Justus Thorau und Wolfgang Schröder begeistern beim VHS-Meisterkonzert

Meisterkonzert : Grandioses musikalisches Feuerwerk

Mit einem wahrhaft grandiosen Feuerwerk ging das siebte Meisterkonzert der diesjährigen Saison der Volkshochschule zu Ende: Es musizierte das Sinfonieorchester Aachen unter der Leitung von Justus Thorau; Sologeiger war Wolfgang Schröder.

Auf dem Programm standen Werke von Tschaikowsky und Dvorák: Violinkonzert D-Dur op. 35 und Symphonie Nr. 8 G-Dur op. 88. Die Begeisterung in der voll besetzten Stadthalle kannte keine Grenzen; das rhythmische Klatschen am Ende der einzelnen Stücke wollte nicht aufhören.

Das Sinfonieorchester Aachen wurde erstmals vor 200 Jahren erwähnt und ist damit einer der ältesten Klangkörper unter städtischer Regie in Deutschland. Es ist heute eine feste und anerkannte Größe in der Region. Und dazu haben auch frühere Direktoren wie Fritz Busch, Herbert von Karajan und Wolfgang Sawallisch beigetragen, die ihre Karriere in Aachen begonnen haben. Auch die Leiter aus jüngster Zeit wie Marcus Bosch und Kazem Abdullah haben entscheidend zum guten Ruf beigetragen.

In der Spielzeit 2017/2018 war Justus Thorau kommissarischer Generalmusikdirektor am Theater Aachen, wo er bereits seit 2014 als erster Kapellmeister und stellvertretender GMD engagiert war. Seit Herbst 2018 ist er erster Kapellmeister am Saarländischen Staatstheater.

Der 1967 geborene Wolfgang Schröder begann schon in frühester Kindheit mit dem Geigenspiel. Er konzertierte unter anderem neben Yehudi Menuhin in vielen europäischen Ländern und in Südamerika. Als Solist trat er mit vielen Orchestern in Europa, Amerika und Asien auf.

Über sein Violinkonzert, das 1878 während eines Genesungsurlaubs am Genfer See in gelöster Stimmung entstand, schreibt der Komponist: „In solchem Gemütszustand verliert das Schaffen gänzlich das Gepräge der Arbeit.“ Deshalb war er wohl um so entsetzter, als sein Werk bei der Uraufführung 1881 in Wien bei der Kritik und beim Publikum vollkommen durchfiel; nur die Leistung des Geigers wurde mit viel Beifall aufgenommen wegen der außerordentlich hohen auch technischen Ansprüche, die gestellt wurden. So ist es auch nicht verwunderlich, dass der Part des Geigers für viele als unspielbar gilt. Das Ganze hat einen lyrischen Charakter und spricht besonders durch den Dialog zwischen Geige und Orchester an.

Heute gilt das Werk als eines der bedeutendsten der Musikgeschichte. Wovon sich das Publikum auch selbst überzeugen konnte. Und es war vor allem von Wolfgang Schröder und seinem musikalischen Genie angetan, dass dieser nicht um eine Zugabe, es war ein Sonatensatz von Bach, herumkam.

Nach der Pause dann eine Symphonie von Dvoràk von 1889, die auch mit zunehmender Begeisterung aufgenommen wurde. Gut erkennbar war die Nähe zu Tschaikowsky, mit dem Dvoràk freundschaftlich verbunden war. Ein mitreißender Melodienreigen durchzieht das Werk, das auch der böhmischen Musiktradition verbunden war. Ein Kritiker schrieb damals: „Ein Werk, das von der Freude grüner Weiden, von Sommerabenden, von der Melancholie blauer Wälder, von den dreisten Feiern tschechischer Bauern sang.“ Vor allem auch die Wehmut des dritten Satzes nahm die Zuhörerinnen und Zuhörer gefangen.

Voller Temperament und mit großem Einfühlungsvermögen entlockte Justus Thorau den Musikern Höchstleistungen, vom Piano bis zum Pianissimo. Besonders bei Letzterem begeisterte die Klangfülle des Aachener Sinfonieorchesters.

Natürlich kamen die Musiker nach der Übergabe der Blumen nicht ohne Zugabe von der Bühne: Es erklang der Ungarische Tanz Nr. 5 von Brahms.

(ulla)
Mehr von Aachener Zeitung