texte und didaktische Materialien wie Arbeits- und Aufgabenblätter. „Das Angebot umfasst über 6000 Titel, die die Lehrkräfte aus einem Online-Katalog wählen können – vor wenigen Jahren noch undenkbar. Damals war das Leihen von Medien für Lehrer mit enormem Arbeitsaufwand verbunden, die Lehrer mussten zum Kreishaus fahren, die Filme aus dem Register raussuchen, abholen und wieder zurückbringen. Heute können sie sich Filme online heraussuchen und einfach herunterladen“, sagt Rütten. Der große Medienbestand ist aber auch mit hohen Lizenzgebühren verbunden. Denn die Welt wandelt sich immerzu, ein Lehrfilm beispielsweise über Europa oder die USA sei nach zehn Jahren veraltet – dann müsste ein neuer für mehrere hundert Euro angeschafft werden.

Natürlich biete die Welt des Internets unzählige Filme, so Rütten, die zu jedem Thema eine Antwort böten und kostenlos für den User zu erhalten seien. „Aber Filme für die Schule brauchen ein besonders didaktisches Niveau“, erklärt er. 25.000 Euro stehen dem Medienzentrum für die Erneuerung von Lizenzen und Anschaffung von Geräten jedes Jahr zur Verfügung. Eine Gratwanderung, denn das Medienzentrum müsse für jede Schulform, jedes Fach und unzählige verschiedene Lehrpläne eine Auswahl bieten. „Das heißt: genau hinschauen, analysieren und den Bestand erneuern und erweitern“, sagte Rütten.

Digitalisierung von Schule, das sei aber vielmehr als nur Filme zur Verfügung zu stellen, so Rütten. „Die Digitalisierung von Schule bietet einen enormen Mehrwert. Die Einsatzmöglichkeiten sind schier unbegrenzt und bieten enormes Aufmerksamkeitspotenzial bei den Schülern – wenn man es richtig macht“, betonte er. „Doch die Umsetzung ist vor allem für kleine Schulen noch so etwas wie das sprichwörtliche Buch mit sieben Siegeln.“ Das Know-How müsse den Lehrern vermittelt werden und der Zusatznutzen der Digitalisierung deutlich gemacht werden, dass sie mehr sei, als mit dem I-Pad zu arbeiten, dass eine digitale Tafel beispielsweise mehr biete, als nur darauf zu schreiben, denn das ginge seit Jahrzehnten auch auf einer analogen Tafel. „Wenn die Lehrer feststellen, dass man auf der digitalen Tafel etwa die selbst erstellten Tafelbilder abspeichern kann, in einer Unterrichtsstunde zwischen verschiedenen Tafelbildern hin- und herswitchen und sie gegebenenfalls für Monate oder Jahre abspeichern kann, dann sind alle Lehrer begeistert“, erklärte Rütten auf Nachfrage unserer Zeitung.

Deshalb stellte er dem Ausschuss die Idee eines digitalen Trainingsraums im Bildungshaus des Kreises vor, der aktuelle Gerätetechnologie enthalten und Lehrkräften die Möglichkeit geben soll, diese auszuprobieren.

Ausgestattet werden soll er mit interaktiven Tafelsystemen, I-Pads, Notebooks,Mikrofonen und Dokumentenkameras und Programmier- und alle unterrichtsrelevanten Programme zur Verfügung stellen. „Der Trainingsraum soll zudem ein Labor für digitale Schülerprojekte sein und auch der VHS für Schulungszwecke zur Verfügung stehen“, sagte Rütten. Im Kreis Heinsberg, so betonte Rütten, seien die Schulen gut aufgestellt. Doch gänzlich im digitalen Zeitalter angekommen, ist das Gros noch nicht. „Gerade ältere Lehrer, die nicht mit digitalen Medien aufgewachsen sind wie beispielsweise die jüngeren Referendare, haben oft noch Vorbehalte. Aber sie lassen sich auf diesem Wege begeistern“, sagt Rütten.

Begeistern ließen sich auch die Ausschussmitglieder. Sie beschlossen einstimmig, die Verwaltung mit der Einrichtung des rund 40.000 Euro teuren Trainingsraumes zu beauftragen.

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