Heinsberg/Gangelt: Kommunionkinder und Mutter Gottes: Neue Heimatkunde von Karl Beumers

Heinsberg/Gangelt : Kommunionkinder und Mutter Gottes: Neue Heimatkunde von Karl Beumers

„Birgdener Betkreuz und Geschichten“ heißt das inzwischen achte heimatkundliche Buch, das der in Gangelt-Birgden geborene und in Heinsberg-Kirchhoven lebende Autor Karl Beumers verfasst hat. Am Sonntag, 2. September, stellt er es ab 16 Uhr im Bürgerhaus Birgden (ehemaliges Schulgebäude) vor. Der Eintritt ist frei.

Dieses Buch setze den im Jahre 2013 mit dem Buch „Warum“ begonnenen Rückblick auf die Geschichte seines Heimatortes Birgden fort und schließe diesen ab, erklärt Beumers zu seinem neuen Werk. „Selbstverständlich habe ich wieder Zeitzeugen befragt, die mir ihre Erinnerungen aus den Kriegsjahren, ihrer Evakuierung und der frühen Nachkriegszeit erzählten“, sagt er. Mehr als 20 Zeitzeugen kommen dieses Mal zu Wort.

Wunderbare Erscheinung

Der Schwerpunkt der Erzählungen habe sich bei den meisten seiner Interviews um das Betkreuz gedreht, das seit mehr als 220 Jahren von frommen Betern besucht werde. Die Erinnerungen an die wunderbare Erscheinung vom 15. April 1798, als sieben Kommunionkinder am Birgdener Betkreuz eine Heiligenprozession und die Muttergottes am Himmel gesehen hätten, sei Bestandteil seines neuen Buches, so Beumers.

In einer Gesprächsrunde, geleitet von der Journalistin Anna Petra Thomas, die auch Vorsitzende des Heimatvereins der Heinsberger Lande ist, erzählt Hugo Pils aus Birgden über seine Erlebnisse im Krieg und in der Evakuierung. Pils ist unter anderem Augenzeuge des Flugzeugabsturzes kurz vor Waldenrath am 14. Oktober 1943 und des Fliegerangriffs auf die Selfkantbahn in Schierwaldenrath am 3. September 1944.

Regina Mertens, die ebenfalls aus Birgden kommt, berichtet eindrucksvoll über die Flucht mit ihrer Familie aus ihrer Heimatstadt Elbing in Ostpreußen im Januar 1944. Sie selbst war damals erst zwei Jahre alt, weiß aber sehr viel aus den Erzählungen ihrer Eltern und Geschwister. „Hunderte tote Menschen lagen an den Straßenrändern, Männer, Frauen und Kinder“, sagt sie und ergänzt: „Wir mussten uns einen Weg durch das liegengebliebene Gepäck der Toten bahnen.“

Menschen zurückgelassen

Weiter ging die Flucht von Danzig aus mit dem Schiff „Tanger“, das völlig überfüllt viele Menschen habe zurücklassen müssen. „Dieses Schreien und Weinen der zurückgebliebenen Menschen kann ich bis heute nicht vergessen“, erklärt Mertens. Nicht minder eindrucksvoll erzählt sie von ihrer Kindheit und Jugend in Altenhundem im Sauerland, wo sie und ihre Familie als Flüchtlinge vielen Demütigungen der einheimischen Bevölkerung ausgesetzt waren.

Nach Birgden kam sie, als sie während eines Besuchs bei ihrer Tante ihren Mann Hans-Josef kennenlernte. Auch heute noch sei es wichtig, Kindern und Kindeskindern von den Strapazen und dem unsäglichen Leid der Flüchtlinge zu erzählen. „Man kann die Zeit nicht wegwischen, sie war da“, sagt sie. „Wie viele Menschen haben das gleiche Schicksal erlitten und erleiden es noch heute.“

Musikalisch begleitet wird die Buchpräsentation im Bürgerhaus von Liedersänger Christoph Esser aus Birgden.

Erhältlich ist das neue, 220 Seiten starke Werk im Format DIN A4 ab Montag, 3. September, in den Buchhandlungen Gollenstede in Heinsberg, Mesche in Birgden sowie beim Autor selbst.