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Jahresausstellung von Canthe im Alten Rathaus in Ratheim

Jahresausstellung von Canthe : Triptychon-Thema neue Impulse gegeben

Zur Jahresausstellung im Alten Rathaus hatten sich die Mitglieder des Kunstvereins Canthe das Triptychon als kreative Aufgabe gestellt. Auch am kommenden Sonntag werden die Arbeiten noch zu sehen sein.

Der Begriff „Triptychon“ stamme aus dem Altgriechischen und bedeute „dreifach gefaltet“ oder „aus drei Lagen bestehend“, wie der stellvertretende Vorsitzende Dr. Jürgen Legewie bei der Begrüßung der Besucher erläuterte. Diese Darstellungsform wurde im Mittelalter häufig bei Altären verwendet, um diese durch das Zuklappen zu schützen. Während man heute zumeist die aufgeklappte „Festtagsseite“ sehe, waren die Triptychen im Mittelalter zumeist zugeklappt.

Die fachliche Einführung übernahm auch diesmal wieder der Aachener Kunsthistoriker Dr. Dirk Tölke. Er begann seine Ausführungen mit der Volksweisheit, dass „aller guten Dringe drei“ seien. Auch er verwies auf die Funktion des Zuklappens und die damit verbundene Steigerung der Bedeutung des Dargestellten, da es nicht immer zu sehen gewesen sei.

Die Canthe-Künstler hingegen behielten ihre dreigeteilten Werke offen und hatten auch neue Formen der Darstellung gewählt, wie Tölke beim gemeinsamen Rundgang durch die Ausstellung mit den Besuchern erläuterte. Der ansonsten nicht figürlich malende Theo Heinen hatte mit „Und immer wieder“ den Reigen der Reaktionen auf gesellschaftliche Entwicklungen mit seiner Aufforderung zum Überdenken des Umganges mit der Welt begonnen. Janice Orth hingegen hatte sich für eine freie Darstellung entschieden, bei der die Betrachter glaubten, im Diffusen der Darstellung Konkretes zu sehen.

Zehn Künstler hatten sich des Themas angenommen und der an sich liturgisch orientierten dreigeteilten mittelalterlichen Darstellungsform neue Impulse gegeben. So wurde das Thema auch bildhauerisch und zeitkritisch angelehnt an moderne Thematiken umgesetzt. Henriette Echgli kritisierte mit „Und das Gras ist grün“ den Umgang der Menschen mit dem Wasser. Neue Wege war der Bildhauer Peter Röttges mit seiner dreigeteilten Holzskulptur gegangen, die auf die Funktion des Zuklappens abzielte. Durch Aussparungen in den verwendeten Holzbalken ergab sich im geschlossenen Zustand ein Kreuz. Der Fotograf Helmut Machat hat in seinem Triptychon durch Nahaufnahmen Spiegelungen im Wasser neu inszeniert, während sich Dr. Henning Herzberg de Pers dem Thema der Heimat mit Motiven aus der Region angenommen hatte.

Auch Laura-Helene Förster hatte in ihrem Triptychon den Umgang der Menschheit mit der Natur thematisiert. Durch ein Spiel mit Perspektiven brachte sie den Betrachtern die Verschmutzung der Ozeane durch Plastikabfall ins Bewusstsein. Michael Borgulat hatte mittels Langzeitbelichtung die Bewegung einer Tänzerin plastisch und statisch sichtbar gemacht, während Gert Jäger mit seiner kompakten dreigeteilten Plastik durch den Einsatz von Spiegeln den Betrachter selbst in den Mittelpunkt rückte. Tom Jansens Beitrag „Leben II“ zeigte das Leben des Menschen von der Geburt bis zum Tod in ikonografischer und plakativer Reduzierung auf das Wesentliche.

Tölke hob vor allem die Vielfalt der Darstellungen in einer an sich formalistisch streng definierten Form hervor.

Auch in diesem Jahr hatte der Verein wieder für seine Mitglieder, Freunde und Förderer eine Jahresgabe in Form eines limitierten Kunstdrucks vorbereitet. Diese Aufgabe hatte Henriette Echghi übernommen. Der Titel ihrer Arbeit lautet „Ein Hauch von Leben“.

Die ausstellenden Künstler sind Gert Jäger, Theo Heinen, Janice Orth, Peter Röttges, Tom Jansen, Helmut Machat, Henning Herzberg de Pers, Laura-Helene Förster, Henriette Echgli und Michael Borgulat. Die Ausstellung ist noch am kommenden Sonntag, 1. Dezember, im alten Rathaus, Ratheimer Markt 1, von 11 bis 18 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei.