Hückelhoven-Baal: Internationale Vorbereitungsklasse: „Die Eltern sind sehr dankbar“

Hückelhoven-Baal : Internationale Vorbereitungsklasse: „Die Eltern sind sehr dankbar“

Das Urteil von Dieter Frohnhofen macht in diesen tristen, grauen und trüben Tagen nicht nur Mut, es gibt auch guten Grund, hoffnungsvoll in die Zukunft zu schauen: „Unsere Schule ist sehr viel bunter geworden“, sagt der Rektor der Mühlenbachschule in Baal.

Das seien „sehr schöne Erfahrungen, die wir mit diesen Schülern gemacht haben“, ergänzt er. Frohnhofen spricht von den 17 Kindern, die derzeit die Förderklasse der Gemeinschaftsgrundschule besuchen. Und er greift zurück auf die Erfahrungen, die er und seine 14 Kolleginnen und Kollegen an der Schule mit den 40 Kindern, die seit dem Schuljahr 2015/16 die internationale Vorbereitungsklasse für zugewanderte Kinder bisher durchliefen, gemacht haben.

„Das ist Inklusion pur“

„Wir haben die Kinder hier sprachlich so fit gemacht, dass sie jetzt in die Regelklasse integriert sind oder auf weiterführende Schulen gehen können“, sagt Frohnhofen. Schulrätin Astrid Petry zeigt sich von dem Konzept, das das Kollegium der Mühlenbachschule erarbeitet hat und das in Baal als einziger Grundschule im Hückelhovener Stadtgebiet umgesetzt wird, begeistert: „Das ist Inklusion pur, was hier praktiziert wird.“

Das Handicap, das die Kleinen, die in ihrem bisherigen Leben ein anderes kulturelles Umfeld erfahren haben und die es — aus welchen Gründen auch immer — nach Deutschland verschlagen hat, bei der Einschulung mitbringen, ist die Sprache: Deutsch ist nicht ihre Muttersprache. Aber Deutsch wie eine zweite Muttersprache zu beherrschen ist Voraussetzung, um sich in diesem Land zurecht zu finden und hier leben zu können.

„Die Kinder lernen schnell“, sagt Anne Worms. Die pensionierte und für die Arbeit in der Baaler Vorbereitungsklasse reaktivierte Berufsschullehrerin bildet zusammen mit der Sonderpädagogin Rita Bresser das pädagogische Duo, das den Kindern aus Zuwanderungsfamilien Licht in das Dunkel der deutschen Sprache bringt. Handlungsorientiert und alltagsnah — das sind die beiden Schlagworte, die für das Erlernen der deutschen Sprache im Zentrum des Unterrichts in der Vorbereitungsklasse stehen.

Und die beiden Pädagoginnen achten darauf, dass die Kinder in ganzen Sätzen reden. „Ich brauche das Radiergummi. Kannst du mir das mal leihen“, fragt beispielsweise die neunjährige Tamara aus Rumänien den acht Jahre alten Ninos aus Syrien. Und der schiebt ihr lächelnd den „Ratzefummel“ über den Tisch. Auf dem finden sich verschiedene Gegenstände ebenso wie Zettel mit Namen von Dingen und Redewendungen — „Haben Sie...“, „Ich möchte...“ — mit denen man, als Beispiel, das „Einkaufen“ spielerisch erlernen kann. „Ich habe für den Unterricht hier den Einkaufsladen meiner Tochter geplündert“, sagt Rita Bresser und lacht dabei.

Es wird überhaupt viel gelacht in diesem Raum der Vorbereitungsklasse: Man sieht, hört, spürt und fühlt, dass den Kindern das Lernen, dass ihnen der Unterricht mit den beiden Frauen sehr viel Spaß macht. Die Pädagoginnen lassen den Kindern in dieser Vorbereitungsklasse den Raum, das Tempo ihres Lernens selbst zu bestimmen. Aber es gibt natürlich auch Dinge, die eingepaukt werden müssen: „Die Artikel zum Beispiel“, sagt Rita Bresser, „sind ein ganz großes Problem. Daran arbeiten wir uns dumm und dusselig“.

Kreative Lernmittel

„Wir haben eine breite Palette von Unterrichtsmaterialien zur Auswahl, mit denen man viele Möglichkeiten hat, in kurzer Zeit viel zu lernen “, sagt Anne Worms. Den „Ting-Stift“ zum Beispiel: Wird er auf das Bild in einem Buch gehalten, verrät er, was darauf abgebildet ist: „Das ist mein Fuß“, „Das ist mein Arm“, „Ich habe Halsschmerzen“, sagt der sprechende Hörstift dann. Mit einem Kopfhörer verbunden, wird der Stift auch im Deutschunterricht eingesetzt. „Die Schulbuchverlage haben sich auf die neue Zielgruppe regelrecht draufgestürzt“, sagt Dieter Frohnhofen, der sich natürlich über die sich dadurch bietenden Möglichkeiten, den Unterricht ebenso spielerisch wie effizient gestalten zu können, freut.

„Mit der finanziellen Unterstützung durch die Stadt Hückelhoven als Schulträger sind wir sehr zufrieden“, sagt Frohnhofen. Mit den 1500 Euro habe man „sehr kreative Lernmittel anschaffen“ können. „Wir verstehen uns als eine Schule des gemeinsamen Lernens“, sagt der Rektor der Mühlenbachschule. „Die Eltern sind sehr dankbar.“