Klavierabend mit Sohyn Park im Vincentiushaus

Klavierabend mit Sohyn Park : Musikalische Schönheit in Vollendung

Die südkoreanische Pianistin Sohyn Park nahm bei ihrem Meisterkurs-Konzert im Musiksaal des Vincentiushauses in Beeck ihr Publikum mit auf eine hörenswerte Reise. Mit viel Fingerspitzengefühl, Brillanz und Virtuosität interpretierte sie Werke von Debussy, Goss, Prokofjew und Busoni von musikalischer Schönheit geradezu in Vollendung.

Ihr gelang mit feinem Farbenspiel das Spektrum seelischer Empfindungen in eine ausgewogene Form zu bannen, sie spürte den Tönen nach, verschmolz mit ihrem Instrument, um dann förmlich im fordernden Einklang von unglaublich berauschender Virtuosität zu explodieren.

Sohyn Park eröffnete den Klavierabend mit Preludes II Satz 10 „Canope“, 11 „Les tierces alternes“ und 12 „Feux dártifices“ von Claude Debussy (1862-19189). Die Preludes haben, so schrieb Heinrich Strobel in seiner Debussy-Biographie, mehr als irgendein anderes Werk die Ansicht bestärkt, dass Debussy impressionistische Musik geschrieben hat. Nicht die Farbe, sondern die klangliche Konstruktion, die Melodik und die Rhythmik bestimmen ihre Gestalt. Was der Komponist selbst den jungen Pianisten sagte, die seine Musik spielen wollten, steht gleichsam als Motto über der gesamten pianistischen Alchemie der Preludes: „Vor allem muss man vergessen, dass das Klavier Hämmer hat.“

Bei den zwei Zwischenspielen des Komponisten Stephan Goss (*1964) bestach besonders die Anschlagstärke der Solistin, Akkorde betreffend, feinste Facetten herausarbeitend, eingebettet in sanfte Lyrik ausufernd, trotzdem aber ein untrennbares Ganzes bildend. Dabei legte die junge Künstlerin ihr Hauptaugenmerk nicht primär auf Virtuosität, sondern mehr auf gefühlvollen Ausdruck.

Sergei Prokofjews (1891-1953) Ballettmusik „Romeo und Julia“ ist gespickt mit höchsten pianistischen Schwierigkeiten, die Sohyn Park so perfekt meisterte, als handelte es sich um einfache Klavierübungen. Welch Können ist hier erforderlich, um diese Klippen mit solch einer Selbstverständlichkeit zu meistern?

Doch es wäre absolut einseitig, die pianistische Kunst Parks auf das Technische zu beschränken, noch viel höheren Stellenwert hatte die musikalisch schlüssige, bis ins Detail durchdachte Interpretation der gesamten Werke, verbunden mit brillantem und höchst feinsinnigen Anschlag, der auch insgesamt diesem Klavierabend ein Spannungsfeld zwischen lyrischen Elementen und unbändiger Expressivität verlieh. Bezaubernd schön dann die Klaviertranskriptionen aus der Carmen Fantasy von Ferruccio Busoni (1866-1924).

Die enormen technischen Anforderungen meisterte die Künstlerin scheinbar spielerisch mit Bravour, besonders gefiel die Interpretation des bekannten Carmen-Motivs – sinnlich und klangschön, einfach fantastisch, wie sie die Fähigkeit beherrscht, Melodiebögen in ihrem Zusammenhang zu erfassen.

Mit einer Zugabe verabschiedete sich Sohyun Park von ihrem begeistert applaudierenden Publikum. Wieder einmal mehr hatte der Kulturförderkreis Opus 512 e.V. bei der Künstlerauswahl eine glückliche Hand bewiesen, ganz getreu nach seinem Motto „Einfach gute Musik...“

Denn Kulturerlebnisse wie dieser Klavierabend bereichern das Leben.

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