„Kein Fehler bei Umbettung“: Knochen beim Immerather Friedhof, die Ermittlungen auslösen

„Kein Fehler bei Umbettung“ : Knochen beim Immerather Friedhof, die Ermittlungen auslösen

In Immerath (alt) gibt es längst keine Kirche mehr, die Umbettung des Friedhofs ist aber noch nicht ganz abgeschlossen, acht Gräber gibt es noch. Am Sonntagnachmittag war ein Paar im inzwischen verlassenen Ort unterwegs und hat die Polizei angerufen, um den Beamten mitzuteilen, dass es Knochen gefunden habe. Woher die stammen, ist bislang noch nicht geklärt.

Einer der Finder stellte ein Bild eines Knochens in den Sozialen Netzwerken online. Ungefähr zeitgleich ermittelte die Polizei und schickte den Bereitschaftsdienst des Ordnungsamtes zum Fundort, einem Weg am Immerather Friedhof. Schon am Sonntagabend gaben die Beamten den Fall an die Stadt Erkelenz weiter, da sie zunächst keine Indizien für eine Straftat finden konnten.

Am Montagmorgen übernahm das städtische Friedhofsamt. Bürgermeister Peter Jansen spricht von einem „standardisierten Verfahren“: Rund um den Immerather Dom finden seit Wochen archäologische Ausgrabungen statt. Immer wieder, sagt er, seien dabei in jüngster Vergangenheit auch „eine Vielzahl an Knochen“ gefunden worden – schließlich sei früher oft direkt neben den Kirchen beerdigt worden. Die Areale, an denen die Ausgrabungen stattfinden, seien längst Betriebsgelände von RWE, sagt Jansen, und die seien eingezäunt.

Nicht zum standardisierten Verfahren gehört, dass die Polizei die Knochen vom Sonntag für weitere Untersuchungen in ihre Obhut genommen hat. Man müsse feststellen, ob sie einem Menschen gehört haben und ob man vielleicht sogar das Alter der Knochen bestimmen könnte, teilt die Pressestelle der Polizei Heinsberg auf Anfrage mit. Wenn sich herausstellen sollte, dass es sich um „archäologisches Material“ handelt, gehen die Knochen zurück an jenen Betrieb, der die Funde aus den derzeitigen Ausgrabungen sammelt und später an einem anderen Ort wieder beisetzt.

 Seit 2013 wird in Immerath (alt) nicht mehr beerdigt, die Umbettung ist in Zyklen verlaufen. Mehrere hundert davon habe es gegeben, sagt Jansen. Der Friedhof sei rechtlich bereits von der RWE übernommen, jedoch mit der Verpflichtung, dass er weiterbetrieben wird, bis der letzte Tote umgebettet ist, sagt Jansen. Die letzten acht Gräber sollen im kommenden Herbst verlegt werden, danach wird der Friedhof entwidmet. Bei jeder dieser Umbettungen sei neben der Fachfirma, die von der RWE damit beauftragt worden ist, ein Mitarbeiter des Friedhofsamtes mit dabei. Ebenso dürften Angehörige dabei sein. Die letzte Umbettung sei schon eine Weile her, sie war im Herbst 2018, sagt Jansen.

RWE nimmt Stellung

Der Finder schreibt in den Sozialen Netzwerken, dass er davon ausgeht, dass der Knochenfund in Verbindung mit einer unsachgemäßen Umbettung steht. RWE hat dazu bereits Stellung genommen und schreibt: „Nach unserer Einschätzung ist es nahezu ausgeschlossen, dass das gezeigte Schädelfragment von einer Umbettung stammt.“ Grund sei, dass Umbettungen stets mit „großer Sensibilität“ vorgenommen würden.  Zum anderen sei der Zustand des Schädelknochens für Gebeine aus einem Erdgrab untypisch und deute eher auf einen archäologischen Hintergrund hin. Und: Der Bereich, in dem die archäologischen Arbeiten derzeit stattfinden, sei gekennzeichnet und eingezäunt, „aber nicht unerreichbar“. Auf Anfrage weist der Konzern zudem ausdrücklich darauf hin, dass die beiden Finder sich in den Sozialen Netzwerken „klar als Gegner von RWE“ und als „Aktivisten“, beispielsweise im Hambacher Forst, positionieren.

Bürgermeister Peter Jansen sagt, es seien noch nie Knochen nach Umbettungen gefunden worden. Auch im Fall des Immerather Friedhofs hätten „alle, die dabei waren“ versichert, dass nichts Ungewöhnliches aufgefallen sei und mit der üblichen Sorgfalt umgebettet worden sei.

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