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Wassenberg: Karl Lieck bekommt den Rheinlandtaler für sein Engagement

Wassenberg : Karl Lieck bekommt den Rheinlandtaler für sein Engagement

Am Ende singt Karl Lieck natürlich ein Lied. So wie die Wassenberger es von ihm kennen, heiter, beschwingt und natürlich auf Platt. In dem Lied geht es um seine Kindheit, um die Kirmes, einen Zeppelin und ein stilles Örtchen mit einem Herzen in der Tür.

Aus dem Text spricht Karl Liecks, 86 Jahre, Liebe zu seiner Heimat. Diese Liebesbeziehung beginnt in seiner Kindheit und hat nichts von ihrer Leidenschaft verloren.

Karl Lieck bekommt an diesem Nachmittag den Rheinlandtaler, eine hohe Auszeichnung des Landschaftsverbandes für Menschen, die sich um die Kultur im Rheinland verdient gemacht haben. Vorher hatte Lieck gesagt, dass ihm diese Auszeichnung fast noch mehr bedeute als das Bundesverdienstkreuz, das er im Jahr 2013 bekommen hatte. Lieck ist an diesem Tag tief bewegt.

Wie sehr Lieck sich freut, wird deutlich, als er den Rheinlandtaler in der Hand hält. Karin Schmitt-Promny, die stellvertretende Vorsitzende der Landschaftsversammlung, drückt er herzlich. Und er strahlt über das ganze Gesicht. Schmitt-Promny gibt in ihrer Laudation auf Lieck einen Einblick in sein bewegtes Leben. Sie spricht über seine Verdienste als Sportler, Schützenbruder, Rendant, Kinderchorleiter, Kirchenvorstand, Heimatforscher, Mundartsprecher und Sänger.

Und auch über den Plattdütsch-Oavend des Heimatvereins, den Lieck initiierte über seine Auftritte in der Bütt und seine Bücher. „Was mit der Verleihung des Rheinlandtalers besonders hervorgehoben werden soll, ist sein ehrenamtliches Engagement für die Sprache und regionale Geschichte. Sie ist eng mit seinem Leben verbunden“, sagt Schmitt-Promny. 1941 sei Lieck mit der Kinderlandverschickung nach Sachsen gekommen. Dort habe er Heimweh gespürt, was er in seinem gleichnamigen Buch verarbeitete.

Lieck ist Zeitzeuge des Zweiten Weltkrieges und der Nazi-Herrschaft. Er sieht nach der Reichspogromnacht die Überreste der von den Nazis in Wassenberg niedergebrannten Synagoge. Im Jahr 2015 ist er dabei, als an selber Stelle ein Denkmal eröffnet wird. Lieck berichtet als Zeitzeuge von dieser schrecklichen Zeit. „Wenn der damalige Schüler Karl Lieck von diesem Geschehen berichtet, läuft es dem Zuhörer noch heute eiskalt den Rücken runter“, sagt Schmitt Promny.

Seiner Vorliebe für die Mundart ist Lieck über Jahrzehnte treu geblieben. Als Grundschullehrer setzt er das Platt auf den Stundenplan. Er sammelt Sprichwörter, Geschichten und schreibt ein Wörterbuch des Wassenberger Platts. „Sprache wirkt stark identitätsstiftend und ist für Karl Lieck ganz klar mit seiner Heimat verbunden“, sagt Schmitt-Promny.

Lieck gehöre zu den Menschen, die sich in „besonderem Maße um die regionale Kultur, Sprache und Geschichte und ihre Vermittlung verdient gemacht haben“. Das tut er übrigens auch in der Familie, wie sein Enkel Moritz Lieck, 25 Jahre, sagt: „Opa hat mit uns im Wald jeden Stock und jeden Stein umgedreht und zu allem eine Geschichte erzählt.“

Und ganz zum Schluss singt Karl Lieck dann noch ein Lied. Es ist eine musikalische Liebeserklärung an seine Heimat und die inoffizielle Hymne seiner Stadt: „Wasseberch, ich han dech jaer“. Diesmal singt Lieck nicht allein. Weggefährten, Freunde, Familienmitglieder — alle singen mit.