1. Lokales
  2. Heinsberg

Hückelhoven-Hilfarth: Insolvenzverfahren: Der Weg zurück auf die eigenen Beine

Hückelhoven-Hilfarth : Insolvenzverfahren: Der Weg zurück auf die eigenen Beine

Die Matratzenfabrik Houben aus Hilfarth hat den ersten Teil ihrer Sanierung in Eigenverwaltung nach dem Insolvenzrecht hinter sich gebracht. Nach Angaben der Geschäftsführerin Manon Spin befinde sich das Unternehmen dabei auf einem guten Weg, so dass sie hofft, das Verfahren Ende dieses oder Anfang kommenden Jahres abschließen zu können.

Kernpunkt bei einer Sanierung in Eigenverwaltung ist, dass die Geschicke des Unternehmens nicht von einem Insolvenzverwalter, sondern von der Firma selbst geleitet werden. Sei ein Insolvenzverwalter beteiligt, münde das Verfahren oft in einen Verkauf des Unternehmens. Und genau das wollte die Geschäftsführung des Hilfarther Matratzenherstellers vermeiden, sagte Spin. „Wir wollen hier weitermachen.“ Und derzeit sieht es so aus, als würde das gelingen.

Gehälter für 90 Mitarbeiter

Den Antrag auf diese in Deutschland noch recht neue Form des Insolvenzverfahrens hatte das Unternehmen im März gestellt. In dieser Zeit wurden Pläne erarbeitet, um den Vertrieb zu verbessern, neue Märkte im Ausland zu erschließen und vormals verschlafene Investitionen in Maschinen und Produktionsabläufe nachzuholen. Dieser erste Schritt, das sogenannte „vorläufige Verfahren“ sei am 1. September abgeschlossen worden, nun habe das „eigentliche Verfahren“ begonnen, sagte Spin.

Erste Investitionen hat das Unternehmen auch schon tätigen können. Dabei half die Tatsache, dass die Agentur für Arbeit drei Monate lang die Gehälter der 90 Mitarbeiter gezahlt hat. „Das hat uns sehr geholfen. Das hat uns Liquidität gebracht“, sagte Spin. So habe das Unternehmen zum Beispiel eine Steppmaschine modernisiert, einen Verkaufsleiter eingestellt, der das Geschäft in den Benelux-Staaten aufbauen soll, und am Firmensitz in Hilfarth moderne Ausstellungsräume eingerichtet.

Spin kann also einige Erfolge vorweisen, es gab aber gleichzeitig Probleme, die auch die Sanierung in Eigenverwaltung mit sich bringt. Das Wort Insolvenz ist eben ein negatives Label, um das viele Kunden und Lieferanten lieber einen Bogen machen. „Die Kunden hatten Angst, dass wir nicht liefern können, die Lieferanten befürchteten, wir könnten nicht zahlen“, sagte Spin. Also habe man Überzeugungsarbeit geleistet, das Verfahren, das es erst seit 2012 gibt, erst einmal erklärt. „Wir produzieren weiter, wir liefern weiter, und unsere Lieferanten wissen auch, dass alles weiterläuft“, sagte Spin.

Manon Spin und ihr Co-Geschäftsführer Johan H. Slijkhuis richten das Unternehmen derzeit auch strategisch neu aus. Hatte der Matratzenhersteller noch vor einigen Jahren nur auf einen großen Kunden gesetzt, versucht er nun auch Bettenfachgeschäfte und kleinere Ketten mit mehreren Filialen zu bedienen. „Wir müssen das Risiko verteilen“, sagte Spin. „Wenn ein Großkunde eine leichte Erkältung hat, haben wir eine schwere Grippe. Und wenn er eine Grippe hat, haben wir eine Lungenentzündung“, sagte sie. Natürlich ist der Großabnehmer für das Hilfarther Unternehmen weiterhin wichtig. Aber man will aus der starken Abhängigkeit heraus. Man verzeichne bereits Umsatzsteigerungen im Geschäft mit den kleineren Kunden. Das gleiche den Umsatzrückgang mit einem Großkunden aber noch nicht aus.

Laut Vorstellung von Spin sollen auch die Investitionen in den Standort Hilfarth fortgesetzt werden. Bei der Bettenproduktion verliere man aktuell noch sehr viel Zeit, weil die Maschinen für den Arbeitsfluss nicht ideal angeordnet seien. Dort soll der Arbeitsablauf auch durch einen Umbau der Produktionshalle, die sich noch im Besitz der Familie Houben befindet, verbessert werden. Dafür seien aber noch Arbeiten am Dach nötig, das nach einem Einsturz im Jahr 2014 noch ertüchtigt werden muss.

Bei allem Optimismus, den Spin ausstrahlt, befindet sich die Branche weiterhin unter Druck. Im Internethandel herrscht ein starker Preiskampf im Matratzengeschäft. Den daraus resultierenden Preisdruck geben die Onlinehändler an die Hersteller weiter. Und das macht die Arbeit auch in Hilfarth weiterhin kompliziert. Allerdings stellt die Matratzenfabrik Houben auch Modelle her, die von solchen Entwicklungen nicht betroffen sind. Zum Beispiel eine sogenannte Kassettenmatratze, die sich die Kunden selber aus einzelnen Schaumstoff- und Federkernelementen zusammenstellen können. Und das geht eben nur im Geschäft, nicht online.