Heinsberg-Waldenrath: Kraftvolle Stimmen, prachtvolle Klänge in der Pfarrkirche St. Nikolaus

Heinsberg-Waldenrath: Kraftvolle Stimmen, prachtvolle Klänge in der Pfarrkirche St. Nikolaus

Das Requiem KV 626 von Wolfgang Amadeus Mozart gehört neben der „Kunst der Fuge“ von Bach und der „Unvollendeten“ von Schubert zu den berühmtesten Fragmenten der Musikgeschichte. Nur den Introitus „Requiem aeternam“ konnte der Komponist noch vollständig aufschreiben, zum Kyrie, der Sequenz und dem Offertorium noch die Singstimmen, die wichtigen Melodien und den bezifferten Bass notieren, die letzten Teile fehlen ganz.

Der Mozart-Schüler Franz-Xaver Süßmayr führte das Werk im Auftrag von Mozarts Witwe und nach Anweisungen seines Lehrmeisters zu Ende. In dieser Version wurde das Requiem rasch berühmt und stellt auch heute für gut besetzte Chöre immer wieder eine lohnende Aufgabe dar. Jetzt war Mozarts letztes Werk auch in der Pfarrkirche St. Nikolaus in Waldenrath zu hören, jedoch wurde nicht die traditionelle Version von Süßmayr, sondern eine neuzeitliche Bearbeitung des amerikanischen Komponisten Levin der Einstudierung zugrunde gelegt.

Levin greift in seiner Fassung auf früher unbekannte Skizzen Mozarts zurück (am Ende der Sequenz) und hat die fehlenden Sätze Sanctus, Benedictus und Agnus Dei wesentlich kunstvoller ausgeführt — ob das Werk in dieser Form aber wirklich den Absichten von Mozart entspricht, darüber kann man unterschiedlicher Meinung sein.

Für die instrumentale Begleitung hatte Kantor Bernd Godemann aus Geilenkirchen das Barockorchester Sinfonia aus Delft gewonnen, als Solisten wirkten Claudia Couwenbergh (Sopran), Regula Boeninger (Alt), Kevin Skelton (Tenor) und Mitchell Sandler (Bass) mit. Wie bei den meisten Aufführungen großer Werke wurde der Kirchenchor St. Marien auch diesmal vom Kammerchor der Jugendmusikschule Heinsberg unterstützt.

Als Vorspann stimmte die Sinfonia Nr. 3 des spanischen Barockmeisters Antonio Caldara in den Abend ein. Sie trägt den Beinamen „La morte d‘Abel“. Hierbei erwiesen sich die Delfter Musiker als große Spezialisten ihres Genres. Dann erst zog mit tiefernsten und zugleich monumentalen Klängen das „Requiem aeternam“ die Zuhörer in den Bann. Bei aller künstlerischen Freiheit betont Mozart dennoch stets den Bezug zur katholischen Liturgie: Der Abschnitt „Te decet hymnus Deus in Zion“ basiert auf einem alten Psalmton.

Dagegen verweist das „Kyrie“ auf Mozarts intensive Beschäftigung mit Händel: Das erste Thema der mächtigen Doppelfuge wurde fast wörtlich dem Chorsatz „Durch seine Wunden sind wir geheilt“ aus dem Oratorium „Der Messias“ entnommen. Hier hatte es der Chor stellenweise nicht leicht, gegen den Orchesterklang anzukommen, der auch sonst gelegentlich etwas zu dick aufgetragen wirkte.

Dramatischer Höhepunkt

Einen dramatischen Höhepunkt bildete die Sequenz, deren Einleitung „Dies irae“ eine Vision des Jüngsten Gerichtes darstellt. In den ruhigeren Abschnitten, worin um Erbarmen für die verstorbenen Seelen gebetet wird, konnten die Solisten ihr Können zeigen. Dabei gefielen Claudia Couwenbergh und Regula Boeninger mit kraftvollen und zugleich einfühlsamen Stimmen, während Kevin Skelton und Mitchell Sandler in den tieferen Lagen ein wenig undifferenziert wirkten.

Eine großartige Leistung boten die Chöre, die ihre Partien souverän meisterten, worin sich auch die sorgfältige Probenarbeit Godemanns erkennen ließ. Dies galt auch für das düster-erregte Offertorium „Domine, Jesu Christe“, dem das lichte „Hostias et preces“ folgte. Die von Levin auskomponierten Sätze Sanctus, Benedictus und Agnus Dei verfehlten ebenfalls ihre Wirkung nicht. Die Motivzitate (aus Introitus und Sequenz) im Benedictus jedoch wirkten ein wenig unauthentisch — jedenfalls gibt es in anderen Messen Mozarts keine vergleichbaren Beispiele.

Am Ende gab es langanhaltenden Applaus für eine insgesamt prachtvolle Aufführung, die wieder einmal mit Nachdruck die hohe Qualität dieser Kirchenmusik unter der Leitung von Bernd Godemann unter Beweis gestellt hat.