Konzert in Wegberg 100 Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs

Gedächtniskonzert: Zeitreise in die Grausamkeiten

Das Ende des Ersten Weltkriegs jährte sich im November zum 100. Mal. Aus diesem Anlass gaben der Pianist Desar Sulejmani und der Cellist Olsi Leka auf Einladung der Anton-Heinen-Volkshochschule ein Kammerkonzert in der Wegberger Mühle.

Ein multimediales Gedächtniskonzert, das sich in der Themenführung mit der Musik der Künstler, mit den Fotografien von Frederic Pauwels und mit Texten von Zeitzeugen zu einem gemeinsamen Kunstwerk verbinden ließ.Eine neue Art des Gedenkens, die in Belgien initiiert wurde, der seelische Zwiespalt der Soldaten, die allgegenwärtige Angst vor dem Sterben, das Elend und Leid wurden eindringlich und nachfühlbar dargestellt.

Es war eine Zeitreise in die Grausamkeiten des Ersten Weltkriegs mit Erinnerungsfotos markanter Orte wie Flandern, Verdun oder Langemarck, die in eine im Gedächtnis verblassende Vergangenheit stummer Zeitzeugen an die Unerlässlichkeit des Erinnerns mahnten.

Die Themen wurden von Instrument zu Instrument getragen, es entwickelte sich ein Dialog, der in einer ausgewogenen Mischung zwischen virtuosem und lyrischem Spiel und zwischen technischer Präzision und spirituellem Klang gipfelte. Dem Zuhörer wurde deutlich, wie wichtig die Lehren aus der Vergangenheit sind, sie lebendig zu halten und sie immer wieder neu zu erarbeiten, Gefühle und Erfahrungen von Zeitzeugen darzustellen, um damit auch eine Brücke des Gedenkens zwischen den Völkern bauen zu können.

Die beiden Künstler, der in Albanien geborene deutsche Pianist und Dirigent Desar Sulejmani und der belgische Violoncellist Olsi Leka, verstanden es, mit viel Feingefühl und absoluter Virtuosität die Konzertbesucher emotional zu berühren. Die Auswahl der Konzertstücke wie „Drei Romanzen“ für Violoncello und Klavier Opus 94 von Robert Schumann, „Klid – Waldesruh“ von Antonin Dvorak, „Liebestraum“ von Franz List oder „Ständchen“ von Franz Schubert waren sorgfältig gewählt. Zwei Werke von den zeitgenössischen Komponisten Arvo Pärt (1935) und Walentyn Sylwestrow (1937) bereicherten das Programm. Mit „Nuit Calme – Ruhige Nacht“, komponiert von der Niederländerin Henriette Bosmans, und „Elegie“, geschrieben vom ukrainischen Komponisten Vasyl Oleksandrovych Barvinsky, waren zwei Stücke von Zeitzeugen dabei, die sich musikalisch mit der Kriegsthematik befassten.

Es schien so als hätten die Komponisten alle Themen und Gefühle, die sie in den Kriegsjahren 1914 bis 1918 bewegt hatten, in die Kammermusikwerke einfließen lassen. Motive und Klänge wurden meisterhaft verarbeitet. Die „Arabesques“ für Klavier und Violoncello des belgischen Komponisten Eric Feldbusch sowie das Adagio von Woldemar Bargiel rundeten das Programm ab.

Es war ein Kammerkonzert, in dem mit der Kraft der Musik, dem Sehen der Bilder und Lesen der Texte ein Gesamtkonzept entstand, das ein Legen eines weiteren tragfähigen Grundsteins für Frieden und Freiheit in Europa möglich gemacht hat.

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