Integratives Projekt: SiebenSchreiber lesen im Seniorenheim Lambertus

Integratives Projekt : Gedanken und Gefühle zu Papier gebracht

Das Thema ist wohl nicht ganz zufällig der Jahreszeit angepasst: „Luft und Liebe“ steht über der Lesung, in der vier Mitglieder der Wegberger Autorengruppe SiebenSchreiber im Seniorenheim Lambertus in Hückelhoven Texte, die in diesen Vorfrühlingstagen mehr oder weniger das Thema, das in den Lüften liegt, aufgreifen.

Was die Autoren Anneliese Baatz, Inga Lücke, Renate Müller und Peter Schmidt vor einer beachtlichen Zuhörerzahl an diesem lauen Nachmittag vortragen, sind freilich nur bedingt ihre ureigensten Werke: Die Mitglieder der Wegberger Autorengruppe haben in diesem zweiten Projekt, das sie nach dem großen Thema „Heimat“ verwirklicht haben, aufgeschrieben und in passende Worte gebracht, was ihnen Klienten und Bewohner der Einrichtungen der Katharina Kasper ViaNobis GmbH, also hilfsbedürftige Menschen mit und ohne Behinderung, in persönlichen Gesprächen erzählt haben. Entstanden sind so ganz unterschiedliche, immer aber sehr fantasievolle Geschichten über die erfüllte und auch über die nicht erfüllte Sehnsucht nach Liebe.

SiebenSchläferin Renate Müller („Neben Lesen ist das Schreiben meine liebste Beschäftigung. In Geschichten eintauchen, Charaktere erschaffen, Schicksale entwickeln, Träume bewahren – das bedeutet Schreiben für mich“) beispielsweise hat aufgeschrieben und in die passenden Worte gesetzt, was Carla Eggerath ihr in einem gut zweistündigen Gespräch erzählt hat. „Das war ein wunderbares Treffen, ein sehr schönes Gespräch, das wir hatten“, sagt Carla Eggerath. „Ich fühlte mich nachher wie befreit.“

Die Erzählung, die Renate Müller daraus gemacht hat und die sie an diesem Nachmittag im Seniorenheim Lambertus vorliest, trägt den Titel „Nur ein Wort“. Die Geschichte handelt von dem sehr sportlichen Mädchen Calliandra, das seine Leidenschaft, das Fußballspielen, aus gesundheitlichen Gründen aufgeben muss, dann aber einer Fee begegnet. „Sie ergriff die sanften Hände der Fee und sagte: ,Ich will euch helfen, kranken oder verletzten Menschen zu helfen. Ich möchte sehr gerne Sanitäterin beim Roten Kreuz werden’.“ Das wird Calliandra dann auch – und erfährt dabei eines Tages das, was als Leitmotiv über diesem Nachmittag steht: Luft und Liebe.

Oder Gisela Okonski: Sie hat Inga Lücke („Schon als Kind habe ich geglaubt, dass Worte helfen, Menschen zu verbinden, Brücken zu schlagen und Angst zu überwinden“) „An die Musik“ an die Hand gegeben, und ihr ist deren Liebeserklärung an die Musik aus der Feder geflossen: „Du bist meine Freude,/Du bist mein Leben,/Du bist meine Liebe,/Du bist mein Glück;/ohne deinen Klang im Herzen/verlöre mein Leben sein wichtigstes Stück“.

Es sind aber keineswegs nur schöngeistige Texte, die so in der ausgesprochen kreativen Zusammenarbeit von Menschen, die das Schreiben für sich als Hobby entdeckt haben, und Menschen, denen es schwerer als anderen fällt, ihre Gedanken und Gefühle in die passenden Worte zu fassen, zu Papier gebracht werden. Anneliese Baatz („Das Schreiben von Geschichten und Gedichten war schon als Schülerin mein Hobby. Mit der Schreibgruppe SiebenSchreiber kann ich dieses Hobby weiterentwickeln“) etwa hat aufgeschrieben, wie Martin Tymczuk sich in seinen Brieffreund verliebt und wie diese einseitige Liebe zerplatzt wie ein Luftballon: „Rot und blau und grün und gelb/steigen sie wie fröhliche Tupfer/hinaus in die Welt/bis sie zerplatzen am Ende der Reise/so wie manche Träume mal laut – mal leise“.

„Erzähler und Schreiber sind sich bei diesem Projekt ,Luft und Liebe’ auf der Basis von Sprache, Vertrauen und gemeinsamen Erfahrungen begegnet“, sagt Georg Schmitz, der als Diplom-Theologe im Bereich Ethik und Seelsorge in der Eingliederungshilfe der Katharina Kasper ViaNobis GmbH tätig ist.

Wie aus Ideen, Erinnerungen und Assoziationen neue, berührende und persönliche Geschichten entstehen können, das wurde im Seniorenheim Lambertus in Hückelhoven an diesem Nachmittag eindrucksvoll vorgeführt.