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Kreis Heinsberg: Keine Klassenfahrt für den Störenfried

Gericht lehnt Eilantrag ab : Störenfried wird von Klassenfahrt ausgeschlossen

Für die Schüler der sechsten Klasse geht es am Dienstag auf Klassenfahrt. Nur einer muss zu Hause bleiben, weil er sich im Vorfeld massiv danebenbenommen hat. Da half es auch nicht, dass der Schüler sich per Eilantrag in die Reisegruppe einklagen wollte.

Das Verwaltungsgericht Aachen entschied am Montag, dass der Ausschluss von der Klassenfahrt rechtens war. Um welche Schule es sich genau handelt, teilte das Gericht nicht mit. Nur so viel: Der Schüler besucht die  6. Klasse einer Gesamtschule im Kreis Heinsberg.

Das Fehlverhalten, das dem Ausschluss vorangegangen war, war nach Darstellung des Gerichtes durchaus massiv. Nach den Feststellungen des Gerichts enthält das Klassenbuch für den Zeitraum Anfang April bis Anfang Mai acht Eintragungen über Fehlverhalten des betreffenden Schülers. Offensichtlich zeigte sich der Schüler jedoch wenig einsichtig, dass er sich falsch verhalten habe.

Am 9. Mai habe der Sonderpädagoge der Schule auf Bitten der Schulleitung ein Gespräch mit fünf Schülern der Klasse 6 geführt, die in eine Auseinandersetzung verwickelt waren. Darunter war auch der Schüler, der nun von der Klassenfahrt ausgeschlossen wurde. Er verhinderte aber zunächst, dass ein klärendes Gespräch zustande kam: Der Schüler habe mehrfach das Gespräch gestört, „unter anderem, indem er einen seiner Schuhe auszog und gegen die Nase eines Mitschülers hielt“, teilte Dr. Frank Schafranek, Vorsitzender Richter und Pressedezernent am Verwaltungsgericht, mit.

Daher habe der Sonderpädagoge den Schüler in einen anderen Unterrichtsraum gebracht. Er sollte dort auf den Sonderpädagogen warten, „bis er mit den vier anderen Schülern gesprochen habe; im Anschluss wolle er dann mit ihm reden“, so Schafranek: „Der Antragsteller verließ aber ohne Rücksprache das Schulgebäude. Darauf im Rahmen des Elternsprechtages in Gegenwart seiner Eltern von dem Sonderpädagogen angesprochen, erklärte der Antragsteller, er sehe keinen Redebedarf.“

Pädagogen und Schulleitung hatten zu diesem Zeitpunkt wohl die Faxen dicke: Wegen „Missachtung von Lehreranweisungen“ wurde der Schüler von einer für den 2. Juli vorgesehenen Klassenfahrt ausgeschlossen. „Der dagegen gerichtete Eilantrag blieb ohne Erfolg“, so Schafranek. Nach den Klassenbucheinträgen und den aktenkundigen Schilderungen diverser Lehrkräfte bestünden für das Gericht keine Zweifel daran, „dass der Antragsteller erhebliche Defizite bei seiner Bereitschaft zeige, sich an Anweisungen der Lehrkräfte zu halten“. Zwar hätten der Schüler und seine Eltern mehrmals angedeutet, dass die Schilderungen des Sonderpädagogen nicht stimmten, sie konnten aber auch nicht sagen, was sich denn aus ihrer Sicht bei dem Gespräch zugetragen haben soll. Ohnehin seien die Schilderungen des Sonderpädagogen glaubwürdig, so das Gericht.

Zudem falle das Fehlverhalten durchaus so sehr ins Gewicht, dass er mit Konsequenzen rechnen musste. Denn Lehrkräfte seien insbesondere auf Klassenfahrten „darauf angewiesen, dass Schüler klare Anweisungen befolgen, damit die Lehrkräfte die ihnen obliegende Aufsichtspflicht verantwortlich ausüben können“. Da wiege auch besonders schwer, dass Eltern und Schule „nicht gemeinsam an einem Strang“ zögen, um fehlerhaftes Verhalten abzustellen, das einen ordnungsgemäßen Schulbetrieb erschwere oder unmöglich mache. Deshalb kam das Gericht zu dem Schluss, dass die Schule zu dieser Ordnungsmaßnahme greifen durfte.