Kreis Heinsberg: Auf das Netzwerk wartet viel Arbeit

Frauen knüpfen ein Netz : Auf das Netzwerk wartet viel Arbeit

Beim Gründungstreffen des Frauennetzwerkes im Kreis Heinsberg werden viele Themenfelder angesprochen. Es folgt eine Diskussion über die Ausrichtung und konkrete Ideen.

Die erste Masche haben sie gemeinsam fest geknüpft, die rund drei Dutzend Frauen,  die zum Planungs- und Gründungstreffen eines neuen Frauennetzwerks für den Kreis Heinsberg in den großen Sitzungssaal des Kreishauses gekommen waren.

Initiiert hatten das Ganze die Gleichstellungsbeauftragten für den Kreis, Anneliese Wellens und Petra Büschgens. „Die Zeit ist reif, dass sich die Frauen im Kreis Heinsberg besser vernetzen“, betonte Wellens, die sich über die gute Resonanz der Vertreterinnen aus Wirtschaft und Politik, Institutionen und Vereinen des Kreises freute. „Feuer frei“, forderte sie die Frauen auf, Themen, die ihnen am Herzen liegen, Wünsche und Erwartungen an die Arbeit im Netzwerk gleich beim Planungstreffen auf den Tisch zu bringen.

Dieser Aufforderung kam Rita Zurmahr-Tabellion, Vorsitzende des Frauenzentrums im Kreis Heinsberg, gerne nach – feuerte allerdings erstmal in Richtung der Gleichstellungsbeauftragten. Sie monierte, dass es ein Netzwerk für Frauen unter dem Dach ihres Frauenzentrums bereits seit 20 Jahren gebe.

In einer darauffolgenden, lebhaften Diskussion wurde schnell deutlich, dass dies allerdings nicht ganz das ist, was sich viele Frauen wünschen. Vielen, die sich bereits im Frauenzentrum engagiert hatten,  fehlte in der Vergangenheit ein festes Programm und ein Halt gebender Rahmen der Aktivitäten.

„Ein funktionierendes und gut vernetztes Frauennetzwerk ist für den Kreis absolut notwendig und sinnvoll – es muss aber nicht neu erfunden werden“, versuchte Astrid Wolters, stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Erkelenz, die Wogen zu glätten und schlug vor, die bereits bestehenden Strukturen des Frauenzentrums mit dem neuen Netzwerk zusammenzuführen. Ähnlich sah das auch Ruth Klapproth, Vorsitzende von „Frauen machen Business“: „Die vielen Frauenthemen müssen sich nicht gegenseitig Konkurrenz machen. Wir sollten hier die Chance nutzen, eine Plattform zu gründen, in der verschiedene Institutionen, Ideen und Angebote gebündelt werden.“ Denn in einem Kreis wie dem Heinsberger, der sich über eine große Fläche erstreckt und der – nicht nur gedanklich – noch in Nord- und Südkreis unterteilt werde, seien viele Institutionen allein zu klein, um wirklich etwas zu bewegen und sich Gehör zu verschaffen. Ziel sei es deshalb, so Initiatorin Anneliese Wellens, Kompetenzen und Ressourcen nach dem Vorbild des Aachener Frauennetzwerks zusammenzubringen.

Das wichtigste aber sei, da waren sich alle Anwesenden einig, dass auch die Bürgerinnen, die nicht institutionell eingebunden sind, erreicht würden. Dass ihre Ideen und Anliegen beim Frauennetzwerk Adressatinnen finden, die sie weitertragen können. „Und ich weiß, dass das Interesse in der Bevölkerung groß ist“, berichtete Anneliese Wellens. Deshalb solle das Netzwerk auch offen sein für weitere Gruppierungen, die sich mit Frauenthemen und -problemen beschäftigen und natürlich für Frauen, die gehört werden möchten.

Als es endlich um konkrete Themen ging, die im Kreis Heinsberg angepackt werden müssen, wurde schnell deutlich, dass es viele Felder gibt, die den Frauen im Kreis Heinsberg auf den Nägeln brennen: Angefangen bei einer fehlenden Frauenberatungsstelle, über latenten Sexismus und die Etablierung frauengerechter Sprache in der Verwaltung bis hin zu den Themen gendergerechte Bildung, Frauenerwerbstätigkeit, Kinderbetreuung, Frauen in der Politik und gleicher Lohn für gleiche Arbeit.

„Wir müssen Frauen darauf aufmerksam machen, was geht und sie stärken“, appellierte Wellens an die Anwesenden.

„Die erste Masche des Netzes ist nun geknüpft. Nun liegt es daran, stetig weiterzuknüpfen und ein starkes Netz aus der Masche zu machen“, formulierte es Christiane Leonards-Schippers treffend zum Abschluss. Und alle Frauen im Kreis Heinsberg sind dazu aufgerufen, dabei mitzumachen.

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