Klassik im Rondell Heinsberg: Konzert mit Severin von Eckardstein

Konzertreihe „Klassik im Rondell“ : Ausnahmepianist Severin von Eckardstein begeistert beim Klavierabend

Vor ganz besonders aufmerksamen Zuhörern hat der mit den meisten international renommierten Preisen ausgezeichnete Pianist Severin von Eckardstein im Rondell der Jugendmusikschule in Heinsberg auf dem Steinway-Flügel konzertiert.

Bereits zum zweiten Mal (nach 2016) konnte man den sympathischen und charismatischen Pianisten von Weltrang in Heinsberg erleben. Schulleiter Theo Krings war sichtlich erfreut darüber, dass sich so kurzfristig die Gelegenheit zu diesem musikalischen Leckerbissen ergab.

Dankbar äußerte er sich auch über die breite Unterstützung, die es ermöglichte, dass sich eine so außergewöhnliche Künstlerpersönlichkeit wie Severin von Eckardstein die Ehre gibt, ein Konzert im Rahmen der Reihe „Klassik im Rondell“ auf dem Steinway-Flügel zu geben. Den ersten Programmteil bestritt der Meisterpianist ausschließlich mit Franz Schuberts großer Sonate G-Dur (D894).

In einer Werkbeschreibung heißt es: Die Auseinandersetzung mit der Klaviersonate verlangt nach pianistischer Hochleistung, um Zerrissenheit, Schroffheit und die emotionale Spannweite Franz Schuberts greifbar zu machen. Der dritte Satz unterscheidet sich dabei wesentlich von den anderen. Während der erste, zweite und vierte Satz in einer eigenen Welt schweben, schuf Schubert im dritten Satz der Klaviersonate einen starken, erdverbundenen Klang.

Der rhythmische Wechsel in der Dur-Tonart inmitten des dritten Satzes suggeriert einen Übergang in eine reale und sachliche Welt voller schmerzlicher Zerbrechlichkeit. Dies stellt einen Pianisten vor große interpretatorische Herausforderung.

Der zweite Konzertteil begann mit Johannes Brahms Rhapsodie op 119/4 und „Le courlis cendre“ (Brachvogel) aus Olivier Messiaens „Catalogue d’oiseaux“. Vier Etüden aus Franz Liszts „Etudes d’execution transcendante“ beschlossen das Konzert. Mit diesen Stücken hat Liszt die Klavierkunst auf einmalige Weise geprägt. Ihm, den man auch den Paganini des Klaviers nannte, lag besonders viel daran, das Publikum mit seinen Kunststücken von den Stühlen zu reißen.

Die Stücke sind gespickt mit halsbrecherischen Läufen und schnellen und großen Akkordsprüngen. Für die meisten Pianisten liegen die Etüden in unerreichbarer Ferne. Noch heute setzen sie eine Virtuosität und Meisterschaft voraus, die nur wenigen vergönnt ist. Der Düsseldorfer Pianist Severin von Eckardstein ist einer der wenigen, der die Eigenschaften faszinierend beherrscht.

Er zählt zu den bedeutendsten deutschen Pianisten seiner Generation und ist mit Solo-und Orchesterkonzerten auf vielen großen Podien der Welt zu Hause. Der Preisträger des „Grand Prix International Reine Elisabeth in Brüssel“ (2003) gab viel beachtete und hoch gelobte Konzerte beispielsweise in Berlin, München, Madrid, Moskau, London, Paris, New York, Amsterdam, Trondheim, Budapest, Hong-Kong, Tokio und Seoul.

Debuts in Budapest und New York

Er gastierte mit Dirigenten wie Valery Gergiev, Philippe Herreweghe, Lothar Zagrosek und Marek Janowski und gab wichtige Debuts wie z.B. mit dem Royal Concertgebouw Orchestra unter Paavo Järvi und dem Dallas Symphony Orchestra mit Jaap van Zweden am Pult. In 2017 debütierte er mit der ungarischen Nationalphilharmonie in Budapest. 2018 war er unter anderem beim Klavier Festival Ruhr sowie bei den „Raritäten der Klaviermusik“ in Husum zu hören und debütierte mit zwei verschiedenen Rezitalen im Thompson Art Center in New York.

Nach seinem Studium bei Frau Prof. Kämmerling und zuletzt Prof. Hellwig in Berlin, wo er auch sein Konzertexamen ablegte, suchte von Eckardstein weitere Anregungen in zusätzlichen Studien an der International Piano Academy Lake Como, erhielt Privatunterricht u.a. von Alfred Brendel und nahm an zahlreichen Meisterkursen teil. Er selbst erteilte Meisterkurse u.a. in Südkorea, Finnland, Belgien und an der UdK Berlin.

Auch die Kammermusik genießt in seinem Repertoire einen wichtigen Stellenwert. Zusammen mit Franziska Hölscher hat er die Kammermusikreihe „Klangbrücken“ im Berliner Konzerthaus gegründet. Seine CD Aufnahmen u.a. mit Werken von Schubert, Skrjabin, Medtner, Wagner und Schumann sind auf großes Interesse gestoßen. 2018 ist eine CD mit Werken von Debussy und Depont erschienen.

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