Kinder im Kreis Heinsberg bauen Luftbrücken für Bienen

Naturschutzaktion : Kinder im Kreis Heinsberg bauen Luftbrücken für Bienen

Wenn Grundschüler restlos begeistert sind vom Einmaleins, dann hat das – wie sich bereits erahnen lässt – nicht zwingend etwas mit Mathe und rechnen zu tun. Zumindest nicht, wenn es um die  Naturschutzaktion „Bienen Einmaleins“ geht.

Dass eine rund 60-köpfige Abordnung von Schülern mit Eltern und Lehrern verschiedener Schulen zum Bewerben der Aktion dennoch genau dorthin gekommen ist, wo sich eigentlich alles um nackte Zahlen dreht, nämlich in die Kreissparkasse Heinsberg, hat einen guten Grund. Das Geldinstitut unterstützt die Kinder als Sponsor bei ihrem Herzensprojekt.

Denn damit die Gleichung der Kinder aufgeht, brauchen sie Geld, Platz und die Gabe, andere Menschen zu begeistern. Die Formel dieses Einmaleins ist folgende: Die Kinder schaffen im heimischen Garten Platz  – exakt ein mal ein Meter. Auf diesem „Einmaleins“ großen Platz wird mit dem Einsäen einer Blumenwiese ein Lebensraum und Garten für Bienen und andere Insekten geschaffen.

Und weil es derzeit vor allem die Jungen sind, die an verschiedenen Fronten für den Erhalt der Umwelt und unseres Ökosystems kämpfen, agieren auch hier die Kinder als Vorbilder, die darüber hinaus noch andere Menschen animieren. Denn die Kinder machen sich auf den Weg durch den Ort und verteilten  in der Nachbarschaft kleine Tütchen mit Saatgut, das exakt für einen Quadratmeter Blumenwiese reicht. Und wollen so Garten für Garten kleine Luftbrücken für die Flieger schaffen.

Kleine Hände können viel bewirken: Die Kinder wollen mit der Aktion nicht nur eine Insektenwiese pflanzen, sondern auch eine Haltung. Foto: Nicola Gottfroh

Während den Quadratmeter Platz im Garten jeder selbst schaffen muss, verteilen die Kinder das Saatgut kostenlos. Die Kreissparkasse Heinsberg übernimmt die Kosten für den Samen. Denn: „Ihr Kinder seid manchmal viel weiser und klüger als viele Erwachsene und zeigt uns, wo es lang geht“, lobte KSK-Vorstandsmitglied Marie-Theres Jakobs-Bolten die Kinder. Und sie versprach, dass auch alle 600 Mitarbeiter der KSK ein Tütchen zum Einpflanzen bekommen.

Die Rechnung der Kinder ist bereits aufgegangen. Die 254 Grundschulkinder der Westzipfelschule und der Astrid-Lindgren-Schule im Selfkant, die die Aktion 2017 ins Leben gerufen haben, konnten im Frühjahr des vergangenen Jahres mehr als 980 Haushalte für das Bienen Einmaleins begeistern.

„Fast 1000 Familien haben das kostenlose Saatgut angenommen und per Unterschrift versichert, einen Insektengarten anzulegen“, versichert Andrea Reh, Leiterin der Westzipfelschule, die gemeinsam mit Anja Schmitz das Projekt initiiert hat. Auf diese Weise wurden im vergangenen Jahr mindestens 980 Quadratmeter Extra-Lebensraum für Bienen geschaffen. Dieser Einsatz blieb nicht unbemerkt: die Aktion ist im vergangenen Jahr mit dem Umweltpreis des Bistums Aachen ausgezeichnet worden.

Auf dem Erreichten wollten sich die Kinder und Initiatoren der Aktion aber nicht ausruhen – stattdessen setzten sie sich das Ziel, die Aktion auszuweiten, was ihnen gelungen ist: Für das aktuelle Frühjahr haben sich neben den Grundschulen im Selfkant 23 weitere Einrichtungen – davon 14 Schulen und Kindergärten aus dem Kreis Heinsberg – angeschlossen. 2335 Kinder aus den insgesamt 25 Einrichtungen werden ab dem 28. März mit ihrer Verteil-Tour starten, den Großen einen Anstoß zum Umdenken in Bezug auf den Umgang mit den Lebensräumen für Bienen und andere Insekten geben.

„Bis zu 10.000 Familien können diesmal erreicht werden“, sagt Andrea Reh und betont: „Das ist eine echte Chance auf mehr Lebensraum für Bienen und eine tolle Gelegenheit, sich für die Umwelt zu engagieren“. Sie ist überzeugt: Die Kinder pflanzen damit nicht nur einen Garten, sondern eine Haltung.“

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