Heinsberg: Jimmy Hartwig trainiert in Heinsberg mit Flüchtlingskindern

Heinsberg: Jimmy Hartwig trainiert in Heinsberg mit Flüchtlingskindern

Kurz vor Weihnachten wird der Internet-Fernsehsender des Deutschen Fußballbundes einen Bericht über die Arbeit seines Integrationsbotschafters Jimmy Hartwig mit Flüchtlingskindern online stellen. Gedreht werden sollte er in einer Stadt, die nicht immer gleich als erstes in der Fußball-Landkarte auftaucht - Heinsberg.

Die Wahl fiel auf Heinsberg, „aufgrund der geographischen Lage ganz im Westen“, lieferte der Kameramann die Erklärung. In der Stadtverwaltung war vor allem Integrationsbeauftragter Wolfgang Paulus begeistert von der Idee des DFB, in Heinsberg zu drehen. Er organisierte für Hartwig nicht nur einen Besuch bei einer Flüchtlingsfamilie, sondern auch ein Training mit Flüchtlingskindern und mit der A-Jugend des 1. FC 1910 Heinsberg-Lieck, in der fast alle Spieler ihre Wurzeln im Ausland haben.

Für Sebastian Ahrendt (rechts) hatte Jimmy Hartwig eine Glasplakette mitgebracht, wie sie auch die Spieler beim DFB-Pokalfinale erhalten haben.

Zuerst ging es also nach einer Begrüßung durch Bürgermeister Wolfgang Dieder für den Film zu Karen Ozmanova. Die Armenierin lebt im Flüchtlingsheim in Heinsberg zusammen mit ihrer Tochter Meni (13) und ihrem Sohn Karen (12). 170 Menschen aus zwölf Nationen haben hier zurzeit eine neue Heimat gefunden. „Ich war hier in Heinsberg bei einem jungen Mann, der ist jetzt Bundesligaspieler“, scherzte Hartwig ins Mikrofon und nahm Karen in den Arm.

„Darf ich auch was sagen?“, schaltete sich Meni noch etwas zaghaft ein, als die Kamera schon ausgeschaltet war. Klar durfte sie. „Ich will nicht zurück nach Hause!“, erklärte sie dann sehr selbstbewusst. „Da werde ich zwangsverheiratet! Ich will Kinderärztin werden.“ Noch besuche sie die Hauptschule, erzählte sie, schaffe aber den Realschulabschluss und wolle damit weiter auf die Gesamtschule „und dann studieren, hier in Deutschland“.

Kurz war es still im Wohnzimmer der Ozmanovas… Aber die Zeit drängte mit Blick auf den Rückflugtermin Hartwigs nach München.

Beim Training in der Turnhalle an der Westpromenade, an dem natürlich auch Karen teilnahm, waren die Kinder des offenen Ganztagsbetriebs der Sonnenscheinschule als Zuschauer dabei. „Ich glaube, kein schlechter Fußballspieler gewesen zu sein“, stellte sich der Ex-Nationalspieler seinen jungen Trainingspartnern erst einmal vor.

„Ich bin froh, hier zu sein, um euch kennenzulernen“. Das tat er dann auch, nahm jeden einzelnen in den Arm und erfuhr von den Wurzeln der jungen Spieler in Albanien, Algerien, Angola, Armenien, Äthiopien, im Irak, in Kasachstan, im Kongo, in Russland und in der Türkei.

„Ich bin hier zehn Jahre nach dem Krieg geboren“, erzählte Hartwig, Sohn eines afroamerikanischen Soldaten und einer deutschen Mutter, von seiner Geburt im Jahre 1954 in Offenbach am Main. Als er in die Schule gekommen sei, sei er der einzige Ausländer gewesen und von den anderen Kindern nur geschlagen worden. Anerkennung habe ihm erst sein Können als Fußballer verschafft.

„In diesem Land ist nicht alles Gold, was glänzt“, sagte er den jungen Fußballern. „Aber ihr seid hier herzlich willkommen!“ Auch wenn alles mal ganz schief laufe, „macht keinen Blödsinn!“, so sein ausdrücklicher Rat. Denn dann sei man nur noch irgendein Ausländer. Und niemand solle einen Anhaltspunkt dafür erhalten, das so zu sagen. Alle sollten stolz sein auf ihr ganz eigenes Aussehen, stolz auf ihre Eltern und stolz auf ihre Wurzeln, vermittelte er den sportbegeisterten Jugendlichen.

„Meine Herren, jetzt machen wir ernst!“, wurde auch er dann ganz ernst, um mit dem eigentlichen Training zu beginnen. „Jetzt geht‘s um Fußball, und wenn es um Fußball geht, bin ich ganz, ganz streng.“ Ein ganz normaler Pass stand zunächst auf dem Programm. „Immer in Bewegung sein“, lautete da der erste Rat. „Nicht sprechen! Konzentration!“ Hartwig war angetan von dem, was ihm die jungen Spieler schon zeigen konnten.

Einen Tipp für die Trainer, die ebenfalls in der Halle waren, hatte er auch. „Keine Trainingseinheit ohne Ball!“, lautete sein Credo. Jeder im Verein müsse einen Ball haben, um damit zu üben. „Ein Ball muss sein wie meine Freundin“, schmunzelte er. Und weiter ging‘s mit einer Runde Kopfball-Training. „Einer schmeißt…, nein, einer wirft“, verbesserte sich Hartwig lachend.

Zum Schluss gab‘s für den Film noch ein Interview mit Sebastian Ahrendt, dem Jugendleiter des 1. FC 1910 Heinsberg-Lieck. Keinerlei Probleme gebe es mit den jungen Spielern ganz unterschiedlicher Herkunft, erzählte dieser, auch sprachlich nicht. „Irgendwo ist immer einer, der aus der Gegend kommt.“ Und Fußball sei doch auch viel einfacher zu vermitteln als Dinge in der Schule. „Das kann man doch alles mit dem Körper erklären“, schmunzelte Ahrendt in die Kamera.

Bevor er ging, griff Hartwig noch in einen großen braunen Karton und beschenkte die staunenden Kicker mit weißen Trikots und schwarz-rot-goldenen Verzierungen. Für Ahrendt hatte er eine Glasplakette mitgebracht, wie sie auch die Spieler beim DFB-Pokalfinale in diesem Jahr erhalten haben.