Kreis Heinsberg: Die Grünen sind die großen Gewinner

Europawahl : Wähler folgen auch im Kreis Heinsberg dem Bundestrend

Der bundesweite Trend lässt sich auch im Kreis Heinsberg bei den Wahlen zum Europäischen Parlament feststellen. Die Grünen sind klare Sieger. Die CDU will nun analysieren und Konsequenzen ziehen. Nur mäßige Begeisterung zeigt auch FDP. Sie holt weniger Stimmen als die AfD.

„Das war eine Wahl fürs Klima – wir konnten uns dem Bundestrend nicht entziehen“, sagt Bernd Krückel, CDU-Vorsitzender im Kreis Heinsberg. Seine Partei hatte im Kreis rund 39.800 Stimmen geholt – und damit neun Prozent weniger als bei der letzten Wahl. „Wir können mit diesem Ergebnis im Kreis nicht zufrieden sein, da gibt’s nichts schönzureden“, so Krückel. Nicht nur das Thema Klima, sondern auch der Umgang der Bundespartei mit dem viral gegangenen Video des YouTubers Rezo habe die Partei, da ist er überzeugt, drei bis fünf Prozent der Stimmen gekostet.

„Nicht das Video hat der CDU geschadet, sondern die CDU sich selbst durch das anschließende Kommunikationsdesaster. Das hat sich bis in den Kreis Heinsberg niedergeschlagen“, glaubt Krückel. Auffällig im Kreis Heinsberg sei zudem noch, dass die Zahlen in den Kommunen des Kreises sehr unterschiedlich ausfielen. „Wir werden das in den einzelnen Kommunen jetzt analysieren und daraus unsere Schlüsse ziehen müssen.“ Wie die aussehen könnten, „darüber zu sprechen wäre deutlich verfrüht“, sagt Krückel. „Sicher ist aber: Die Klimadiskussion wird auch bei uns mit Schärfe geführt werden müssen. Wir müssen zeigen, wo und wie wir stehen.“

Wo sie in Sachen Klima stehen, haben die Grünen unmissverständlich gezeigt und sind belohnt worden.  „Das war ein überwältigender Erfolg für uns Grüne bei dieser Europawahl“, freut sich Ruth Seidl.  „Wir sind nach der CDU zweitstärkste Kraft und haben mit 20,5 Prozent der Stimmen das beste Ergebnis, das wir bei einer bundesweiten Wahl je einfahren konnten. Diese Wahl war unumstritten eine Wahl für das Klima. Für 48 Prozent der Menschen, die kurz vor der Europawahl nach ihrer Wahlentscheidung befragt wurden, stand das Thema Klima- und Umweltschutz an erster Stelle.  

Auch die Sprecherin der grünen Kreistagsfraktion, Maria Sprenger, zeigt sich zufrieden: „In allen Kreiskommunen haben wir sehr gute Ergebnisse geholt und überall deutlich gewonnen. Das zeigt uns, dass unsere Idee eines offenen, sozialen und gerechten Europas den Menschen im Kreis Heinsberg wichtig ist. Und wir natürlich mit unseren Kernthemen, Klima- und Umweltschutz, offenbar den Nerv so vieler Menschen getroffen haben. Nun geht es darum, auf allen Ebenen den Druck zu verstärken, Klima- und Umweltschutz schnellstens ernsthaft umzusetzen. Und weiter energisch Demokratie, Menschenrechte und den Schutz von Minderheiten zu verteidigen.“

Dass das Thema Klimaschutz eine große Rolle gespielt hat, „das war dann nicht zu unseren Gunsten“, versucht FDP-Kreisvorsitzender Klaus Wagner zu erklären. Dennoch zeigt er sich mit den Ergebnissen im Kreis „mäßig zufrieden“. Das Positive ist, dass wir den Negativtrend im Vergleich zur letzten Europawahl gestoppt haben und die Stimmen mit knapp sieben Prozent verdoppelt haben. Damit liegt das Kreisergebnis noch über dem Bundesdurchschnitt“, freut sich Wagner. Weniger glücklich ist er darüber, dass die AFD mit 9358 immer noch mehr als 2200 Stimmen mehr geholt hat.

Nicht nur „bitter“, nennt der Kreisvorsitzende der SPD, Norbert Spinrath, das Ergebnis der Europawahl. Ihn habe das Ergebis „regelrecht weggehauen“. „Wir hatten nicht damit gerechnet zu jubeln, dass es aber so hart werden würde, damit hatten wir nicht gerechnet.“ Denn in den vielen Gesprächen mit Bürgern sei das Gefühl, das mit der Wahl zum Ausdruck gebracht wurde, nicht rübergekommen. Da ist es auch kein Trost, dass die SPD im tiefschwarzen Kreis Heinsberg ein Prozent über dem Bundesschnitt liegt. „Das zeigt lediglich, dass wir hier ordentlich gearbeitet haben“, so Spinrath.

Woran es liegt, sei schwer zu erklären, sagt der SPD-Kreisvorsitzende. „Vielleicht ist es der Zeitgeist. Die Menschen sind sehr emotional, oft gibt es nur schwarz oder weiß. Dabei ist Politik die Kunst der Kompromisse“, sagt Spinrath. Nun sei es für die SPD an der Zeit für einen Strategiewechsel. „Wir sollten künftig Tacheles reden - auch, wenn das Zoff mit dem Koalitionspartner bedeutet.“

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