Hückelhoven: Integrationspreis für die St.-Gereon-Seniorendienste

Hückelhoven: Integrationspreis für die St.-Gereon-Seniorendienste

Zum Ende seiner Dankesrede wünschte sich der Preisträger, den Preis abzuschaffen. Das war freilich nicht als Affront gegen die Preisverleiher zu verstehen, sondern war als Kritik an den bestehenden Verhältnissen gemeint.

„Ich wünsche mir, dass es in einigen Jahren nicht mehr notwendig ist, einen solchen Preis zu verleihen, um deutlich zu machen, dass Menschen Unterstützung dabei brauchen, in dieser Gesellschaft anzukommen. Wir brauchen nicht nur eine Willkommenskultur, wir brauchen auch eine Bleibekultur.“ Bernd Bogert sagte dies, nachdem ihm als Geschäftsführer stellvertretend für die St.-Gereon-Seniorendienste Brachelen in der Moschee an der Friedrichstraße in Hückelhoven der Integrationspreis des Integrations- und Bildungsvereins Hückelhoven überreicht worden war.

Mehmet Yilmaz, Öffentlichkeitsreferent der Hückelhovener Moscheegemeinde im Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ), hatte zuvor den Beschluss seines Vorstandes begründet, in diesem Jahr die Alten- und Pflegediensteinrichtung St. Gereon Seniorendienste mit dem Preis auszuzeichnen: „St. Gereon investiert seit Jahren mit einem enormen organisatorischen und auch finanziellen Aufwand in die Ausbildung junger Menschen zu Pflegeberufen unterschiedlichster Art und gibt vielen Jugendlichen mit Migrationshintergrund gerade in den wichtigen Übergängen von Schule, Ausbildung und Beruf gute Perspektiven für das spätere Berufsleben“.

Zur Preisverleihung waren auch einige der augenblicklich 220 Auszubildenden in den Pflegediensteinrichtungen von St. Gereon, von denen ein Drittel einen so genannten Migrationshintergrund haben, also einem anderen Kulturkreis als unserem entstammen, mit in die Moschee gekommen. Bogert: „Es ist egal, wo die Menschen herkommen. Entscheidend ist, wo sie hinwollen. Und wir wollen eine gemeinsame Zukunft, an der wir gemeinsam arbeiten.“

Dazu brauche es, sagte Bernd Bogert in seiner Dankesrede, „den Raum und den Respekt für Unterschiede und für andere Lebensentwürfe.“

Keine Selbstverständlichkeit

Bogert räumte ein, dass es nicht immer einfach sei, 220 junge Menschen, die alle ihre „Ecken und Macken und Kanten, ihre Wünsche und Hoffnungen, Ungereimtheiten, Kompetenzen, sozialen Hintergründe und unterschiedliche Lebensentwürfe“ hätten, in das Arbeitsleben zu integrieren. Aber: „Wir bei St. Gereon haben bewiesen, dass es machbar ist — und dass es sich lohnt“, betonte er.

Mehmet Yilmaz dankte, „dass hierdurch eine größere Chancengleichheit gerade für junge Menschen mit Migrationshintergrund gegeben ist.“

Das scheint für Menschen islamischen Glaubens in einer Zeit, in der selbst ernannte „Retter des Abendlandes“ an einigen Orten erheblichen Zulauf haben, keine Selbstverständlichkeit mehr zu sein. Auch deshalb wäre es eine Auszeichnung für dieses Land, wenn der Wunsch des diesjährigen Preisträgers nach Abschaffung des Preises — weil er überflüssig geworden ist — möglichst rasch in Erfüllung ginge, wurde bei der Preisverleihung deutlich.

(kalauz)