Josef Kramer ist zum ersten Mal bei der Heinsberger Kunsttour dabei

Kunsttour im Kreis Heinsberg : „Das Holz sagt mir, was ich machen soll“

Bei der Kunsttour Heinsberg, dem Tag der offenen Ateliers und Galerien in der Freizeit-Region Heinsberg, bekommen in diesem Jahr die Kunstinteressierten an 61 Kunststationen einen Einblick in die Kunstszene des Kreises. Einige Künstlerinnen und Künstler nehmen zum ersten Mal teil. Einer von ihnen ist Josef Kramer.

Der 70-jährige Hobbykünstler lebt mit seiner Frau in Übach-Palenberg. Der ausgebildete Schlosser hat sich dem Material Holz verschrieben. Mit der Öffnung der Kunsttour für alle Interessierten wagt auch Josef Kramer seine Teilnahme und mit seinen kunsthandwerklichen Figuren den erstmaligen Schritt an die Öffentlichkeit. Er habe niemals eine künstlerische Ausbildung gehabt, gibt er offen zu. Auch im Bereich Holz sei er beruflich nie tätig gewesen.

„Das Holz sagt mir, was ich machen soll“, beschreibt er seine Vorliebe für dieses Material. „Ich gehe runter in meine Werkstatt und mache was“, ergänzt er. Mit dem Aphorismus von Pablo Picasso „ Das Geheimnis der Kunst liegt darin, dass man nicht sucht, sondern findet“, kann er sich vollends identifizieren. Er lasse sich unbewusst leiten vom zufälligen Holzstück, folge der Maserung, die er erst nach der Entfernung der Rinde entdecke. Die Inspiration für eine Form, für die Gestalt und das Endprodukt als Skulptur komme unbewusst beim Prozess der Bearbeitung.

Er lasse sich leiten von dem sich Einfühlen in das besondere Teil und von der besonderen Ausstrahlung und der Einzigartigkeit des jeweiligen Werkstückes. So entständen alle Skulpturen als Unikate. Und diese haben durchwegs eine typisierende, teils abstrahierende Form des Wesentlichen der menschlichen Gestalt. Es sind keine Gesichter zu finden. „Der Betrachter soll selber ergänzen“, begründet er diese Anonymität und damit jeder sich darin wiederfinden könne.

„Ich drechsle und schnitze und viele Arbeitsschritte sind reine Handarbeit. Die Bearbeitung der Oberfläche dient der Betonung der schon vorhandenen und der von der Natur vorbestimmten Strukturen“, beschreibt er seinen Gestaltungsprozess.

Angefangen habe seine Arbeit mit Holz vor 20 Jahren, indem er Holzspielzeuge gebaut habe. Ein in allen Teilen aus Holz gefertigter Truck mit Aufleger verdeutlicht diese Periode. Seit mehr als zehn Jahren gestaltet er seine Motive von Harlekin und Clowns, über tanzende Mädchen in der Verkleidung als Prinzessin bis hin zu Mann, Frau und Familie. Alle Inspiration komme aus seinem kulturellen Ursprung und dem Alltag. Und dazu gehören ebenso Märchenfiguren wie Feen oder Engel. „Sie stehen für die Themen Hoffnung, Liebe und Schutz“, ergänzt Kramer. Zu seiner Philosophie gehöre: Er wolle das Beste aus dem Holz herausholen, so wie es sich ihm zeigt. Vorbilder habe er keine, obwohl Giacometti mit seinen Plastiken, Picasso mit seinen Figuren oder auch Cezanne oder van Gogh ihn immer wieder begeistern würden.

Schon als Jugendlicher habe ihn Kunst und Musik als seinen Zugang zur Kultur interessiert. So zieht es ihn immer wieder nach Frankreich und in die dortigen Museen. Selbst das Material bringe er von dort mit, wie so manches Stück Olivenholz. „Bei einem Olivenöl-Bauer habe ich danach gefragt“, beschreibt er eine für ihn wichtige Begegnung. Er habe für das Olivenholz eine Gegenleistung angeboten, in dem er eine Figur erstellt habe, die er „Olivia“ nannte und die er der Bäuerin geschenkt habe.

„Ich gehe vollkommen auf in der Arbeit und vergesse die Zeit“, sagt er von sich, wenn er sich in der Werkstatt aufhält. Unbefangen von allem Kommerziellen und von Kunstverortung erfreut sich mit Josef Kramer ein Mensch an der kreativen Auseinandersetzung mit dem natürlichen Material Holz und gibt seinen Vorstellungen Form und Gestalt.

Wer ihn und seine Skulpturen kennenlernen will, hat dazu am Samstag, 4. Mai, und Sonntag, 5. Mai, jeweils von 11 bis 18 Uhr in der Einhardstraße 23 in Übach-Palenberg Gelegenheit.

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