Hückelhoven: Katzenbesitzer sollen ihre Tiere freiwillig kastrieren

Hückelhoven: Katzenbesitzer sollen ihre Tiere freiwillig kastrieren

Katzen sind ausgesprochen „fortpflanzungsungsaktive“ Wesen, die sich im Freien recht unkontrolliert vermehren. Das geht so nicht weiter, findet eine Anwohnerin der van-Werth-Straße in Hückelhoven: Sie hat einen Bürgerantrag auf die Einführung einer „Katzenschutzverordnung“ im Stadtgebiet gestellt.

Nur durch den Erlass einer solchen Verfügung in Anlehnung an die Hundeschutzverordnung mit einem zusätzlichen Kastrations- und Kennzeichnungsgebot für freigängige Katzen, glaubt sie, könne „ein ständiger Zustrom unkastrierter, später verwilderter oder nur in lockerer Verbindung zum Menschen lebender Katzen wirksam vermindert werden“. Dieser Antrag beschäftigte jetzt die Damen und Herren Politiker.

Im Haupt- und Finanzausschuss wurde die Forderung nach einer ordnungsbehördlichen Verordnung — die von Tierschutzvereinen übrigens seit vielen Jahren gefordert wird und die die Hückelhovenerin jetzt zum Antrag gemacht hatte — der Frage gegenübergestellt, ob für eine solche Kastrations- und Kennzeichnungspflicht überhaupt ausreichend rechtliche Grundlagen zur Verfügung stünden. Und wenn ja: Wie die politisch zu handhaben sind.

Für die Stadtverordneten ging es also um die Frage: Dürfen wir als Politiker so tief in die Privatsphäre der Bürger eingreifen, dass wir eine solche Verfügung erlassen können? Um es vorweg zu nehmen: Die Politiker in Hückelhoven sagten: „Nein, können wir nicht.“ Sie entschieden sich dabei anders als die Kollegen etwa in Paderborn, wo er Stadtrat im Jahr 2008 eine solche ordnungsbehördliche Verfügung erlassen hatte.

Hätte man dem Bürgerantrag zugestimmt, wären Katzenhalter, die ihren kleinen Vierbeinern freien Auslauf gewähren, unter anderen dazu verpflichtet worden, ihre Mieze vor Vollendung des fünften Lebensmonats von einem Veterinär unfruchtbar machen und sie beispielsweise durch einen Microchip/Transponder registrieren zu lassen. Nur so lasse sich, so argumentierte die Antragstellerin, verhindern, dass sich freigängige Katzen unkontrolliert vermehren und in der Folge zunehmend verwilderte und unkastrierte Katzen im Stadtgebiet Hückelhoven umherstreifen.

Um die für die Stadt Hückelhoven beantragten Regelungen ohne die Ermächtigung durch den Kreis Heinsberg in einer ordnungsbehördlichen Verordnung regeln zu können, so die Argumentation der Verwaltung, bedürfe es einer „abstrakten Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung, die von nicht kastrierten und nicht gekennzeichneten Freigängerkatzen ausgeht“. Eine solche „abstrakte Gefahr“ sei „nicht erkennbar“.

Überdies: „Die Kastration von Katzen ist für eine artgerechte Tierhaltung nach den Vorgaben des Tierschutzgesetzes weder erforderlich noch verpflichtend vorgeschrieben, sondern lediglich zulässig.“ Im Übrigen seien im Stadtgebiet Hückelhoven, so die Beobachtung der Verwaltung, „keine nennenswerte Bereiche bekannt, in denen sich vernachlässigte oder streunende Katzen in einer hohen Anzahl aufhalten“.

Nach Ansicht der Verwaltung, der sich die Politiker anschlossen, könne nur an die Katzenhalter appelliert werden, „zur Vermeidung der Entstehung wilder Katzenpopulationen, die unbestritten zu einer erheblichen Belastung für Tierheime führen können, eine Kastration auf freiwilliger Basis durchzuführen“. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Heinz-Josef Kreutzer formulierte seine Ablehnung so: „Der Antrag hat honorige Gründe. Eine Zustimmung aber wäre ein schwerwiegender Eingriff in die Persönlichkeitsrechte der Katzenhalter.“ Eine Ablehnung des Bürgerantrages auf Samtpfoten sozusagen...

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