Heinsberg-Dremmen: Katzenfreundin fällt nicht auf Abzocke herein

Heinsberg-Dremmen : Katzenfreundin fällt nicht auf Abzocke herein

Der Teufel steckte — wie so oft — im Kleingedruckten. Doch diesmal sollte seine kriminelle Energie verpuffen wie ein Katzenpfurz. Denn die Firma GWE GmbH aus Düsseldorf, Betreiber der „Gewerbeauskunft-Zentrale.de“, die schon seit rund zwei Jahren in einer gesetzlichen Grauzone ihr Unwesen treibt und Gewerbebetriebe im großen Stil in eine Abo-Falle lockt, lief bei der Dremmener Katzenzüchterin Brigitte Comans mit ihren Machenschaften ins Leere.

Anfang letzten Jahres hatte die Dremmenerin mit ihrem Mann bei der Stadt Heinsberg ein Gewerbe angemeldet. „Weil wir mehr als fünf Zuchtkatzen haben, musste das beim Gewerbeamt und beim Finanzamt angezeigt werden“, erzählt Comans. „Vor dem Finanzamt gilt unsere Zucht allerdings noch als Hobbyzucht, weil die Verluste höher sind als die Gewinne.“ Für die Katzenliebhaberin steht der ökonomische Gedanke da ohnehin nicht an erster Stelle, sondern das Wohlergehen ihrer Vierbeiner.

Damit hatte die GWE hingegen nichts im Sinn. Sie interessierte sich ausschließlich für die wirtschaftlichen Belange — und zwar vornehmlich die eigenen. Mitte Oktober flatterte Comans denn auch ein Schreiben der „Gewerbeauskunft-Zentrale“ ins Haus. Es diene der „Erfassung gewerblicher Einträge“, war darauf zu lesen. „Ich dachte zunächst, ok, das ist wohl wieder ein Schreiben von der Industrie- und Handelskammer.“ Nach der Gewerbeanmeldung fand die Dremmenerin schließlich häufiger Werbung der IHK in der Post. Vor allem im Hinblick auf Fortbildungsmöglichkeiten oder Seminare. Auch wurde auf diesem Weg die Möglichkeit offeriert, die eigene Homepage www.vondenFalcors.de noch einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.

Wortwahl und optischer Aufbau des nun erhaltenen Schriftstückes erinnerten in ähnlicher Form an ein amtliches Formular. „Ich habe mir dann das Schreiben angeschaut und gesucht, bis zu welchem Termin ich es zurücksenden müsse.“ Dass die Katzenzüchterin jedoch die stattliche Summe von 569,06 Euro für einen Eintrag ihres Gewerbebetriebes ins Zentralregister berappen sollte, „machte mich stutzig, weil ich nicht glauben konnte, dass die IHK einen solchen Betrag fordern würde, da ich ja schon eingetragen war. Außerdem fand ich keinen Ansprechpartner mit einer Telefonnummer, wie ich das von amtlichen Schreiben gewöhnt bin“.

Wer jedoch glaubt, dass damit bereits der Versuch, wieder einmal einen Gewerbetreibenden mit der unseriösen Masche in eine Abo-Falle zu locken, geplatzt gewesen sei, freut sich zu früh. „Ich habe immer noch geglaubt, dass es ein amtliches Schreiben ist, habe aber nichts unterschrieben und auch nichts zurückgeschickt, sondern das Schreiben einfach nur abgeheftet“, sagt Comans.

Was nun folgte, zeugte von immenser Dreistigkeit. Statt den missglückten Versuch abzuhaken, mit einer dürftigen Leistung und dem Vorspielen falscher Tatsachen mächtig Kasse zu machen, schickte die „Gewerbeauskunft-Zentrale“ drei Wochen später ein Erinnerungsschreiben mit dem mahnend wirkenden, fett unterstrichenen Zusatz: Schreiben ist Ihnen schon am 15.10.2012 zugesandt worden! Wieder war jedoch kein Ansprechpartner zu entdecken. „Da habe ich gedacht, frag doch mal die Tante Google um Rat“, lächelt Brigitte Comans verschmitzt.

Was die „Tante“ ihr dann verriet, sprengte beinahe ihre Vorstellungskraft. „Die Gewerbeauskunft-Zentrale selbst finden sie nicht im Internet, zumindest habe ich sie nicht gefunden, und ich habe lange gesucht. Wohl aber fand ich unzählige Negativeinträge.“ Darunter befand sich auch ein Musterbrief, mit dem es allen durch die GWE Gebeutelten erleichtert werden sollte, bei der Staatsanwaltschaft in Düsseldorf Anzeige zu erstatten. Bemerkenswert: Schon vor zwei Jahren war im Sat-1-Format „Akte 20.10“ vor den Praktiken der „Gewerbeauskunft-Zentrale“ in einem Filmbeitrag gewarnt worden. Doch seitdem war offenbar nichts geschehen, um den Initiatoren das Handwerk zu legen.

Staatsanwalt Ralf Herrenbrück aus Düsseldorf ist bestens im Thema und nennt die Gründe: „Die Formschreiben sind zwar zur Täuschung geeignet, aber es waren alle Hinweise enthalten, die von der Rechtsprechung verlangt worden sind. Deshalb sind die Verfahren zunächst eingestellt worden.“ Zunächst wohlgemerkt, denn mittlerweile hat sich eine neue Rechtslage ergeben. Vor einer Handelskammer hatte nämlich ein Betroffener wegen täuschender Werbung geklagt und Recht erhalten. Nach dieser Entscheidung habe die GWE trotzdem unbeirrt ihr Geschäft auf gleiche Art weiterbetrieben. „Daraufhin sind die Ermittlungen wieder aufgenommen worden“, sagt Herrenbrück. Denn nun könnten sich die Betreiber nicht mehr damit herausreden, gutgläubig gehandelt zu haben. Über 500 Anzeigen lägen derzeit bei der Staatsanwaltschaft Düsseldorf auf dem Tisch. Eine weitere von Brigitte Comans aus Dremmen soll hinzu kommen.