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Ärzte appellieren: Krankheiten nicht verschleppen

Ärzte appellieren : Krankheiten nicht verschleppen

Heinsberger Klinikärzte appellieren an Patienten: Behandlung nicht länger aufschieben! Wer zu lange wartet, muss mit schweren Komplikationen rechnen.

„Je eher, desto besser!“ Dieses Prinzip gilt nach wie vor in der Gesundheitsvorsorge. Je eher Krankheiten erkannt werden, desto besser kann man sie behandeln. Diese Richtschnur scheint in der Corona-Krise aber viel zu oft vernachlässigt worden zu sein. Denn immer mehr Ärzte berichten, dass ihre Patienten während der Pandemie Arztbesuche aktiv vermieden haben. Vorsorgetermine sowie Behandlungen bei akuten Beschwerden wurden immer weiter verschoben. Das Ergebnis: Krankheiten wurden dadurch häufig verschleppt.

So berichtet etwa Allgemein- und Viszeralchirurg Chefarzt Dr. Konstantinos Lioupis, dass in den letzten Monaten vermehrt Patienten mit fortgeschrittenen entzündlichen Erkrankungen im Bauchraum behandelt werden mussten. „Den Patienten kann natürlich geholfen werden, aber die verzögerte Therapieeinleitung hat häufig einen längeren Krankenhausaufenthalt zur Folge, mitunter auch operative Folgeeingriffe, was durch ein früheres Eingreifen definitiv hätte verhindert werden können.“

Dies kann der Gastroenterologe Chefarzt Dr. Carsten Triller, der gemeinsam mit Dr. Lioupis das Magen-Darm-Zentrum am Krankenhaus in Heinsberg leitet, bestätigen. „Das Komplikationsrisiko wird durch zaghaftes Abwarten oft unnötig erhöht. Das haben wir hier schon bei Infekten der Gallenblase und Gallenwege gesehen oder dramatischer bei Karzinomen im Dick- und Mastdarm.

Werden bösartige Tumore im Darm früh erkannt, kann man sie häufig noch endoskopisch erfolgreich behandeln. Ist die Erkrankung allerdings dafür schon zu weit fortgeschritten, wird nicht nur die Behandlung komplexer und belastender, sondern die Sterblichkeit erhöht sich deutlich. Den Trend, dass sich Patienten bei Feststellung einer Krebserkrankung bereits in einem höheren so genannten ‚Tumorstadium‘ befinden, gibt zudem die Deutsche Krebsgesellschaft bekannt.“

Keinen Grund, Behandlungen aufzuschieben

Von Beobachtungen dieser Art können alle Ärzte der verschiedenen Fachrichtungen des Heinsberger Krankenhauses berichten – ausgenommen der Geburtshilfe.

„Dass die Menschen zu Beginn der Pandemie verunsichert waren, ist verständlich“, räumt Chefarzt Dr. Claus Cieslok, stellvertretender Ärztlicher Leiter, ein. „Aber mittlerweile gibt es keinen Grund, Krankenhausaufenthalte länger aufzuschieben. Alle Hygienevorkehrungen gegen eine Infektion werden weiterhin stringent umgesetzt, sämtliche Behandlungskapazitäten stehen vollumfänglich zur Verfügung.Insbesondere bestehen keine Einschränkungen mehr auf unserer interdisziplinären Intensivstation! Hier wurden die Kapazitäten kürzlich noch erhöht. Darüber hinaus hat die Pandemiezeit gezeigt, dass gerade im chirurgischen Bereich deutlich mehr Patienten kurzstationär oder vollständig ambulant behandelt werden können.“

„Seit einigen Tagen mussten im Krankenhaus Heinsberg übrigens keine Corona-Patienten mehr behandelt werden“, ergänzt Aufsichtsratsvorsitzender und Bürgermeister Kai Louis erfreut.

Neue Besucherregelung

„Die ‚dritte Welle‘ ist damit definitiv vorbei. Darum können wir unsere Besucherregelung wieder etwas großzügiger fassen“, freut sich Geschäftsführer Heinz-Gerd Schröders. Ein ständiges Kommen und Gehen regelrechter Besucherströme wie vor Corona-Zeiten wolle man aber nicht provozieren. Da sind sich die verantwortlichen Ärzte und das Pflegepersonal einig.

„Besuch zu bekommen, trägt für viele Patientinnen und Patienten unbedingt zur Genesung bei“, weiß Pflegedienstleiter Guido Leinders. „Aber Corona hat uns gezeigt, dass hier weniger auch schon mal mehr sein kann. Wenn beispielsweise in einem Zwei-Bett-Zimmer einer der Patienten konstant mehrere Angehörige gleichzeitig zu Besuch hat, kann das für den Zimmernachbarn und zudem für ihn selbst kaum zu einem Erholungsprozess beitragen.“

Darum werde seit einer Woche und auch zukünftig – ebenso aus Infektionsschutzgründen – für jedes Zimmer ausgewiesen, wie viele Besucher sich dort gleichzeitig aufhalten dürfen. „Diese Regelung stößt ebenfalls bei unseren Patienten bisher auf große Zustimmung“, berichtet Leinders.

(red)