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Nachfolgeverein: Kontinuität in der Flüchtlingsarbeit

Nachfolgeverein : Kontinuität in der Flüchtlingsarbeit

Jetzt ist es amtlich: Aus dem Flüchtlingshilfeverein „Willkommen in Erkelenz (WIE)“ ist „Ankommen e.V., Flüchtlingshilfe Erkelenz“ geworden. Mit der Registrierung durch das Amtsgericht Mönchengladbach kann „Ankommen e.V.“ seine Geschäfte als Nachfolgeverein antreten.

„Wir freuen uns, dass damit eine politisch und finanziell unabhängige Hilfsorganisation für die etwa 700 in unserer Stadt lebenden Geflüchteten weiterbesteht und wir die Integrationsarbeit Hand in Hand mit unserer Integrationsbeauftragten Samira Meurer weiterführen können“, sagt Andrea Ludwigs-Spalink, neue Vorsitzende von „Ankommen“.

Zusammen mit weiteren WIE-Mitgliedern hatte sie nach der im Januar 2019 beschlossenen Auflösung von WIE versucht, während der einjährigen Liquidierungsphase doch noch Mitstreiter für einen neuen Vorstand zu finden. Der ehemalige Vorstand hatte seine Aufgabe, eine Willkommenskultur in Erkelenz aufzubauen, als erfüllt angesehen und seine Ämter auf der Jahreshauptversammlung niedergelegt. „Es wäre zu schade gewesen, wenn die Strukturen und Projekte, die dank WIE aufgebaut werden konnten, für die Integrationsphase der Flüchtlinge nicht mehr zur Verfügung gestanden hätten“, so Ludwigs-Spalink. Das von WIE gesammelte Geld wäre für Flüchtlingsarbeit an die Stadt geflossen.

„Wir haben uns dann mit interessierten Mitgliedern zusammengesetzt, die Satzung überarbeitet, einen neuen Namen gesucht und gefragt, wer Verantwortung als Vorstandsmitglied übernehmen will“, sagt die Vorsitzende, die selbst seit vier Jahren die Bewohner in der Flüchtlingsunterkunft Kückhoven betreut.

Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung, zu der WIE im Oktober 2019 eingeladen hatte, habe man den Mitgliedern das Konzept erläutert und sich zur Wahl gestellt. Zum auf sechs Personen abgespeckten Vorstand gehören: Brigitte Grünewald als zweite Vorsitzende, Karin Salentin als Kassiererin, Dieter Spalink als Schriftführer und die Beisitzerinnen Petra Hömke-Nagel und Vera Fiestelmann. Alle Vorstandsmitglieder hätten als aktive Flüchtlingshelfer langjährige Erfahrungen gesammelt und seien bestens in Erkelenz vernetzt, betont die Vereinsvorsitzende.

Ziel von „Ankommen“ sei, zum einen alle aktiven Flüchtlingshelfer im Verein zu unterstützen. Sie könnten auf Anfrage die materiellen und finanziellen Mittel erhalten, die sie für ihre ehrenamtliche Arbeit vor Ort benötigten. „Unsere Mitglieder geben Deutschkurse, betreuen einzelne Flüchtlinge oder ganze Familien und arbeiten bei verschiedenen Projekten mit. Über sie erfahren wir auch von Notlagen bei Geflüchteten und können dann im Einzelfall dort schnell und unbürokratisch helfen“, so Brigitte Grünewald, zweite Vorsitzende.

Zum anderen sollen die Projekte, die sich bewährt hätten, weiter finanziert werden: So fördere „Spaß und Kultur“ in den Räumen der Jugendkirche „Jack“ am Johannismarkt in Erkelenz seit Jahren geflüchtete Kinder und Jugendliche. Das Team aus Vereinsmitgliedern koche, esse, spiele und bastele mit den jungen Besuchern und sorge mit Ausflügen für Höhepunkte im Jahr. Die Fahrradwerkstatt in der Grundschule Kückhoven arbeite ebenfalls unter dem Dach von „Ankommen“ und versorge mittlerweile Flüchtlinge aus dem ganzen Kreis Heinsberg mit Rädern und Reparaturen. „Ein wichtiger Faktor, um die Arbeitenden unabhängiger von Bus und Bahn zu machen“, so Ludwigs-Spalink. Die Räder würden nicht verschenkt, sondern für 20 Euro verkauft, denn das fördere die Wertschätzung. Ein neues Frauen-Projekt in der Flüchtlingsunterkunft in Kückhoven sei im Aufbau, dort lebten mittlerweile überwiegend alleinstehende Frauen mit ihren Kleinkindern.

Sollten Vereinsmitglieder neue Ideen für Projekte unterschiedlicher Dauer haben – etwa die Betreuung eines Frauen-Schwimmkursus, die Idee für einen Museumsbesuch oder ein Koch-Projekt – und diese umsetzen wollen, dürften sie auf Hilfe von „Ankommen“ zählen. Für die Zukunft seien ebenfalls Feste und Veranstaltungen geplant.

„Aber wir wollen und können keinen Aktionismus an den Tag legen“, sind sich Ludwigs-Spalink und Grünewald einig: „Wir alle sind als langjährige Flüchtlingshelfer erfahren genug, um zu wissen, dass nach der enthusiastischen Willkommensphase nun für das Ankommen der Menschen Kontinuität und Beharrlichkeit in der Betreuung gefragt sind. Deshalb auch der Namenswechsel. Dass die Geflüchteten sich nun Schritt für Schritt integrieren können, dazu will Ankommen e.V. mit langem Atem ein kleines Stück beitragen.“