Waldfeucht: Keine Wohngebiete auf Sportplätzen

Waldfeucht: Keine Wohngebiete auf Sportplätzen

Die Gemeindeverwaltung und die Mehrheit im Bau- und Planungsausschuss sehen momentan keine Notwendigkeit, über die bereits initiierten Neubaugebiete hinaus Wohnraum zu schaffen. Ein dahingehender Antrag der FDP-Fraktion wurde abgelehnt.

Die Liberalen wollen weitere Baugebiete in der Gemeinde entwickeln; zu diesem Zweck sollen unter anderem die gemeindeeigenen Sportplätze in Bocket und Waldfeucht zu Bauland gemacht werden, stattdessen soll ein Sportzen-trum zwischen Bocket und Waldfeucht entstehen.

Keine „Alibi“-Planung

Die Verwaltung wies darauf hin, dass man das gesamte Gemeindegebiet auf Wohnraum-Bedarf hin untersucht habe. Auf dem Ergebnis gründe auch der Ratsbeschluss vom März, in Waldfeucht, Brüggelchen und Braunsrath neue Baugebiete auszuweisen. In Haaren, Obspringen und Bocket werde der Bedarf an Grundstücken durch die relativ jungen Baugebiete gedeckt. Darüber hinaus wurden für Haaren (Haarener Feld West sowie Ost) zwei weitere Bebauungspläne aufgestellt.

Das Umlegungsverfahren, so Bürgermeister Heinz-Josef Schrammen, gestalte sich positiv: „Mit allen Anliegern wurde Einvernehmen erzielt.“ Eine darüber hinausgehende großzügige „vorsorgliche“ Ausweisung von Bebauungsplangebieten, wie die FDP im Antrag anregt, würde nach Einschätzung der Verwaltung die Bezirksregierung nicht mittragen. Eine bloße „Alibi“-Planung, so der Fachbegriff, würde der städtebaulichen Intention des Baugesetzbuches zuwiderlaufen.

Die Liberalen hatten unter anderem deshalb einen Grund zum Handeln gesehen, weil der ursprüngliche Entwurf des Landesentwicklungsplanes NRW vorsah, in Dörfern mit weniger als 2000 Einwohnern zukünftig keine neuen Baugebiete mehr entwickeln zu können. Inzwischen, nach dem Düsseldorfer Kabinettsbeschluss vom April, wurde der Entwurf jedoch so geändert, dass für die kleineren Orte eine Ausweisung von neuem Bauland doch noch möglich ist. Vor diesem Hintergrund, erläuterte die Verwaltung, ziele der Antrag der FDP ins Leere.

Auch die Idee der FDP, die Sportplätze Bocket und Waldfeucht zugunsten von neuem Bauland aufzugeben und ein neues Sportzen-trum zu errichten, stieß folglich bei Verwaltung und Ausschussmehrheit auf wenig Gegenliebe. Bürgermeister Schrammen machte deutlich, dass die Gemeinde an beiden Sportstätten festhält: „Damit sind wir derzeit gut aufgestellt.“ Nicht zuletzt aufgrund des sich auch in der Gemeinde Waldfeucht vollziehenden demografischen Wandels zeichne sich ein eher rückläufiger Bedarf ab. Man solle abwarten, wie sich die Sportvereinswelt in der Gemeinde in den kommenden Jahren weiterentwickle. Ein solches Vorhaben sei auch haushaltsrechtlich nicht darstellbar.

Norbert Tholen (FDP) warb für den Antrag seiner Fraktion: „Mit den Einnahmen aus den Baugrundstücken auf den Sportplätzen können wir ein neues Sportzentrum finanzieren.“ Außerdem biete die Erschließung die Chance, Raum für barrierefreies sowie betreutes Wohnen zu schaffen. „Das gibt es bislang in der Gemeinde so noch nicht. Hier gibt es lediglich Altenheime.“ Aus Reihen der CDU kam Kritik: „Wenn schon, dann müssen wir die Senioren im Dorf und nicht auf der Grünen Wiese unterbringen.“ Die Ortskerne dürften nicht veröden, deshalb sollte leerstehender Raum — etwa alte Bauernhöfe — umgebaut werden, auch für betreutes Wohnen.

Der Bau- und Planungsausschuss sprach sich des Weiteren für die Erarbeitung eines interkommunalen städtebaulichen Handlungskonzeptes für die Gemeinden Gangelt, Selfkant und Waldfeucht sowie die Stadt Heinsberg und für den zu stellenden Förderantrag aus. Im Rahmen dieses Programms, das von Bund und Land NRW im Zuge der Städtebauförderung gestartet wurde, sollen beispielsweise die Verbesserung der Infrastruktur, die Dorferneuerung und energetische Anstrengungen kommunaler Verbünde gefördert werden — bis zu 80 Prozent.

Auch die Erstellung eines solchen Handlungskonzeptes wird gefördert. Die Kosten für das Konzept, das Heinsberg, Gangelt, Selfkant und Waldfeucht vorlegen möchten, werden mit 29.000 Euro angesetzt. Nach Absprache der vier Bürgermeister verteilt sich der Eigenanteil je zur Hälfte auf die Stadt Heinsberg und die drei Westgemeinden. Da Waldfeucht derzeit keine konkrete Einzelmaßnahme einbringt, haben sich die Bürgermeister der drei Westgemeinden darauf verständigt, dass Waldfeucht sich zwar weiterhin am interkommunalen Verbund beteiligt, aber keine Kosten zu tragen hat.

Die Pläne der Gemeinde, den Radweg bis hin zum Edeka entlang der K5 zu schließen, gestalten sich gegenwärtig nicht erfolgversprechend. Schrammen teilte mit, dass die Verhandlungen mit den Anliegern über den nötigen Grunderwerb bislang negativ verlaufen seien und Alternativen sehr viel Geld kosten würden.

(dawin)
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