Kreis Heinsberg: Jecken übernehmen vielerorts das Kommando

Kreis Heinsberg: Jecken übernehmen vielerorts das Kommando

Seit Donnerstag ist vieles anders. Wo bislang noch Männer das sagen haben, sind sie jetzt zum Schweigen verdammt. Am Altweiberdonnerstag haben die jecken Wiever in vielen Orten das Kommando und das Zepter übernommen.

Erst am Aschermittwoch lassen die Narren von ihrer Macht ab, dürfen die Regierenden wieder auf ihren Thron zurückkehren. Pünktlich um 11.11 Uhr schritten in Erkelenz die Möhnleute zur Tat und beendeten in die Herrschaft von Bürgermeister Peter Jansen: Mit dem blau-weiß geschmückten Rammbock verschafften sie sich Einlass ins Alte Rathaus.

Dort hatten sich Peter Jansen und seine Getreuen verschanzt und leisteten ebenso kurzen wie erfolglosen Widerstand. Dass sie wohl gehörig baden gehen würden, hatten sie schon geahnt, denn Ratsleute und Verwaltungsspitze marschierten anschließend in Badekleidung auf der Bühne am Rathaus auf; allen voran der frisch entmachtete Bürgermeister mit dem Schild „Achtung Nichtschwimmer”.

Trotzdem kamen Politik und Verwaltung der Aufforderung von Prinz Markus nach und präsentierten anschauliche Übungen zum richtigen Verhalten im neuen Schwimmbad. Gleich neben der Bühne lud ein Stand zum „Möhnebräu” aus Bad Windsheim ein. Prinz Markus ließ es sich natürlich nicht nehmen, selbst das Mikro in die Hand zu nehmen und ein paar Karnevalslieder zu singen.

Bis an die Zähne bewaffnet, die Peitsche im Mund und zwei Schusswaffen im Gürtel, versuchte sich Wassenbergs Bürgermeister Manfred Winkens auf dem Roßtorplatz als Westernheld in Machtverteidigung. Aber auch in diesem Jahr war die närrische Macht stärker, angetreten in Form der Karnevalsgesellschaften aus dem Stadtgebiet.

„Okay, ihr Leut, ich habs gecheckt, es ist wohl besser, wenn man sich streckt!”, gab Winkens nach einer halben Stunde Wortgefecht auf und die großen goldenen Schlüssel fürs Rathaus an die Vertreter der Narretei. Von der Friedensfahne sprach er nur, die schwenkte er nicht.

Dafür flog den Narren ein buntes Ei zu, in Anspielung auf den Legehennenstall, der in Rosenthal gebaut werden soll. Erstmals gab Winkens dabei auch seine Gesangskünste zu Besten. „Ich wär so gern ein einzig Mal ein fetter Hahn im Hühnerstall”, sang er. „Wassenberger Eier sind rund, zu Ostern, da sind sie auch noch bunt”, stimmte er zur Melodie der „Kreuzberger Nächte” an. Im Finale bemühte er dann den „schönen Westerwald” mit seiner Textkreation: „Oh du fieser Hühnerstall, du stinkst bei uns in Rosenthal. Das ist für uns „ne große Qual, im schönen Rosenthal.”



„Bernd, es ist nicht dein Tag!” Mit diesem Aufruf wollte Dagmar Fister in Ratheim den Hückelhovener Bürgermeister Bernd Jansen Donnerstagnachmittag überreden, die Macht abzugeben. Prinzessin Nadja hatte den Stadtoberen im Obergeschossfenster des Alten Rathauses entdeckt. Der Bürgermeister zeigte sich zunächst uneinsichtig. „Die Sonne scheint, hier ist es schön”, ließ er vernehmen.

Erst die Feststellung, das Fußvolk habe „das Bier”, ließ ihn wankelmütig werden. Dagmar Fister blies schließlich zum Sturm, die Tollitäten Markus I. und Nadja I. sowie das Kinderprinzenpaar Lars I. und Lena I. riefen ihr Gefolge zum Rammbock. Die Rathaustür wurde gewaltsam geöffnet und Jansen, in Begleitung von neun Königinnen, zur Aufgabe gezwungen.

Die Möhnen in Wegberg werden immer zahlreicher und schöner. Deshalb hatten die Juroren harte Arbeit, die schönste, originellste und schäbigste Möhne aus der geballten Schar der toll kostümierten Weiber zu finden und mit einer Flasche edlen Kribbelwassers zu beschenken. Nach der Prämierung gings flugs zum Rathaussturm. Über dem Eingang prangte als Erinnerung an die künstliche Eisbahn der Spruch: „Winterzauber welche Pracht, hat Klein und Groß viel Spaß gemacht. Wir als Eisprinzessin und „weißer” Mann hoffen, im Advent fängt der Zauber wieder an.”

Die Weiberschar donnerte um 11.11 Uhr mächtig an der eigens besonders eingehängten dicken Eingangstür des Rathauses und forderte vehement, der Bürgermeister solle endlich rauskommen und seine Macht abgeben. „Pillich, komm herut” und „Pillich, dich will ich” scholl es mehrfach, ehe sich doch der Rathausmann ergab.

Der „weiße” Mann mit dem Stadtschlüssel, begleitet von der Eisprinzessin Dorothee Gellisen, die Präsidentin des Rathauses vom Vortrag, traten zusammen mit großem Gefolge nach draußen und ergaben sich ergeben dem Schicksal.