Erkelenz: Konrad Beikircher feierte 35-jähriges Bühnenjubiläum in Erkelenz

Erkelenz: Konrad Beikircher feierte 35-jähriges Bühnenjubiläum in Erkelenz

Nächstes Jahr wird er 70 Jahre alt, der Südtiroler Konrad Beikircher. Er ist seit etwas mehr 35 Jahren sozusagen Berufs-Rheinländer. Der ehemalige „Knastbruder“, natürlich als Psychologe außerhalb der Zellen, hat sich seit 1971 intensiv mit der Sprache und Lebensart der Rheinländer befasst und sie in seinen Programmen auf äußerst komische und humorvolle Weise aufbereitet.

So auch am Wochenende in der voll besetzten Stadthalle, wo er über zwei Stunden lang ein begeistertes Publikum, in dem offenbar sehr viele seiner langjährigen Fans saßen, mit seiner besonderen Art von Humor unterhielt. Und dies war nicht nur eine Sache der fröhlichen und launischen Präsentation, sondern auch eine große physische Leistung. Als Kabarettist nahm er nicht so sehr aktuelle Ereignisse und Personen aufs Korn. Abgesehen von dem ein oder anderen Seitenhieb zum Beispiel gegen Berlusconi oder Kardinal Meisner. Beikircher stellte „Highlights“ aus seinem langjährigen Schaffen vor.

Im Wechsel zwischen Deutsch, Bonner Platt und der ein oder anderen Mundart ging es nicht nur um die Geheimnisse der Grammatik, sondern auch um viele „Dönekes“ aus seinem Leben, die er charmant und immer mit einem Lächeln im Gesicht erzählte. So breitete er ausführlich seine Erfahrungen mit seinem neuen Gebiss aus, das er ausgerechnet vor einem Auftritt bekommen hatte. Oder er beschrieb seine Erfahrungen als Moderator und viele Begegnungen mit Menschen unterschiedlicher Herkunft.

Für den Musiker Beikircher besteht die Sprache nicht nur aus Aussprache und grammatischen Regeln, sie ist für ihn zuallererst eine Angelegenheit von Rhythmus und Melodie. So zeigte er am Unterschied zwischen Aachener und Kölner Platt auf, dass diese Theorie Hand und Fuß hat. Und was die Entwicklung einzelner Mundarten anging, begab er sich in die Vorzeit oder in die Geheimnisse des Körperbaus. Auch beschäftigte er sich mit der Originalsprache von Goethe und Wagner, was zu ganz neuen Einsichten bei den Zuhörern führte.

Wenn Beikircher vom Hölzchen aufs Stöckchen kam und ohne Punkt und Komma seine großen und kleinen Storys und Erkenntnisse vortrug, verlor er nie die begonnene Geschichte aus den Augen und kehrte immer zum Ausgangspunkt eines einmal begonnenen Zusammenhangs zurück.

Manchmal brachte er Sätze und Gedanken auch nicht zu Ende, sondern überließ dem Publikum die Pointe. Und immer wurden seine anekdotischen oder gar wissenschaftlichen Ausflüge begleitet von einer äußerst beweglichen Körpersprache. Er betätigte sich auch als Imitator vergangener großer Humoristen, so etwa mit „Mein Feuerzeug“ von Hans Moser, was beim Publikum für besonders große Heiterkeit sorgte.

Beikircher wurde natürlich nach lang anhaltendem Beifall auch nicht ohne Zugabe von der Bühne gelassen. Dabei redete er über den Unterschied zwischen Redensarten und Witzen, von denen er einige — vorwiegend über Tünnes und Schäl — zum Besten gab. Und er betonte dabei auch, dass die wahren Witze aus der Mitte des Volkes kämen.

(hl)
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